Im Westen ist fast jede zweite junge Firma in einem regionalen Cluster organisiert, zeigt eine aktuelle Studie. Im Fokus steht der Wissenstransfer.

Erfahrungen austauschen und Know-how teilen: Für Gründer in Westdeutschland spielen regionale Netzwerke eine wichtigere Rolle als in anderen Teilen der Bundesrepublik. So ist knapp die Hälfte der Start-ups in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ein Mitglied sogenannter Cluster, wie eine aktuelle Auswertung des Bundesverbands Deutsche Startups (Start-up-Verband) und der Analyse-Plattform Statista zeigt. Der Veröffentlichung „Startup Trendreport: Standort Deutschland 2018“ zufolge geben sich Gründerinnen aus der Hauptstadt sowie dem Norden deutlich zurückhaltender: Nur etwa ein Viertel der Start-ups aus Berlin sowie aus Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist regional vernetzt.

Den Mehrwert eines solchen Austausches nehmen die Gründer unterschiedlich wahr: Einen hohen Nutzen sehen vor allem die Start-ups im Süden und Osten der Bundesrebublik, so die Angaben von 72 beziehungsweise 66 Prozent der 1.550 befragten Gründerinnen und Geschäftsführer. „Der Start-up-Trendreport belegt, dass jedes regionale Start-up-Ökosystem in Deutschland seine ganz eigenen Stärken besitzt“, lässt sich Sascha Schubert, Geschäftsführer des Start-up-Verbandes, in einer Pressemitteilung zitieren. So verbinde etwa die jungen Firmen im Süden und auch im Westen ein starker Fokus auf B2B-Geschäftsmodelle. Die Cluster bringen als regionale Netzwerke Unternehmen, Institutionen, Forschungseinrichtungen sowie Dienstleister für Wissenstransfer und Kooperationen zusammen.

Niedersachsens Gründer-Politik ist Schlusslicht

Einheitlich erhoffen sich die Start-ups mehr von der Politik: Die Thüringer Landesregierung kommt mit einer durchschnittlichen Bewertung von 2,9 in Schulnoten („befriedigend“) noch am besten weg. Am schlechtesten schneidet die Regierung in Niedersachsen ab – mit einer Note von 4,1. Ganz oben auf der Wunschliste der Gründer stehen weniger bürokratische und regulatorische Hürden sowie mehr Hilfe auf der Suche nach Kapital. Um die Finanzierungsbedingungen zu verbessern, schlägt fast ein Drittel der Befragten vor, die Attraktivität von Direktinvestitionen für deutsche Familienunternehmen und mittelständische Unternehmen zu steigern.

Eine bessere Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit verlangen insbesondere Gründer in kleineren Städten. Auch an anderer Stelle zeigen sich Unterschiede zwischen der Wahrnehmung in Großstädten und ländlicheren Gebieten: So nennen Start-ups in Metropolen das Wachstum häufiger als größte Herausforderung als junge Firmen in kleineren Städten und auf dem Land. Mit der Personalsuche und der Profitabilität haben ebenfalls die Großstädter häufiger zu kämpfen. Umgekehrt ist es dagegen bei der Kapitalbeschaffung und der Produktentwicklung.

Basis des Trendreports sind Daten, die der Start-up-Verband jährlich im Rahmen des sogenannten Start-up-Monitors erhebt. Einbezogen werden junge Firmen, die weniger als zehn Jahre am Markt sind und auf starkes Wachstum abzielen oder in Bezug auf ihr Geschäftsmodell oder die Technologie als besonders innovativ gelten.