Ob Reinders Investoren einer Gehaltserhöhung zustimmen würden? „Definitiv, aber meiner Meinung nach wäre das das falsche Signal.“

Es gibt keine Regeln, wenn es um das eigene Gehalt und Gehaltserhöhungen gehe, meint Stephan Peukert, Geschäftsführer von Employour. Employour ist ein Netzwerk für Nachwuchskräfte, unter anderem gehört das Portal meinpraktikum.de dazu. Peukert ist der Meinung, dass sich ein Gründer eine Gehaltserhöhung nur dann zahlen darf, wenn auch die Gehälter seiner Mitarbeiter erhöht werden.

Ist das der Fall, müssten nicht unbedingt eine erfolgreiche Finanzierungsrunde oder erste Unternehmensgewinne Anlass für eine Steigerung des Gehalts sein. „Es gibt viele Start-ups, die viele Jahre keinen Gewinn machen und trotzdem erfolgreich sind“, sagt Peukert. Beispiel: Instagram. Das Soziale Foto-Netzwerk, das seit 2012 zu Zuckerbergs Facebook-Imperium gehört, hatte zeitweilig eine Milliarde Nutzer, konnte aber keine großen Umsätze verzeichnen. „Die Kennzahl für eine Gehaltserhöhung muss also nicht immer eine finanzielle sein.“ Es könnten Meilensteine, Zahl der User oder Werbekunden sein, die einen Gründer zu einer höheren Zahlung seines Bruttogehalts veranlassen.

Schwierigkeiten sieht Stephan Peukert bei dem Thema nicht. Außer wenn die oben betonte Transparenz nicht eingehalten werde: „Wenn ich als Gründer mir immer mehr Geld auszahle und meine Mitarbeiter auf dem Trockenen bleiben, wird es früher oder später zu einem Konflikt kommen.“ Seine Tipps: Fair bleiben und den gesunden Menschenverstand benutzen. Zudem sollte ein Gründer – egal wie fleißig er in eigenen Augen war – niemals seinem Start-up die Liquidität entziehen. Irgendwann gibt es dann keine Mittel mehr, die man erhöhen könnte.

Weitere Tipps von Felix Thönnessen:

> Um eine passende Gehaltserhöhung für die eigenen Tätigkeiten in realistischer Höher vorzunehmen, können Vergleichsprotale als Grundlage dienen. Hier können Einblicke in Durchschnittswerte vergleichbarer Berufsgruppen erlangt werden.

> Hilfsreich ist es, sich vorzustellen, die Gehaltsverhandlungen mit einem Angestellten durchzuführen. Dies könnte eine objektive Sichtweise vereinfachen.

> Nicht ganz außer Acht lassen sollte der Gründe die finanzielle Unternehmenslage. Wichtig ist, dass der Umsatz nicht mit dem Gewinn des Unternehmens gleichzusetzen ist. Nach Abzug von Steuern, Mieten und weiteren Ausgaben erreicht man erst den faktischen Gewinn.