2019 konnten Unternehmen aus keinem anderen Sektor so viel Wagniskapital einsammeln. Die Finanzierung von E-Commerce-Start-ups ist indes drastisch gesunken.

E-Scooter erobern die Straßen, digitale Speditionen etablieren sich – und innovative Lösungen für die Autobranche sind gefragt wie nie zuvor: 2019 war ein Rekordjahr für deutsche Mobilitäts-Start-ups. In keinem anderen Sektor konnten junge Unternehmen mehr Wagniskapital einsammeln, zeigt das aktuelle Start-up-Barometer der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (hier geht es zum PDF). Insgesamt 1,6 Milliarden Euro pumpten demnach Investoren in entsprechende Unternehmen – mehr als doppelt so viel wie noch im Vorjahr.

EY fasst den Sektor „Mobility“ allerdings sehr weit und schließt die Reise-Branche darin ein. Aus dem Bereich kam auch die höchste Finanzierungsrunde des vergangenen Jahres: Eine halbe Milliarde Euro hat Flixmobility – die Muttergesellschaft von Flixbus und Flixtrain – im Juli eingesammelt. Auch beim Unternehmen mit der zweithöchsten Finanzierung steht das Geschäft mit Privatreisendenden im Vordergrund: Im Mai hat Getyourguide vom japanischen Technologie-Fonds Softbank und weiteren Investoren 428 Millionen Euro bekommen. Das Berliner Start-up vermittelt Ausflüge und Tickets für Attraktionen an Touristen.

Gemessen an der Zahl der Finanzierungsrunde lagen 2018 im Mobilitäts-Sektor Start-ups aus den Bereichen Automobil und Logistik mit je 15 Deals vorne. So konnte sich etwa Brighter AI, eine Ausgründung des Elektronikspezialisten Hella, mit seiner in der Autobranche gefragte Anonymisierungssoftware für Kamerabilder eine Millionensumme sichern. Zu den Aufsteigern im Bereich Logistik gehören die Berliner Digital-Spedition Freighthub sowie Seven Senders aus Berlin. Das Unternehmen bündelt europäische Paketdienste zu einem virtuellen Transportnetzwerk.

Internationale Geldgeber sorgen für Investitionsrekord

Nach dem Mobilitätssektor pumpten Investoren im vergangenen Jahr das meiste Geld in Start-ups der Finanz- und Versicherungsbranche: 1,3 Milliarden Euro flossen den EY-Erhebungen zufolge an Fintechs und Insurtechs. Auf Platz drei stehen reine Software-Start-ups, die zusammen 1,2 Milliarden Euro einsammeln konnten. Hier wurden auch die mit Abstand meisten Finanzierungsrunden gezählt, gefolgt von E-Commerce-Start-ups. Allerdings steckten Investoren nicht mehr so viel Geld in Geschäftsmodelle rund um den Onlinehandel: Nur noch 730 Millionen Euro sammelten Start-ups hier ein. Im Vorjahr waren es noch 1,7 Milliarden Euro.

Für die Gründerszene insgesamt markiert 2019 einen Investitionsrekord, wie EY herausstellt. Demnach wurden 6,2 Milliarden Euro in deutsche Start-ups investiert – ein Plus von 37 Prozent. Nach Einschätzung von EY-Partner Peter Lennartz wird sich die Rekordjagd in diesem Jahr fortsetzen: „Es ist sehr viel und ausreichend Liquidität im Markt – mit weiterhin stark ansteigender Tendenz.“ Treiber seien vor allem international tätige Investoren aus den USA, Großbritannien und Asien. Gründern rät er, deswegen von Anfang an ein Geschäftsmodell zu betreiben, das auch außerhalb des deutschen Markts funktioniert.