Das Berliner Fintech greift mit seinem Preismodell etablierte Onlinebroker an. Das Vorbild für das Konzept kommt aus den USA.

Mit niedrigen Gebühren und einer Ausrichtung auf mobile Endgeräte tritt Trade Republic gegen etablierte Broker an. Statt volumensabhängiger Provisionen zahlen Kunden beim Berliner Fintech eine „Fremdkostenpauschale“ von einem Euro, wenn sie Aktien, Index-Fonds (ETFs) oder Derivate kaufen oder verkaufen. Auch auf Depotgebühren verzichtet das Start-up. Durch vollständig digitale Prozesse und eine schlanke Organisation will das von Christian Hecker, Thomas Pischke und Marco Cancellieri gegründete Unternehmen besonders effizient wirtschaften.

Seit Mai steht das Angebot allen offen, im Februar war das Fintech mit einem geschlossenen Nutzerkreis an den Start gegangen. Mittlerweile haben sich laut Trade Republic Kunden im deutlich fünfstelligen Bereich registriert. Ende vergangenen Jahres hat das Start-up eine Lizenz als Wertpapierhandelsbank erhalten. Bei der Abwicklung des Wertpapiergeschäfts arbeitet Trade Republic mit der britischen Großbank HSBC zusammen. Als Dienstleister für die Konten dient die mit Vollbanklizenz ausgestattete Solarisbank, auf deren Infrastruktur auch Digitalbanken wie Kontist und Penta setzen.

Schon vor dem Start hatten die Gründer mit dem Düsseldorfer Finanzdienstleister Sino einen Geldgeber gefunden, der sich auch operativ einbringt: So ist Sino-Chef Ingo Hillen derzeit auch Geschäftsführer von Trade Republic. Nun wächst der Investorenkreis: Der schwedische Investor Creandum und der Berliner Kapitalgeber Project A investieren zusammen zehn Millionen Euro, wie die Unternehmen gestern mitteilten. Damit wächst die Gesamtfinanzierung des Start-ups auf 17 Millionen Euro.

6.500 Aktien handelbar

Die Gründer wollen das frische Kapital nutzen, um ins europäische Ausland zu expandieren und weitere Anlageprodukte in das Portfolio zu integrieren. Bisher können Nutzer mehr als 6.500 deutsche und internationale Aktien sowie 500 ETFs investieren. Seit gestern lassen sich zudem rund 40.000 Optionsscheine und sogenannte Knock-Out-Zertifikate odern. Dabei handelt es sich um eine spekulative Form der Geldanlage: Anleger wetten auf einen fallenden oder steigenden Kurs, das Zertifikat wird aber wertlos, wenn die Aktie einen bestimmten Wert unter- beziehungsweise überschreitet.

Mit dem provisionsfreien Brokerage greift Trade Republic Anbieter wie Flatex oder Onvista an, die auf feste Gebühren beim Wertpapierhandel setzen. Vorbild für das Fintech ist das 2014 gestartete US-Start-up Robinhood, das derzeit einen Börsengang vorbereitet. Der Anbieter verdient Geld vor allem damit, dass Orders an Spezialfirmen weitergeleitet werden. Diese bringen Käufer und Verkäufer direkt zusammen und streichen Margen zwischen Kauf- und Verkaufskursen selbst ein. Auch Trade Republic arbeitet so, wie die WirtschaftsWoche berichtete. Das Start-up beteuert, dass dem Nutzer dadurch keine Nachteile entstehen.