Das Darmstädter Start-up will Schulen bei ihrem Weg ins digitale Zeitalter unterstützen. Ein bekannter Business Angel hilft nun mit einer Seed-Finanzierung.

2019 sollte ein Meilenstein für die rund 40.000 Schulen in Deutschland werden. Fünf Milliarden Euro stellte die Politik im Rahmen des Digitalpakts bereit, um Lehrer und Schüler fit zu machen für das 21. Jahrhundert. Ein bessere digitale Ausstattung, erhoffte sich Bildungsministerin Anja Karliczek – von dem Geld sollten etwa die Anschaffung von Laptops, Tablets, Interaktiven Tafeln und die Vernetzung mit Wlan finanziert werden. Wie wenig sich trotz dieses Geldversprechens seitdem an deutschen Schulen getan hat, offenbarte dann in den vergangenen Monaten Corona: Die deutschen Schulen seien  beim digitalen Lernen weiterhin weit zurück, kritisierte unter anderem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es fehlten nicht nur die Mittel, sondern auch die entsprechende Vorbereitung und Erfahrung vieler Lehrkräfte.

EdTech-Start-ups wollen Digitalisierung vorantreiben

In diese Lücke stießen in den vergangenen Monaten eine Reihe neu gegründeter Start-ups vor, wie das Kommunikations-Tool Sdui, das Lehrern einen einfacheren und schnelleren Austausch mit Eltern und Schülern ermöglicht, etwa bei Stundenausfällen oder Raumänderungen, oder die Plattform Knowunity, auf der Schülerinnen und Schüler untereinander ihre Lernmaterialien austauschen können.

Einen Platz zwischen ihnen erobern will sich nun auch Teech. Die Brüder Emanuele und Joel Monaco (der zuvor bereits die Tausch-App Swapper gegründet hatte) haben eine Art Online-Konferenz-Tool ähnlich wie Zoom oder Microsoft-Teams auf den Markt gebracht – allerdings mit ausschließlichem Schwerpunkt auf den Unterricht und die damit einhergehenden Unterrichtsrituale wie Aufzeigen, Melden, Drangenommen-Werden, Zur Tafel gerufen werden und das Aufteilen in Tischgruppen. Der Online-Unterricht soll den Schülern und Lehrern so möglichst ein Live-Gefühl vermitteln.

Anfragen aus dem gesamten DACH-Raum

Kurz vor Beginn des ersten Lockdowns im März begannen die Darmstädter mit der Entwicklung ihrer Idee. Damals sei die Resonanz seitens der Schulen allerdings überschaubar gewesen, erinnert sich Joel Monaco, 23,  im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer: „Keiner hielt die fehlende Digitalisierung im Bildungsbereich für ein dringend zu lösendes Problem. Alle dachten, dass die Pandemie ohnehin bald überstanden sei und man unverzüglich zum Altbekannten zurückkehren könnte.“

Wie falsch sie mit dieser Einschätzung lagen, wissen die Schulen heute. Joel Monaco jedenfalls spürt ein Umdenken seitens der Verantwortlichen. Corona habe allen Beteiligten vor Augen geführt, wie dringend man an einer neuen digitalen Lösung basteln müsse. „Keiner kann es sich leisten die Digitalisierung weiter aufzuschieben.“ Aktuell kämen täglich fünf bis sechs neue Schulen hinzu. Insgesamt seien es mittlerweile über 200 – verteilt in ganz Deutschland. Und auch aus Österreich und der Schweiz gebe es bereits Anfragen von Schulen, die Lizenzen für die Software erwerben wollen. Die Kosten seien abhängig von der Größe der Schule. Im Schnitt koste die jährliche Lizenz einen Euro pro Schüler, so Monaco.

Sechsstelliges Invetsment für Teech

An finanziellen Mitteln mangelt es den Brüdern aktuell nicht: Die Investoren Udo und Sabrina Schloemer, Gründer der Factory Berlin, CODE University und NewSchool Berlin, die bereits bei Sdui investiert sind, steckten vor wenigen Tagen eine hohe sechsstellige Summe in das Start-up. Sie glauben an den langfristigen Erfolg des EdTech-Start-ups.

Und auch Monaco ist sicher, dass es nach der Krise weiterhin Bedarf für ihre Software geben wird. Er und sein Bruder entwickeln bereits neue Tools. „Kurzfristig ist es unser Ziel während der Pandemie den Unterrichtsausfall zu reduzieren, langfristig haben wir noch viel mehr vor.“ So könne Teech nicht nur bei Raumknappheit an Schulen eingesetzt werden, sondern beispielsweise auch dazu genutzt werden die Schulen untereinander zu vernetzen – auch über Landesgrenzen hinaus. „Ein Lehrer einer anderen Schule könnte bei Unterrichtsausfall einspringen oder eine Klasse aus Österreich ein gemeinsames Lernprojekt mit einer Klasse in Deutschland starten.“ Auch Gamification-Ansätze zur Motivation der Schüler und Mentoring-Programme, in denen Schüler und Experten aus unterschiedlichen Branchen zusammengeführt werden, seien geplant.