Gründer in Deutschland haben Probleme, geeignete Mitarbeiter zu finden, zeigt eine aktuelle Studie. Der Digitalverband Bitkom warnt vor den Folgen.

Nach neuen Mitarbeitern sucht aktuell mehr als die Hälfte der Start-ups in Deutschland, fünf Stellen sind im Schnitt unbesetzt. Ursache sei häufig ein Mangel an passenden Bewerbern, wie aus einer heute veröffentlichten Umfrage von Bitkom Research im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom hervorgeht. Demnach haben 56 Prozent der mehr als 300 befragten jungen Firmen bereits die Erfahrung gemacht, dass sie Stellen nicht besetzen konnten, weil geeignete Kandidaten fehlten.

Der Engpass wird für Start-ups nach Ansicht des Digitalverbandes zunehmend zu einem Risiko: „Der Fachkräftemangel entwickelt sich zu einem der Hauptprobleme für deutsche Start-ups“, lässt sich Bitkom-Präsident Achim Berg in einer Pressemitteilung zitieren. Nachteile für den Gründerstandort sind dem Verband zufolge zu befürchten. „Wer mit einer guten Idee gegründet hat, stößt beim Wachstum hierzulande an Grenzen, weil ihm die Mitarbeiter fehlen“, so Berg.

Entspannung ist nicht in Sicht. Mit Blick auf das laufende Jahr geben drei Viertel der jungen Firmen an, ihr Team vergrößern zu wollen. Zufrieden mit der aktuellen Mitarbeiterzahl zeigen sich 15 Prozent der Start-ups. Entlassungen befürchtet nur ein Prozent der befragten Unternehmen. Insgesamt beschäftigen die deutschen Gründer im Schnitt 15 Personen. Mehr als 20 Mitarbeiter hat immerhin jedes fünfte Start-up.

HR-Tech soll Abhilfe schaffen

Die Suche nach geeigneten Kandidaten versuchen viele Gründer inzwischen mit Hilfe der Technik zu vereinfachen – und bauen darauf ihr Geschäftsmodell auf. So arbeitet etwa das Berliner HR-Tech-Start-up Hey Jobs an einer Software, die potenzielle neue Mitarbeiter für seine Unternehmenskunden aufspürt und durch ein eigenes Auswahlverfahren schickt. Künstliche Intelligenz soll dabei unterstützen. Um das Recruiting-Werkzeug zu verbessern, erhält Hey Jobs nun zehn Millionen Euro von Investoren. Das Geld stammt unter anderem von Notion Capital und Creathor Ventures, wie das Start-up Mitte der Woche bekanntgab. Zu den Rivalen für Hey Jobs im HR-Tech-Bereich zählen Firstbird aus Wien, das Münchener Start-up Personio sowie Peakon mit Sitz in Kopenhagen.

Personalmangel besteht in einigen Bereichen seit Jahren: Etwa nach Softwareentwicklern suchen viele junge Unternehmen vergeblich. Auch Vertriebsmitarbeiter sind laut Umfrageteilnehmern schwierig zu finden, zeigte bereits unter anderem eine Bitkom-Studie aus dem Jahr 2017.