Gründer heben Künstliche Intelligenz in einer aktuellen Umfrage als wichtigste neue Technologie hervor. Der Digitalverband Bitkom fordert intensivere Forschung.

Mit selbstlernenden Algorithmen experimentiert inzwischen rund jedes dritte Start-up, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage unter 321 jungen IT- und Internet-Unternehmen in Deutschland hervorgeht. Ebenfalls gut ein Drittel der Start-ups gibt in der Befragung des Digitalverbands Bitkom an, sich mit der Technologie zu beschäftigen oder sie einsetzen zu wollen. Nur Cloud Computing und Analysen von großen Datenmengen („Big Data“) kommen bei jungen Firmen in Deutschland laut Studie häufiger zum Einsatz.

Auf Abstand zu KI-Anwendungen gehen dagegen rund 20 Prozent der befragten Start-ups. Aufholbedarf sieht der Branchenverband beim Know-how: „Wir müssen Forschung und Entwicklung rund um KI aber auch in den etablierten Unternehmen deutlich ausweiten“, lässt sich Bitkom-Präsident Achim Berg laut Pressemitteilung zitieren. „Vor allem muss es uns gelingen, an den Hochschulen und Forschungsinstituten die KI-Ausbildung schnell massiv auszuweiten, um die notwendigen Spezialisten zu haben.“ Gerade beim Einsatz von KI-Technologien in etablierten Branchen seien Start-ups ideale Kooperationspartner für den Mittelstand und für Konzerne, so Berg.

Für die etablierten Unternehmen spielen die Anwendungen laut Bitkom bislang kaum eine Rolle: So gaben nur zwei Prozent von 606 befragten Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern an, KI einzusetzen. Diskussionen über die neue Technologie führten neun Prozent der Firmen, so das Ergebnis einer Telefonbefragung des Verbands aus dem Frühjahr.

Regionaler Schwerpunkt

Start-ups als potenzielle Kooperationspartner für KI-Projekte sind häufig in Berlin zu finden, wie eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln zeigt. Demnach versammelt die Hauptstadt die Hälfte der insgesamt 164 in der Studie aufgelisteten jungen KI-Unternehmen. Andere Stellen gehen von deutschlandweit mehr als 200 Start-ups aus, die sich mit dem sogenannten Maschinellen Lernen beschäftigen.

Zum Beispiel erhielt Taxy.io aus Aachen im Mai einen Millionenbetrag von Investoren, um mit Hilfe einer Software die Arbeit mit juristischen Dokumenten zu vereinfachen. Mit Spracherkennung und E-Mail-Automatisierung konnten die Berliner Gründer von Parlamind eine mittelständische Technologiegruppe von sich überzeugen. An andere Trend-Themen wagen sich Gründer dagegen kaum heran: Beispielsweise von Robotik, 5G-Anwendungen und Drohnen halten sich Start-ups laut Bitkom noch weitestgehend fern.