Tick, Trick und Track sind zwar fiktive Figuren. Doch von ihrer Art der Zusammenarbeit können auch Gründer lernen – zum Beispiel beim Teamwork.

Von Laura Waßermann

Ob im Fernsehen, im Märchen oder im Comic: Teams sind Evergreens. So arbeiten Tick, Trick und Track perfekt zusammen, um Onkel Dagobert zu ärgern, die drei kleinen Schweinchen können den Wolf nur gemeinsam überlisten. Auch wenn es sich bei den Figuren um fiktive Beispiele handelt, können Gründer einiges von ihnen lernen. Doch wie sieht eigentlich ein gutes Team aus?

Dass ein Start-up nicht von einem Gründer alleine, sondern von mehreren großgezogen wird, ist keine Seltenheit. Zalando haben Robert Gentz und David Schneider gemeinsam aufgebaut, Paul Schwarzenholz und Björn Kolbmüller entwickelten gemeinsam das Konzept zum Parfüm-Start-up Flaconi. Die Zusammenarbeit von Claude Ritter und Nikita Fahrenholz, beide Gründer von Lieferheld, hat offenbar so gut funktioniert, dass sie sich auch bei dem Aufbau des Putzportals Book A Tiger wieder zusammengetan haben.

„Wer als Team gründet, ist stärker“

Für die Zalando-Jungs David Schneider und Robert Gentz war lange vor ihrem Erfolg klar, dass sie gemeinsam gründen wollen. Schon während des Studiums hatten sie zusammen gewohnt. „Deshalb kennen wir die Stärken und Schwächen des anderen sehr genau und haben auch schon früh ein Ziel geteilt“, sagt Schneider. Dieses Ziel hieß dann: E-Commerce-Mode-Imperium. „Wer als Team gründet, ist stärker.“ Er und Robert Gentz hätten sich von Anfang an gut ergänzt und sich – trotz aller Freundschaft – ehrlich die Meinung gesagt. Das bringe das Start-up voran. Es gehe auch darum, Werte zu teilen.

Jörn Block hält das für einen guten Weg. „Bereits in der Schule oder im Studium kann man testen, ob man zusammen gründen kann. Hausaufgaben oder Projektarbeiten erfordern Engagement, da gehen die Meinungen schon mal auseinander“, sagt Block. Die Gründer müssen deswegen auch wichtige Frage vorher beantworten: Wie soll das Geschäftsmodell aussehen? Können wir unsere Kompetenzen bündeln? Was sind die Ziele fürs erste Jahr? Lassen wir es langsam angehen oder wollen wir maximal durchstarten? Haben wir Familie, um die wir uns kümmern müssen oder wird Tag und Nacht durchgearbeitet? Was ist, wenn die Gründung scheitert? Scheitert dann auch unsere Freundschaft?

Das sind Fragen, die sich jeder Gesellschafter vor einem Vertragsabschluss fragen und danach ehrlich beantworten sollte, sagt Jörn Block, Professor an der Universität Trier und Experte für Enterpreneurship. Seit Jahren schon begleitet und erforscht er Gründungen. Seiner Erfahrung nach ist eine Phase noch vor der offiziellen Gründung von Vorteil – eine Testphase quasi: Diese könne stattfinden, indem man an einem Businessplan arbeite oder generell schon mal in einem kollegialen Verhältnis zueinander stehe.

Zusammen studiert haben auch Christian Hoya und Stephan Linden, die Gründer von Wine in Black, einem Online-Shop für Qualitätsweine. Beide kommen aus der Umgebung von Dortmund und besuchten in Vallendar bei Koblenz die Privathochschule WHU. Eine Kaderschmiede, an der auch Rocket-Internet-Gründer Oliver Samwer studiert hat.

„Gemeinsam ein Unternehmen zu gründen und hochzuziehen, schweißt zusammen“, erzählen Hoya und Linden im Gespräch mit Wirtschaftswoche Gründer. „Ich kann mich erinnern, dass anfangs einmal eine komplette Weinlieferung den Transport nicht überstanden hatte – da hatten wir ein echtes Problem. Aber zu zweit lassen sich solche Probleme eben leichter lösen. Einer hat immer eine gute Lösung parat“, sagt Linden.

