Sunvigo will Hausbesitzern mit Komplettpaketen zur Solaranlage verhelfen – und sich mit seinem Preismodell von Konkurrenten wie Enpal abheben.

Die Preise für Photovoltaik-Module sind in den vergangenen Jahren stark gefallen, Strom aus dem Netz wird immer teurer: Für viele Hausbesitzer würde es sich längst lohnen, eine Solaranlage auf dem Dach zu installieren. Doch die wenigsten tun das. „Die Menschen schrecken vor dem Aufwand zurück, der damit verbunden ist“, sagt Michael Peters. Mit seinem Start-up will der Gründer die Hürden beseitigen: Sunvigo bietet von der Planung über die Montage bis zur Wartung ein Komplettpaket – und will mit einem innovativen Preismodell punkten. Kunden kaufen die Anlage auf ihrem Dach nicht, sondern lassen sie von dem Start-up betreiben. Das gibt dafür den Strom an den jeweiligen Hauseigentümer vergünstigt ab.

„Wir sind auf dem Markt die ersten mit einem solchen Produkt“, sagt Peters, der lange bei der Unternehmensberatung McKinsey Unternehmen aus der Energiebranche beraten hat. Zwar gibt es eine Reihe von Unternehmen, die ebenfalls Komplettpakete bewerben. Für Furore sorgt aktuell etwa Enpal. Das Berliner Start-up setzt allerdings auf ein Mietmodell – Kunden zahlen für ihre Solaranlage also monatliche Gebühren. Viele Interessenten scheuen nach Einschätzung Peters aber die langen Vertragslaufzeiten, die zwischen 15 bis 20 Jahre liegen.

Sunvigo verspricht dagegen, dass Kunden keine Risiken tragen müssen. Sie haben zum einen die Möglichkeit, die Anlage später selbst zum Restwert zu übernehmen. Und sollten die Energiepreise aus irgendeinem Grund künftig einmal sinken, können sie sich für einen Stromanbieter entscheiden. Aktuell, so gibt Peters an, zahlen Sunvigo-Kunden für den Strom von ihrem Dach rund ein Drittel weniger als für Netzstrom. In Zeiten, in denen die Anlage nicht genug Energie liefert, beliefert das Kölner Start-up seine Kunden mit zugekauftem Öko-Strom. Umgekehrt werden Überschüsse ins Netz eingespeist.

Millionenschwere Finanzierungsrunde

Von dem Ansatz haben Peters und seine Mitgründer Bastian Bauwens und Vigen Nikogosian bereits erste Investoren überzeugt. Zu den Gesellschaftern zählen der ehemalige RWE-Deutschland-Chef Arndt Neuhaus, der Greentech-Accelerator Ecosummit und der Wagniskapitalgeber Übermorgen Ventures aus der Schweiz. Nun ist auch der Hightech-Gründerfonds (HTGF) an Bord gekommen. Seit der Gründung vor einem Jahr hat das Start-up nach eigenen Angaben insgesamt 1,1 Millionen Euro eingesammelt. Ebenso wichtig: Sunvigo ist es auch gelungen, Banken von seinem Geschäftsmodell zu überzeugen. Denn um in großem Stil Anlagen aufbauen zu können, muss das Unternehmen Kredite aufnehmen.

Das Kapital aus der Finanzierungsrunde will das Gründer-Trio nutzen, um Marketing und Vertrieb hochzufahren sowie das Produkt weiterzuentwickeln. Das Team ist bereits auf 17 Köpfe gewachsen. In diesem Jahr will das Start-up „einige hundert“ Kunden gewinnen. Die Coronakrise sieht Peters nicht als Hindernis. „Der Energiesektor ist kaum betroffen“, sagt der Gründer. „Und weil die Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen, setzen sie sich eher mit ihrer Immobilie auseinander.“ Der Wunsch, die eigenen Stromkosten zu senken, werde auch durch die Elektromobilität größer.

Virtuelles Kraftwerk geplant

Bereits zum Start können Kunden auch Batteriespeicher und Ladestationen für E-Autos bei dem Start-up mitordern. Auch über Heizangebote denken die Kölner bereits nach – naheliegend wären beispielsweise Wärmepumpen. Eine weitere Idee: Sunvigo will künftig die Anlagen zu einem virtuellen Kraftwerk vernetzen. Dann könnten auch Mieter ohne eigene Dachflächen den Sonnenstrom kaufen. Zudem ließen sich zusätzliche Einnahmen durch die Bereitstellung von Regelenergie erzielen, also die netzdienliche Einspeisung des Stroms.

Den Wettbewerb mit Energieversorgern und anderen Start-ups wie Enpal – dort wurde kürzlich die sechstausendste Anlage installiert – scheut Sunvigo nicht. „Mit unserem Produkt differenzieren wir uns klar“, sagt Peters. „Und es wäre komisch, wenn andere den Markt nicht bearbeiten, denn das ungenutzte Solarpotential in Deutschland ist noch riesig.“

Als Bremse für das Start-up könnte sich indes der Handwerker-Mangel erweisen. Durch die wachsende Nachfrage nach Solarlösungen sind passende Elektrotechniker rar. Enpal hat deswegen eine eigene Montagegesellschaft mit aktuell 170 Angestellten aufgebaut. Peters schließt nicht aus, diesem Vorbild zu folgen – will aber vorerst ausschließlich auf Partnerbetriebe setzen. „Die Engpässe bei den Montagekapazitäten sind hinderlich, aber nicht unlösbar“, ist er überzeugt.