Zwei Köpfe aus der Gründerszene bauen eine Plattform, die Lernende in den Mittelpunkt stellen soll. Dafür kooperiert das Start-up mit Hochschulen – die könnten auch zur Konkurrenz werden.

Das Curriculum steht: Im April sollen die ersten Studierenden im Master „Sustainability, Entrepreneurship and Technology“ digital loslegen. Über zwei Semester absolvieren sie dann verschiedene Module – für einen anerkannten Abschluss sorgt eine Kooperation mit der Executive Academy der Wirtschaftsuniversität Wien. Die Plattform für das berufsbegleitende Studium stammt vom Start-up Tomorrow’s Education. Statt Zoom-Vorlesungen stehen dabei projektbasierte Aufgaben im Vordergrund, sagt Mitgründer Christian Rebernik.

Rebernik hatte zuvor unter anderem als Chief Technology Officer bei der Neobank N26 oder der Gesundheitsakte Vivy digitale Produkte verantwortet. Nun hat er sich gemeinsam mit Thomas Funke, vormals Geschäftsführer des Frankfurter TechQuartiers, das Thema Bildung vorgenommen: „Wie können wir Technologie nutzen, um das Lernen zu verbessern?“, gibt Rebernik als Leitfrage aus. Mit einem 15-köpfigen Team bauen die beiden Gründer aktuell die Technologie im Hintergrund auf.

Kooperation mit Hochschulen

Nach und nach sollen dann Bildungsangebote dazukommen. Für den ersten Master sollen maximal 50 Studierende zugelassen werden. Weitere Programme, auch mit den Schwerpunkten Engineering oder Design, könnten dazukommen. Für das Fachwissen will Tomorrow’s Education dabei mit verschiedenen Hochschulen kooperieren. Das Curriculum werde dabei von den Wissenschaftlern mit „Learning Designern“ des Start-ups neu aufbereitet. „Wir setzen einen Fokus auf die Technologie“, sagt Funke, „aber wir entwickeln auch Inhalte mit den Partneruniversitäten zusammen.“

Mit diesem Ansatz unterscheidet sich Tomorrow’s Education etwa von der Berliner Code University. Die staatliche anerkannte Hochschule bietet eigene Bachelor- und Masterprogramme an, die den Schwerpunkt Digitalisierung haben. Die Code University setzt jedoch – zumindest außerhalb von Pandemiezeiten – auf ein Studium vor Ort.

Geld fließt im ersten Schritt auch von den Hochschulen. Die schließen Verträge mit den Studierenden ab – das erste Programm kostet 24.000 Euro. Damit positioniert sich Tomorrow’s Education im hochpreisigen Segment der berufsbegleitenden Studiengänge, in dem auch viele Hochschulen oder deren Business Schools um Lernwillige werben. Mit einigen davon sind Kooperationen denkbar, andere könnten jedoch auch zur Konkurrenz des Start-ups zählen. Für die prestigeträchtigen MBA-Programme etwa haben auch schon renommierte Adressen reine Online-Kurse angeboten, um auch Berufstätige zu erreichen, die nicht den Wohnort wechseln wollen.

Rund um den breiteren Bereich der beruflichen Weiterbildung, deren Bedeutung von Jahr zu Jahr steigt, haben sich auch zahlreiche digitale Anbieter positioniert. Manche von ihnen richten sich mit ihren Apps direkt an die Arbeitnehmer. Andere, wie etwa das Start-up Masterplan, verkaufen ihre Module an Unternehmen, die diese wiederum ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen können.

1,1, Millionen Euro für die ersten Wachstumsschritte

Zugleich bieten zahlreiche Universitäten weltweit sogenannte Massive-Open-Online-Courses (MOOC) an, an denen Studierende mit jeglichem Hintergrund digital teilnehmen können. Diese Reichweitevorteile will auch Tomorrow’s Education erreichen: „Über eine digitale Plattform können wir nicht nur effektiver ausbilden, sondern auch mehr Leute erreichen“, sagt Funke. Von der überschaubaren Anzahl an Studierenden in diesem Jahr lässt sich Rebernik daher nicht aufhalten: „Bei jedem Produkt fängt man klein an.“

An Wachstumspotenzial glaubt auch der erste Investor des Start-ups. In einer ersten Finanzierungsrunde fließen 1,1 Millionen Euro an Tomorrow’s Education. Das Kapital stammt von Emerge Education. Der in London ansässige Risikokapitalgeber fokussiert sich auf digitale Gründungen im Bildungsbereich. Zum Portfolio gehören etwa die Lernplattformen Engageli oder Aula sowie Lingumi, das Vorschulkindern beim Englischlernen helfen will.