Die Tourismusbranche ist im Umbruch: Zahlreiche Start-ups haben neue Ideen für den Urlaub – und dessen Planung.

Von Louisa Riepe 

Kristallklares Wasser, feiner Sand, eine laue Brise – an einem Strand auf Ibiza hat für Kai Michael Schäfer alles angefangen. Gemeinsam mit zwei Freunden flog er Ende 2014 in den Urlaub. Aber nicht nur, um zu entspannen – sondern auch, um ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln. Das Trio wollte die Qualität von Stränden systematisch bewerten und so Reisenden die Urlaubsplanung erleichtern. Die Idee für den Beach-Inspector war geboren.

Doch es reichte den Gründern nicht, nur einen schönen von einem weniger schönen Abschnitt zu unterscheiden. Stattdessen entwickelte Schäfer mit seinen Mitgründern Anton Werner und Thomas Berndorfer ein Bewertungssystem mit 120 Datenpunkten: Wie stark ist die Brandung? Ist der Strand sauber? Gibt es Infrastruktur, Duschen oder Toiletten? Welche Klientel besucht den Strand? Aus all diesen Informationen wird eine Skala von eins bis zehn gebildet und auf der Website veröffentlicht – genaue Informationen für verschiedene Zielgruppen, von der Familie bis zum Sportler.

Die Arbeit übernehmen hauptsächlich Praktikanten und die so genannten Korrespondenten – Reisende, die sich mit der Arbeit für den Beach-Inspector etwas Geld dazu verdienen. Bisher hat das Team über 800 Strände an 18 Urlaubsorten bewertet. Und das Angebot wächst ständig weiter. Demnächst kommen noch die Nord- und Ostsee, Sardinien und Israel dazu.

Reisewunsch per Textnachricht

Viele Start-ups entwickeln derzeit Ideen für die Tourismusbranche. Das bestätigt auch Ulrike Regele, Referatsleiterin für Handel und Tourismus beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Auch weil sie im umkämpften Tourismusmarkt immer noch Nischen besetzen können: „Die digitale Kompetenz ist in der Branche einfach nicht so vertieft vorhanden.“ Chancen sieht sie vor allem für Unternehmen, die hinter den Kulissen tätig sind. Vom kontaktlosen Bezahlen über Einsatzplan-Systeme oder Concierge-Reisebegleiter bis hin zum Serviceroboter sei noch vieles möglich.

Auch Maximilian Lober will mit seiner Idee in der Tourismusbranche Erfolg haben. Reisende können über die App seines Start-ups Voya eine Buchung in Auftrag geben, indem sie per Textnachricht den Reisezeitraum, das gewünschte Ziel und ein Budget angeben. Innerhalb von fünf bis zehn Minuten erscheinen verschiedene Routen. Generiert werden sie von einem Algorithmus, der das Internet nach geeigneten Möglichkeiten durchsucht.

„Unsere Reiseexperten wählen dann die beste Option aus. Die künstliche Intelligenz ist noch nicht so weit, das zu übernehmen“, sagt Lober. Doch mit der Zeit lässt sich das System weiter automatisieren. Er ist sich daher sicher, dass sich das System der „Human Assisted Artificial Intelligence“ in den nächsten Jahren in der Dienstleistungsbranche durchsetzen wird. Denn dadurch ist der Service nicht nur mobil verfügbar, sondern auch personalisiert: „Je öfter man Voya benutzt, desto besser lernt das System einen kennen“, sagt Lober.

Er setzt vor allem auf Geschäftskunden. Denn in seinem früheren Job als Unternehmensberater hat Lober selbst erlebt, wie frustrierend berufliche Trips sein können. Voya ist zwar erst seit acht Wochen auf dem Markt, aber die ersten Unternehmen bezahlen bereits für Lobes Reiseservice.

Campanda: Airbnb für Wohnmobile

Eine völlig andere Zielgruppe bedient Chris Möller. Sein Start-up Campanda vermietet in 36 Ländern Wohnmobile – wobei Möller nur die Plattform zur Verfügung stellt, die Fahrzeuge vor Ort gehören Privatleuten oder kleineren Unternehmen. Bedarf dürfte es reichlich geben, nach Angaben von Möller fahren allein in Deutschland 1,3 Millionen Wohnwagen und Wohnmobile auf den Straßen umher.

Campanda will bei den Kunden vor allem mit einem einfachen Buchungssystem und Verlässlichkeit punkten. Damit die Anbieter ihre Versprechen halten, arbeitet das Unternehmen mit einem Bewertungssystem und behält sich vor, einzelne Anbieter abzumahnen oder ganz auszuschließen.

Bei allem Gründergeist gibt es durch den Digitalisierungstrend auch Verlierer in der Branche, Reisebüros zum Beispiel. Ihr Service ist in Zeiten der Online-Buchung weniger gefragt, sagt Tourismus-Expertin Ulrike Regele.

Kai Michael Schäfer will seinen Strand-Service auch weiter kostenlos anbieten. Er hat andere Wege gefunden, um Geld zu verdienen. Eine Möglichkeit ist die Kooperation mit anderen Reiseunternehmen. Der Beach-Inspector vermittelt seine Nutzer dann zum Beispiel an ausgewählte Hotels oder Ferienwohnungen in der Nähe des Traumstrandes. Außerdem zahlen einige Regionen bereits dafür, dass die Strände bewertet werden. „Wir stellen ihnen strukturierte Informationen zur Verfügung“, sagt Schäfer, „die sie selbst den Touristen nicht bieten können.“