Zusammengefasst ist genau das der Grundgedanke eines Teams: Probleme gemeinsam angehen, einer der zwei oder drei Gründer wird das schon machen. Wichtig für Hoya und und ihn war ebenso das gegenseitige Vertrauen: „Die gleiche Wellenlänge haben“, „Erfolge feiern“, „Misserfolge gemeinsam tragen“ – Argumente, die für die Wahl-Berliner für eine Teamgründung sprechen.

Wenn sich die Freundschaft ins Geschäftliche verlagert

Ob sie noch genauso befreundet sind wie vor der Gründung? Nein! Wenn man jeden Tag acht bis zwölf Stunden im Büro verbringt, geht man eben nicht jeden Abend noch zusammen zum Sport oder fährt gemeinsam in den Urlaub. Linden: „Die Freundschaft verlagert sich vom Privaten ins Geschäftliche.“ Darüber sollten sich befreundete Gründer vorher im Klaren sein.

So zumindest klingt es von der unternehmerischen Seite. Bernd Vonhoff vom Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen blickt aus einer anderen Perspektive auf das Thema. Ob man frühzeitig erkennen könnte, dass eine Gründung womöglich nicht funktioniert? Ja, und zwar wenn man „das Glück hat, dass das Geschäft am Anfang nicht gleich so gut läuft“, sagt Vonhoff. Wie stabil eine Beziehung sei, zeige sich immer erst in schwierigen Zeiten oder gar in einer Krise.

Es ist so wie mit dem „gemeinsam in den Urlaub fahren“. Oft scheitert es schon bei der Auswahl des Ziels: Asien oder Mallorca? Backpacking oder Strandurlaub? Wenn man bereits da keinen Konsens finden, sollte man am besten nicht zusammen reisen. So scheint es also auch beim Gründen zu sein. „Und die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der nie pünktlich zu einer Verabredung kommt, wird der Erfahrung nach im Geschäftsleben eher unverbindlich agieren“, sagt der Soziologe.

Gleichzeitig kann sich auch nach der gemeinsamen Gründung noch etwas ändern. So war es beispielsweise bei den beiden Aldi-Brüdern Karl und Theo Albrecht. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb dazu im Juli 2014, Theo Albrecht „hatte das Glück, einen Bruder an der Seite zu haben, der seine Ziele, Interessen und Leidenschaften teilte. Es muss eine seltene Symbiose gewesen sein, zumindest in den Anfangsjahren.“ Doch irgendwann entwickelten sich die Interessen auseinander. Die Brüder zerstritten sich jedoch nicht, sondern fanden eine Lösung: Sie trennten ihr Geschäft wohlweislich in Nord und Süd.

Die beiden Zalando-Gründer ziehen bis heute gemeinsam an einem Strang. Schneider und Gentz sagen, sie könnten sich auch heute immer noch gut leiden. Vor allem der Börsengang habe sie zusammen geschweißt, sagen sie. Am Ende kann gemeinsam Gründen also auch eine engere Bindung bedeuten.

Kurz und knapp: Tipps für befreundete Nachwuchs-Gründer

Zalando: „Gründet nur, wenn ihr wirklich von der Geschäftsidee überzeugt seid und an Euch selbst und als Team glaubt. Auch Fehler gehören zu erfolgreichen Unternehmern: ‚Fail Forward’ heißt es bei Zalando.“

Wine in Black: „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass sich beim gemeinsamen Arbeiten eben auch mal Konflikte ergeben können. Ein Business hochzuziehen ist nicht ohne – da gibt auch mal Stress. Man sollte sich von Anfang an angewöhnen Konflikte offen anzusprechen und nicht unter den Tisch kehren, auch der Freundschaft wegen. Grundsätzlich sehe ich aber mehr Vor- als Nachteile.“

Tinnitracks: „Eine Gründung ist knallhart. Da braucht niemand zu fantasieren. Wenn es zwischenmenschlich nicht passt, kann das nicht funktionieren. Nur, wenn alle Gründer dieselbe Auffassung von Arbeit und der Entwicklung des Unternehmens haben, klappt es. Sonst entstehen erst inhaltliche Probleme, die schnell persönlich werden können.“