Das Berliner Unternernehmen erhält knapp 60 Millionen Euro von Investoren. Unter den Start-ups verschafft sich Taxfix damit einen Vorsprung – doch größere Anbieter bringen andere Vorteile mit.

Die Zahl klingt verlockend: 1007 Euro kann sich ein deutscher Bürger im Schnitt von den Finanzbehörden zurückholen – wenn er sich an die Steuererklärung macht. Von 13,8 Millionen abgegebenen Erklärungen standen 11,5 Millionen eine Erstattung zu, zeigen Daten des statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2015. In knapp 60 Prozent der Fälle lag die Rückerstattung dabei zwischen 100 und 1000 Euro. Das Problem: Viele Bürger machen sich die Mühen jedoch erst gar nicht – auch wenn sie seit dem vergangenen Jahr zwei Monate mehr Zeit haben, um die Formulare auszufüllen. Etwa 7,5 Millionen Menschen, so schätzt der Digitalwirtschaftsverband Bitkom, entgeht so eine Rückzahlung.

Auf diese Zielgruppe stürzt sich unter anderem das Berliner Start-up Taxfix: Die Software führt den Nutzer durch etwa 70 Fragen. In gut 20 Minuten soll so eine ausgefüllte Steuererklärung entstehen. Mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, etwa Kurzarbeit oder Kündigungen, unterstreicht Taxfix-Mitgründer Mathis Büchi die Aufgabe: „Es muss möglich sein, dass Personen ihre Steuererklärung problemlos einreichen können, damit sie Geld zurückerhalten, das sie derzeit dringend benötigen.“ Von einer Erstattung will auch Taxfix selbst profitieren: Errechnet das Programm eine Rückzahlung über mehr als 50 Euro, veranschlagt das Start-up knapp 35 Euro als Gebühr.

Steuer-Start-ups buhlen um Kunden

Eine ganze Reihe an anderen Unternehmen versprechen dem steuerpflichtigen Nutzer ähnliche Hilfe. Darunter sind Start-ups wie Taxando, Wundertax oder SteuerGuru. Doch die jungen Firmen teilen eine Herausforderung: Sie müssen die Bürger zum einen für das Thema begeistern – und zum anderen zur Nutzung des eigenen Angebotes bewegen. Das erfordert viel teures Marketing. Und lohnt sich häufig erst dann richtig, wenn die Nutzer jedes Jahr bei ihrer Steuererklärung wieder auf dasselbe Programm zurückgreifen.

Hier hat sich Taxfix jetzt einen entscheidenden Vorteil verschafft: Eine Gruppe von Investoren stellt dem Start-up knapp 60 Millionen Euro zur Verfügung. Vor knapp einem Jahr hatte das 2016 gegründete Unternehmen die halbe Summe eingesammelt. Mit dem neuen Kapital will Taxfix die App weiter verbessern, um noch schneller zum Steuerziel zu kommen. Auch sollen die Aktivitäten in anderen europäischen Ländern ausgeweitet werden. Zudem wolle man „maßgeschneiderte Finanzdienstleistungen“ anbieten, heißt es in einer Pressemitteilung. Dazu könnten Angebote zur Geldanlage oder Krediten zählen – durch die Daten aus der Steuererklärung hat das Start-up intime Einblicke in die Einnahmen und Ausgaben seiner Nutzer.

Konkurrenz um Kunden und Kosten

Die Geldgeber, darunter die institutionellen Investoren Valar Ventures, Creandum oder Redalpine, sind von dem Potential überzeugt. „Es gibt nicht so viele Apps, die eine so wertvolle Rolle beim persönlichen Finanzmanagement spielen“, sagt Neil Rimer von Index Ventures, das die Finanzierungsrunde anführt.

Einige Konkurrenten aus dem Start-up-Segment könnte Taxfix mit dem erneuten Investment hinter sich lassen. Die Konkurrenz bleibt jedoch hoch: Auch etablierte Unternehmen haben ihre digitalen Aktivitäten zuletzt deutlich ausgebaut. In einem aktuellen Test der WirtschaftsWoche konnte sich bei Apps etwa ein Anbieter durchsetzen, hinter dem ein Fachverlag steht – und dessen Angebot für Nutzer komplett kostenlos ist. Kostensensible Nutzer könnten also von der Gebühr abgeschreckt sein, auch wenn diese nur im Erfolgsfall fällig wird. Buhl profitiert mit seiner „Wiso“-Software-Reihe vom Werbeeffekt durch die gleichnamige ZDF-Ratgebersendung. Das erleichert den Zugang insbesonders zu einer nicht digital-affinen Zielgruppe.