Die Münchener bieten eine Plattform an, mit der Unternehmen eigene Mitarbeiter zu Headhuntern machen können – und wollen nun international wachsen.

In Zeiten des Fachkräftemangels laufen traditionelle Stellenausschreibungen oft ins Leere – Unternehmen setzen zunehmend auf andere Kanäle. Dabei helfen will Talentry. Das in München ansässige Start-up bietet eine cloudbasierte Plattform für digitale Mitarbeiterempfehlungsprogramme an. Gegründet 2013, hat das Unternehmen nun frisches Kapital erhalten: Sechs Millionen Euro seien bei Investoren eingesammelt worden, teilte Talentry heute mit.

Angeführt wird die Finanzierungsrunde demnach von dem in London und Barcelona ansässigen Wagniskapitalgeber Nauta, der eigenen Angaben zufolge erstmals in Deutschland investiert. Geld schießt auch der Münchener IT- und Personaldienstleister Allgeier nach, der bereits 2015 beim Start-up eingestiegen ist. Weitere Investoren sind Global Founders Capital – der Investmentarm von Rocket Internet – sowie mehrere Bussiness Angels. Darunter sind laut Talentry die Gründer der erfolgsverwöhnten Software-Schmiede Celonis sowie Carsten Thoma, Gründer des von SAP übernommenen Technologieunternehmens Hybris.

„Die jüngste Investition durch Nauta Capital und andere Kapitalgeber ermöglicht es uns, deutlich in unsere Plattform zu investieren und die Zukunft des digitalen Recruitings mitzugestalten“, sagt Carl Hoffmann, Geschäftsführer bei Talentry. Konkret will das Start-up das derzeit über 40 Mitarbeiter große Team vergrößern und neben der Produktentwicklung die internationale Expansion vorantreiben. Als Zielmärkte nennt Talentry Großbritannien und die USA.

Mitarbeiter als Markenbotschafter

Bisher haben die Münchener eigenen Angaben zufolge 150 Kunden, darunter Henkel, die Schweizer Post, Vodafone, Axel Springer und die Universal Music Group. Kern der Talentry-Plattform ist ein Tool, mit dem Personalverantwortliche Stellenausschreibungen an ausgewählte Mitarbeiter schicken können. Diese können die Ausschreibung an Freunde und Bekannte weiterleiten oder in sozialen Netzwerken teilen. Optional können auch weitere Unternehmensinhalte zur Verfügung gestellt werden – Mitarbeiter sollen so zu Markenbotschaftern werden.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Firstbird. Das in Wien ansässige HR-Tech hatte im Januar eine Finanzierungsrunde über zwei Millionen Euro abgeschlossen. Dort investiert sind neben anderen die Kölner Personalberatung Kienbaum und Jobcloud, die Betreibergesellschaft des Schweizer Stellenportals jobs.ch.