Das auf Individualreisen spezialisierte Start-up erhält 42 Millionen Euro von Bestandsinvestoren – und will nun die Internationalisierung vorantreiben.

Eine Safari in Namibia, Tauchen vor den Galapagosinseln oder Wandern in Neuseeland: Mit Ideen wie diesen wollen Julian Stiefel und Julian Weselek Lust auf Fernreisen machen. 2016 haben sie Tourlane gegründet – ein digitales Reisebüro, das Kunden individuelle Komplettpakete mit Unterkünften, Aktivitäten vor Ort und Transporten zusammenstellt. Erst im Dezember haben die Berliner Gründer Sequioa von ihrer Geschäftsidee überzeugt. Der renommierte US-Investor investierte zusammen mit Spark Capital, Holtzbrinck Ventures und DN Capital 21 Millionen Euro. Nun haben die Kapitalgeber noch einmal 42 Millionen Euro nachgelegt, wie Tourlane heute mitteilte. Insgesamt habe man damit nun über 72 Millionen Euro an Wagniskapital eingeworben.

Nutzen will das Start-up die erneute Finanzspritze für die Internationalisierung. „Der Trend zu Individualreisen ist global zu beobachten“, sagte CEO Stiefel im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Konkrete Expansionsländer wollte er aber nicht nennen. In den vergangenen Monaten hatte das Unternehmen Buchungsportale für die Niederlande, Frankreich und Großbritannien gestartet. Das Team ist auf nun 200 Mitarbeiter gewachsen. Geplant seien weitere Neusteinstellungen in allen Unternehmensbereichen, so Stiefel.

Persönliche Beratung im Fokus

Das Geschäft von Tourlane ist vergleichsweise personalintensiv. Wie in klassischen Reisebüros schnüren Berater die Reisepakete – daran will Stiefel auch nicht rütteln: „Die persönliche Beratung macht Tourlane aus.“ Er betont, dass die Experten festangestellt sind – meist aus den jeweiligen Zielländern stammen und bis zu vier Wochen im Jahr vor Ort sind. Bis zum Jahresende sollen 60 Destinationen über Tourlane buchbar sein.

Im Hintergrund kommt indes viel Technologie zum Einsatz – vor allem bei der Angebotserstellung. So hat Tourlane Planungstools entwickelt, mit denen die Berater die Reisen zusammenstellen. Für die Kunden ist es kostenlos, sich die Angebote zusammenstellen zu lassen. Bei der Buchung bekommt das Start-up Provisionen der Dienstleister vor Ort. Man arbeite dabei sowohl mit einzelnen Anbietern als auch mit sogenannten Destination-Management-Firmen zusammen, so Stiefel.

Buchungs-, Kunden- und Umsatzzahlen nennt das Start-up nicht. Jahresabschlüsse hat das Unternehmen bisher nicht veröffentlicht. Wenig aussagekräftig ist da die Angabe von Stiefel, dass sich der Jahresumsatz im vergangenen Jahr gegenüber 2017 verachtfacht habe. Dazu beitragen dürfte indes auch eine neuer Vertriebskanal: „Wir arbeiten bereits mit mehreren Reisebüros zusammen.“ Details dazu will der Gründer nicht nennen.

Umkämpfter Markt

Ein Grund für die Verschwiegenheit: Der Reisemarkt ist hart umkämpft – immer mehr Start-ups drängen in den Bereich. Ein direkter Konkurrent von Tourlane ist Fineway. Das Münchener Unternehmen bietet ebenfalls individuelle Reisen an, setzt aber bei der Zusammenstellung noch stärker auf eine Automatisierung. Eine Series-A-Finanzierungsrunde haben die Investoren im vergangenen Dezember auf 13 Millionen Euro aufgestockt.

Star der europäischen Traveltech-Szene ist derzeit Getyourguide, dessen Gründer Johannes Reck auch in Tourlane investiert hat. Das 2009 in Zürich gegründete Unternehmen hat Medienberichten zufolge gerade eine Finanzierung in dreistelliger Millionenhöhe mit dem japanischen Tech-Konzern Softbank ausgehandelt. Das Start-up vermittelt Ausflugsmöglichkeiten und Touren für Stadturlauber. Auf Aktivitäten in den Bergen ist Checkyeti aus Wien spezialisiert, das nach einer Finanzspritze über vier Millionen Euro sein Sommerangebot ausweiten will.