Die Frage, warum Konzerne inzwischen so stark auf Start-ups setzen, beantwortet die Studie so: Die „Beteiligung von Venture Capitalists“ mache bestimmte Branchen innovativer. So können die firmeneigenen Risikokapitalgeber beispielsweise drei bis vier Mal mehr Patente verbuchen als klassische Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Die Wissenschaftler beschreiben auch, dass das – logischerweise – zu einer Konkurrenzsituation zwischen den Abteilungen führen kann.

Der Grund dafür, dass die Risikokapitaleinheiten erfolgreicher sind: Die Konzerne profitieren von dem Wissen der Start-ups. Die Autoren der Studie haben drei Punkte ausgemacht, die etablierten Unternehmen helfen: indem sie Wissen über neue Märkte generieren, indem sie einen Zugang zu disruptiven Technologien bekommen und indem sie Einblick in ein sogenanntes „Window on Technology“ bekommen, also einen Einblick in Technologien, die nicht in der eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung zu finden sind. Deswegen richtet sich auch der Fokus der Konzerne meist auf Start-ups, die nah am eigenen Geschäftsfeld agieren.

Nicht mit dem Strom unabhängiger Venture Capitalists schwimmen

Neu ist diese Erkenntnis nicht. Auch andere Aussagen der Studie, etwa dass Großkonzerne schwerfälliger agieren als Start-ups, überraschen wenig. Einen Mehrwert bietet die Studie aber trotzdem, weil sie auch eine Art Empfehlung für den Umgang mit Risikokapital-Einheiten abgibt. So schreiben die Autoren beispielsweise, dass es „ein Umdenken in den Unternehmen“ erfordere, um langfristig einen Zugang zu neuen Technologien und Märkten zu erhalten. „Direkte finanzielle Gründe sind eher nachrangig und sollten nicht der wesentlichste Grund für ein Investment sein“, heißt es weiter.

Trends würden zudem immer noch zu spät erkannt. Die Unternehmen seien zu spät informiert, welche Technologien ihr Geschäftsmodell in den kommenden Jahren bedrohen könnten – und das trotz steigender Ausgaben für Forschung und Entwicklung.

Außerdem machen die firmeninternen Risikokapitalgeber der Studie zufolge einen großen Fehler: Sie kopieren unabhängige Venture Capitalists. So investierten sie beispielsweise in ähnliche Felder wie diese. Das gehe am Ziel der Einheiten vorbei, mahnen die Studienautoren: Die Investments sollten immer zur Unternehmensstrategie passen.

Ein interessanter Punkt, auch weil Kapitalgeber wie Rocket Internet oft eben jene Einheiten von Konzernen für ihre Deals überzeugen können. Glaubt man den Wissenschaftlern, ist das für viele Unternehmen genau der falsche Weg.