Eine Auswertung von EY zeigt: Wenn es um Finanzierungen geht, kommt in Europa keiner an London vorbei. Doch eine Stärke des deutschen Start-up-Ökoystems wird deutlich.

4,9 Milliarden Euro Risikokapital in einem Jahr: Allen Brexit-Vorbereitungen zum Trotz floss im europäischen Vergleich auch 2017 das meiste Investmentgeld in die britische Hauptstadt. Das zeigt eine Auswertung der Unternehmensberatung EY aus dieser Woche (hier geht es zum PDF). Mit insgesamt etwas mehr als 2,9 Milliarden Euro Risikokapital für Start-ups landet Berlin hier auf zweiter Stelle und lässt Paris mit knapp zwei Milliarden Euro hinter sich.

Insgesamt zeigt die Auswertung: Die finanziellen Rahmenbedingungen und die Bereitschaft für Investitionen in Start-ups verbessern sich in ganz Europa weiterhin. Die EY-Berater, deren Zahlen sich auf öffentlich bekannt gewordene Finanzierungsmeldungen stützen, melden für Europa gut ein Drittel mehr Finanzierungsrunden – und insgesamt 84 Prozent mehr investierte Gelder: „Das zeigt, dass das europäische Start-up-Ökosystem weiter an Stärke gewinnt”, sagt EY-Partner Peter Lennartz. „Immer mehr europäische Jungunternehmen erhalten frisches Geld und können damit innovative Geschäftsmodelle oder Technologien weiterentwickeln.“

Deutsche Start-ups punkten auch außerhalb Berlins

Bei einem Blick auf die Zahlen zeigt sich, dass sich das Kapital in Deutschland stärker auf verschiedene Regionen verteilt. London und Paris vereinen jeweils etwa drei Viertel des insgesamt im jeweiligen Land eingeworben Risikokapitals. Berlin kommt auf knapp 70 Prozent – und München und Hamburg können sich bei der Rangliste der Städte mit den höchsten Finanzierungssummen auf Platz neun und zehn positionieren. Mehr als eine Stadt pro Land in dieser Liste schaffte ansonsten recht überraschend nur die Schweiz . Neben dem steuer- und regulationsfreundlichen Blockchain-Standort Zug punktete vor allem Basel, weil das Biotech-Start-up Roviant Sciences hier fast eine Milliarde Euro einsammelte.

In wie weit die Spitzenreitenposition von Großbritannien mit Zugpferd London ins Wanken gerät, wenn das Land tatsächlich die EU verlässt, sei ungewiss, so Lennartz: „Die Karten werden allerdings neu gemischt, wenn es tatsächlich so weit ist. Dann könnte Großbritannien für europäische Gründer deutlich an Attraktivität verlieren.“ Aktuell jedoch sei der Standort vor allem im Fintech- und Technologiebereich weiterhin führend, wohingegen in Berlin E-Commerce dominiere, sagt Lennartz. Das illustrierte jedoch auch zugleich, mit welcher Vorsicht und welchen Auswirkungen die verschiedenen Auswertungen für Start-up-Finanzierungen behandelt werden müssen – die umfangreiche Runde von N26 in dieser Woche hätte die Zahlen noch einmal verändert.