Das Crowdtesting-Start-up erhält eine siebenstellige Finanzierung. Mit dem Geld will Testbirds weltweit expandieren.

Wenn Philipp Benkler die Erfolgsgeschichte von Testbirds erzählt, dann redet er von Zahlen. Das 2012 gegründete Start-up habe heute mehr als 60 Mitarbeiter, der Umsatz sei siebenstellig, in den vergangenen zwei Jahren um 100 Prozent gewachsen, man stehe kurz vor der Profitabilität.

Nun kann Benkler eine weitere Zahl verkünden: Wie WiWo Gründer exklusiv erfuhr, hat das Start-up seine dritte Finanzierungsrunde abgeschlossen. Zwei Millionen Euro erhält das Unternehmen vom Wagniskapitalgeber B-to-v und Extorel, dem Family Office der Familie Strascheg. Auch der bisherige Investor Seventure hat die aktuelle Kapitalspritze mitfinanziert.

Dass sich B-to-v für das Investment entschieden hat, ist kein Zufall. „Wir haben uns tief in das Thema eingegraben und uns einige Unternehmen in dem Bereich Crowdtesting angeschaut“, so Benedikt Kronberger, der neue Investments bei B-to-v betreut. Das spannendste Unternehmen sei Testbirds gewesen. So sieht es auch Falk Strascheg. Der Gründer des Family Offices Extorel traf die Crowdtester auf einer Veranstaltung. „Wir haben am enthusiastischen Geschäftsführer Gefallen gefunden“, sagt der Gesellschafter.

„Seit den 10.000 ist die Testerakquise ein Selbstläufer“

Testbirds will mit dem Geld nun weltweit expandieren und weiter wachsen. Die aktuelle Finanzierung liegt etwas unter der Kapitalspritze vor zwei Jahren, bei der das Unternehmen 2,1 Millionen Euro eingenommen hatte. Das Münchner Start-up argumentiert, dass das Wachstum aus den laufenden Umsätzen finanziert werde. Zudem nehme man nur so viel Geld auf, wie man brauche – in diesem Fall eben zwei Millionen Euro.

Testbirds ist ein sogenanntes Crowdtesting-Unternehmen. Ob intelligente Fernseher, Spiele, Wearables oder einfach die klassische Webseite – die Münchner testen die Produkte auf mögliche Fehler und Unstimmigkeiten, im IT-Deutsch auch Bugs genannt. Man habe keine fixen Definitionen für Fehler, sondern orientiere sich an den Wünschen des Kunden, sagt Gründer Benkler.

„Die ersten Tester waren schwierig zu bekommen“, erzählt er. Anfangs legten er und seine Mitgründer Markus Steinhauser und Georg Hansbauer Postkarten in Bars aus, um die ITler für sich zu gewinnen. Inzwischen fällt ihnen die Mitarbeitersuche einfacher: „Seit wir die 10.000 geknackt haben, ist die Testerakquise ein Selbstläufer“, sagt Benkler. Jeden Tag kämen 150 bis 300 neue Tester hinzu.

Neu ist die Idee hinter Testbirds nicht. Das Geschäftsmodell haben diverse Start-ups für sich entdeckt. Zu ihnen zählen Unternehmen wie Test IO oder Applause, früher bekannt als Testhub. Das Kalkül: Weil jedes Unternehmen heute eine Webseite oder eine App braucht, muss auch jedes von ihnen seine Dienste auf mögliche Fehler überprüfen. Da nicht jeder einen eigenen Tester anstellen kann, bieten ihnen Start-ups diese auf freiberuflicher Basis: Testbirds beschäftigt nach eigenen Angaben 100.000 Tester, bei Applause sind es 140.000, bei Test.io 20.000.

Wie umkämpft der Markt ist, zeigt sich auch an den Zahlen der Testbirds-Konkurrenten. Das Start-up Test IO nahm fünf Millionen US-Dollar ein und verkündete den Sprung in die USA, die Berliner von Testhub wurden 2014 vom Konkurrenten Utest aus den Vereinigten Staaten übernommen.

Angst macht Testbirds die Konkurrenz nicht. „Crowdtesting ist kein ‚The winner takes it all‘-Markt“, sagt B-to-v-Manager Kronberger. Auf große Marketingkampagnen, wie sie in anderen Segmenten der Start-up-Branche üblich sind, verzichtet das Münchner Unternehmen deshalb. „Wir sind keine Freunde davon, x-Millionen für Marketing auszugeben“, so Benkler. Ein Teil des Budgets wird aber trotzdem darauf verwendet: Googelt man den Begriff „Crowdtesting“, so kommen gleich drei Anzeigen von Start-ups – von Applause, Test IO und auch Testbirds.

Kein Börsengang, aber ein Exit

Der Markt des Crowdsourcings, bei dem viele Nutzer ein Problem lösen, ist nicht ganz unumstritten. Weil die Tester gewöhnlich nicht fest angestellt werden, droht die Gefahr einer Scheinselbstständigkeit. „Für manche Crowdsourcing-Modelle ist die Kritik gültig“, sagt Benkler, „für andere nicht.“

Die meisten Tester nutzten Testbirds als Nebenverdienst, so der Gründer. Seinen Zahlen zufolge arbeiten 40 Prozent der freien Mitarbeiter gleichzeitig in einer Festanstellung, 30 Prozent seien Studenten und nur acht Prozent Freiberufler, die ausschließlich von dieser Arbeit leben. Um mehr Transparenz zu schaffen, arbeite Testbirds mit Verdi und der IG Metall zusammen und habe sich selbst einen „Code of Conduct“ verschrieben, sagt Benkler.

Für die Investoren geht es nun aber erst einmal um andere Zahlen. „Wir erhoffen uns, europäischer Marktführer zu werden“, sagt Kronberger. Strascheg geht sogar noch ein paar Schritte weiter. „In drei oder vier Jahren können wir uns einen Exit vorstellen“, so der Extorel-Gesellschafter. Einen Börsengang sieht er bei Testbirds jedoch nicht. „Ein IPO ist ein seltsamer Vogel“, sagt Strascheg. Der strategische Verkauf sei immer noch die Regel.