Eine Studie des Beratungsunternehmens Civity legt nahe, dass Scooter vor allem als Spaßmobil fürs Wochenende genutzt werden – und Autofahrten keineswegs ersetzt werden. Ist der angebliche Beitrag zur Mobilitätswende nicht einfach nur Marketing?
Man kann den Mobilitätsmix nicht innerhalb weniger Monate verändern. Es gab sicher viele, die die Scooter kurz nach der Markteinführung einfach mal ausprobiert haben. Mittlerweile nutzen viele unseren Verleihdienst aber regelmäßig – und sehen darin durchaus mehr als ein Bespaßungs-Angebot. Wir haben kürzlich in Frankfurt eine Nutzerbefragung gemacht. Dort wurden schon in mehr als ein Drittel der Fälle Autofahrten ersetzt.

Graut Ihnen vor dem Winter? Nur Hartgesottene dürften sich da noch auf einen E-Scooter schwingen.
Tatsächlich erwarten wir, dass die Nachfrage etwas nach unten geht. Es ist aber weniger die Kälte, sondern mehr die Nässe, die abschreckt. Bei 25 Grad und Regen gibt es weniger Nutzer als bei zwei Grad und Sonnenschein. Wir werden das Angebot daher im Winter aufrechterhalten, wenn es die Witterung zulässt. In Wien mussten wir im vergangenen Winter an gerade einmal fünf Tagen wegen Schnee oder Glätte pausieren.

Für die Expansion haben sie kürzlich 55 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt. Ihre US-Konkurrenten wie Lime und Bird sind deutlich besser finanziert. Wie wollen Sie im Wettbewerb bestehen?
Wir haben schon in den letzten Finanzierungsrunden weniger Geld eingesammelt als amerikanische Konkurrenten, trotzdem wächst niemand so schnell wie wir. Kapital ist in dem Geschäft wichtig, aber nicht der einzige Faktor. Entscheidend sind sehr effiziente Prozesse und eine hohe Nutzerbindung.

Aus Nutzersicht gleichen sich die Angebote. Die Preismodelle sind ähnlich, die Geschäftsgebiete überschneiden sich in vielen Städten. Wie wollen sie sich differenzieren?
Das Grundmodell ist ähnlich, das stimmt. In vielen Details kann man sich aber sehr wohl unterscheiden. Das fängt bei den Fahrzeugen an. So hat die Stiftung Warentest unseren Rollern kürzlich die besten Fahreigenschaften attestiert. Auch die App und der Kundenservice sind wichtige Bereiche, in denen wir uns von unseren Mitbewerbern abheben können.

Ihre Konkurrenten bieten zum Teil auch Fahrräder zum Verleih ein. Wie sieht es bei Tier aus? Sehen Sie sich als reines E-Scooter-Unternehmen?
Wir verstehen uns als Mikromobilitätsunternehmen. Da gibt es neben Tretrollern andere, spannende Fahrzeugtypen, etwa überdachte Dreiräder mit elektrischem Antrieb. Die Erweiterung des Geschäftsmodells in diese Richtung ist definitiv ein Thema, das bei uns weit oben auf der Agenda steht.

Vielen Dank für das Gespräch.