Zwei Ex-Nationalspieler wollen Liveticker spannender machen und Jürgen Klopp hilft beim WhatsApp-Coaching: Sechs Fußball-Start-up, die man kennen sollte. 

Von Benedikt Wurdack

Ob Terroranschläge, Wahlen oder Karneval – Liveticker sind allgegenwärtig. Doch gerade im Sport, wo sie ihren Ursprung hat, ist die Quasi-Echtzeitberichterstattung auch ziemlich austauschbar. Ein kürzlich gestartetes Start-up will das ändern. WiWo-Gründer stellt das Konzept und weitere Start-ups vor, deren Geschäftsidee sich um den Lieblingssport der Deutschen dreht.

Ticr: „Emotionaler und authentischer“

„Nicht nur gucken, sondern machen“ fordert Sportmoderator Lou Richter im Werbespot zu Ticr. Was beim Tatort schon lange Gang und Gebe ist, soll auch beim Fußball Einzug halten: Livekommentare, aber bitte nicht langweilig. Das ist nämlich der Vorwurf, den das Team von Ticr den bestehenden Livetickern macht. Im Januar 2016 ist die App gestartet, mit der Fußballfans jedes Spiel aus ihrer Sicht kommentieren und die Ticker anderer Nutzer mitverfolgen können. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch Tickaroo.

Trotzdem sagt sich Ticr nicht vollständig von redaktionellen Inhalten los, auch eigene Experten und Profis wie der frühere Werder-Spieler Tim Borowski, sollen das Angebot ergänzen. Borowski und sein früherer Nationalmannschaftskollege Fabian Ernst haben sich auch als Investoren an dem Start-up beteiligt. Die Ticr-Gründer wollen zur „Nummer 1 der Social-Communities im Fußball“ werden.

Tickaroo: Demokratische Berichterstattung

Wer Spiele der vierten Liga auch ohne Platz im Stadion verfolgen will, ist meist aufgeschmissen. Denn obwohl es an Berichterstattung zur Bundesliga nicht fehlt, wird es dünn, wenn man sich in den unteren Ligen umschaut. Die „Demokratisierung der Sportberichterstattung“ soll es richten, mit Tickaroo können Zuschauer nicht nur bei König Fußball zum Reporter werden und eigene Liveticker führen (die im Eishockey schon die erste, zweite und Oberliga fast komplett abgedeckt).

Mit diesem Konzept, ist das 2011 gegründete Regensburger Start-up ziemlich erfolgreich: Im Dezember 2015 war von drei Millionen Nutzern pro Monat die Rede, bereits im Oktober 2015 hatte der „kicker“-Herausgeber (Olympia Verlag) eine siebenstellige Summe in das Start-up investiert. Als nächstes steht ein Relaunch der App an, die ab Februar 2016 mit neuen Features in der Betaversion überzeugen soll.

Onefootball: Der Fußballriese aus Berlin

Was 2008 mit der App iLiga begann, hat sich mittlerweile zu einer – wenn nicht der – führenden Fußballplattformen entwickelt: Onefootball. Gegründet hat Lukas von Cranach sein Start-up, weil ihm damals leicht zugängliche Informationen zu seinem Lieblingsverein fehlten: Dem 1. FC Köln.

Onefootball hat sich in der Zwischenzeit jedoch enorm weiterentwickelt: Für über 22 Millionen Nutzer gibt Nachrichten über Klubs, Ligen, Transfers und auch ein eigenes Magazin.

2013 konnte das Unternehmen erst zehn Millionen Euro von Earlybird und danach nochmal fünf Millionen Euro vom Twitter-Investor Union Square einsammeln. „Wired“ zählte Onefootball im Vorjahr zu den „100 heißesten Start-ups Europas“.

WhatsCoach: Klopp unterstützt WhatsApp-Coaching

Nein, Jürgen Klopp wirbt nicht nur für Opel und Rasierer, sondern auch für etwas aus der eigenen Branche: WhatsCoach. Das Kölner Start-up Bolzfabrik bietet einen Dienst für alle WhatsApp-Nutzer, die Trainer sind und nach Rat suchen – obwohl sie als Coach unfehlbar wirken müssen. Wer sich mit seiner E-Mail-Adresse registriert, dem wird per WhatsApp-Chat Schützenhilfe geleistet.

Zwar berät Jürgen Klopp selbst nicht, hat aber in die Plattform investiert. Die Trainingshilfe übernehmen dann „erfahrene Trainer“, die mindestens eine A-Lizenz als Trainer vom DFB haben. Der Service ist wie auf der Website stolz steht „100 % kostenlos“, später soll über die Verknüpfung mit einer Onlineplattform, die noch in der Testphase ist, Gewinn erwirtschaftet werden.

Sponsoo: Werbung abseits der Topligen

Seit Eintracht Braunschweig 1973 mit dem Jägermeisterlogo auf der Brust auflief, gehört Trikotwerbung fest zum Fußball. Sponsoo hat es sich zum Ziel gemacht, Sponsoren und Sportler auch abseits der großen Ligen zusammenzubringen. Denn für Unternehmen kann sich lokales Werben mit Sportvereinen durchaus lohnen. Beide profitieren davon: Sportvereine erschließen so eine zusätzliche Einnahmequelle und auch kleine oder mittelständische Unternehmen zeigen Engagement in der Region und erhöhen ihren Bekanntheitsgrad. Anfang 2015 hatte das frisch gegründete Unternehmen den Start-up-Wettbewerb der Universität Cambridge gewonnen, im November ist die Werbeagentur Jung von Matt bei Sponsoo eingestiegen.

Urban Sports League: Fußballliga für Start-ups

Nein, hinter diesem Namen verbirgt sich kein Start-up im eigentlichen Sinne, sondern eine Fußballliga für die Mannschaften Berliner Start-ups. Genauer gesagt, zwei Ligen mit 20 Teams Berliner Start-ups und über 250 Spielern. Und auch die Liga wird von einem Start-up ausgerichtet, dem Urban Sports Club – mittlerweile in der fünften Saison. Urban Sports Club, ebenfalls aus Berlin, bündelt in seinem Angebot viele verschiedene Mitgliedschaften für Sportangebote. Der Service ist momentan in Berlin, Hamburg, Köln, München und Potsdam verfügbar.

Die bisherigen Saisonsieger der Start-up-Liga waren übrigens die Teams von Soundcloud, Zalando, Fyber, Home 24 und Foodpanda – Glückwunsch!