Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland haben immer mehr Chefinnen. Aber hat eine von ihnen das Zeug zum Vorbild wie Sandberg?

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt wieder Tijen Onaran. Sie ist Leiterin Kommunikation beim Händlerbund. Zudem ist sie Initiatorin von „Women in E-Commerce“, einem Netzwerk für Frauen aus der E-Commerce Branche. Vor ihrer Anstellung beim Händlerbund war Onaran in unterschiedlichen Positionen für Europa- und Bundestagsabgeordnete sowie im Bundespräsidialamt tätig und danach Leiterin Kommunikation an der Quadriga Hochschule Berlin.

Jedes fünfte mittelständische Unternehmen wird von einer Chefin geführt, so eine Studie der KfW-Bankengruppe. Gute Nachrichten! Und jetzt: Eben in dieser Studie wird auch aufgeführt, dass der Anteil von Managerinnen im Vorstand bei 100 börsennotierten Großkonzernen nur bei 4,8 Prozent liegt.

Dabei hat Deutschland doch tolle Frauen. Ob in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft oder Medien. Und immer mehr von ihnen sind sichtbar. Mit unterschiedlichen Lebensentwürfen und Berufswegen – es sind Frauen, die prägen.

Sheryl’s Spirit

Gibt es sie also, die deutsche Sheryl Sandberg? Eine Frau, die Widersprüche offen anspricht, in öffentlichen Vorträgen Fragen stellt, die bewegen und dabei für Mut, Engagement und Solidarität unter Frauen wirbt. Es ist Spirit, den Sheryl Sandberg mit ihrem Buch „Lean In – Women, Work and the Will to Lead“ versprüht hat – dabei Unwegbarkeiten auszusprechen, Persönliches zu teilen und damit Verbindungen zu schaffen. Ob in ihrem Buch, in Vorträgen oder mit ihrer „Lean In“ Bewegung, Sheryl Sandberg ermutig Frauen ihr Leben in die Hand zu nehmen. Dabei ist klar, dass nicht alles was sie sagt oder schreibt, auf jeden Lebensentwurf übertragbar ist. Trotzdem: Sie motiviert.

Gründerinnen – die neue „Lean In“ – Bewegung

Auch immer mehr deutsche Unternehmen stellen fest, dass die Sichtbarkeit und Förderung von Frauen nicht nur wichtig, sondern unumgänglich sind, um auf dem Markt innovativ und zukunftsfähig zu bleiben. Auch gibt es viele Initiativen und Organisationen, die Frauen Raum zum Austausch und zur Vernetzung geben. Und mit der Initiative „Chefsache“ an der sich Konzerne beteiligen, ist das Thema von „Frauen in Führungspositionen“ auch im Kanzleramt angekommen – Schirmherrin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Doch es gibt eine neue und nachhaltige Bewegung mit „Lean In“ – Charakter: Gründerinnen werden sichtbarer und lassen an ihren Erfahrungen teilhaben. Ob es über Medien ist oder über Netzwerke. Sie machen die Tür auf und nehmen uns mit in ihre Welt – Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das Führen von Teams oder Alltag als Unternehmerin, sind plötzlich nicht mehr nur Bestandteile wissenschaftlicher Studien, sondern begegnen uns über Reportagen, Veranstaltungen oder über den Bekanntenkreis.

Unternehmen: Lasst Frauen Frauen inspirieren

Das alles zeigt: Es tut sich was. Und dennoch muss es mehr Frauen geben, die Möglichkeiten bekommen, als inspirierende Speakerinnen andere Frauen zu motivieren. Unternehmen sind gut beraten, wenn sie ihre Führungskräfte raus schicken und ihnen Freiräume geben, sichtbare Plattformen mit „Lean In“ Charakter zu schaffen – für die Frauen, die es wollen. Zu den Freiräumen zählen Ressourcen, Zeit, Vertrauen und Verständnis. Und Frauen müssen diese Chancen auch ergreifen. Ich bin der festen Überzeugung: nur wenn wir unsere Erfahrungen mit Erfolgen und auch Misserfolgen teilen, nur wenn wir ins nicht lebensfernen politischen Debatten über Frauen und Führungspositionen verlieren, sondern lebensnahe Bewegungen fördern, nur dann wird es auch mehr Frauen geben, die sich selbst verwirklichen. Und nur dann kann und wird es eine auch deutsche Sheryl Sandberg geben.