Der erstmals erstellte Startup Monitor NRW attestiert dem Bundesland eine lebendige Start-up-Szene, der es aber an Wagniskapital fehlt.

Die Gründerszene im Rheinland bis 2020 auf Augenhöhe mit der in Berlin und München zu bringen: Dieses Ziel hatte der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) beim Amtsantritt ausgegeben. Nun hat die Landesregierung zusammen mit dem Bundesverband Deutsche Startups erstmals einen NRW Startup Monitor (hier geht es zum PDF) herausgegeben, der Stärken und Schwächen des Ökosystems offenbaren soll.

Die Studie basiert auf den Daten von 295 nordrhein-westfälischen Start-ups, deren Angaben auch bei dem im Oktober veröffentlichten Deutschen Startup Monitor 2018 eingeflossen waren. Hinter den Unternehmen stehen über 730 Gründer und knapp 2.000 Mitarbeiter.

Die separate Auswertung bringt einige interessante Erkenntnisse: So geben überdurchschnittlich viele Start-ups in NRW an, dass Künstliche Intelligenz einen sehr großen Einfluss auf ihre Geschäftsmodell hat. Zudem machen fast drei Viertel ihren Umsatz im Geschäft mit Firmenkunden – so hoch ist der Anteil in keinem anderen Bundesland.

Zu wenig Geldgeber

Probleme bereitet Gründern an Rhein, Ruhr und Lippe vor allem die Finanzierung. Nur 41,5 der befragten Start-ups geben an, externes Kapital aufgenommen zu haben – in Berlin beispielsweise sind es 70,4 Prozent. Dieser Mangel mache sich in einer moderaten Größe der Unternehmen und verhaltenen Tendenzen zur Internationalisierung bemerkbar, heißt es in der Studie. Die von Pinkwart angestrebte Verfünffachung des investierten Wagniskapitals bis 2022 (gegenüber 2017) erscheint da trotz bundesweit steigender Investitionen ambitioniert.

Nachholbedarf sehen die Autoren auch bei Ausgründungen aus der Wissenschaft, für den sie den Anteil der Promovierten unter Start-up-Gründern als Indikator heranziehen. Dieser liege mit 9,2 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 13,3 Prozent. Gegensteuern will die Landesregierung mit „Exzellenz Start-up Centern“ an sechs Hochschulen. 150 Millionen Euro sollen dafür in den nächsten fünf Jahren bereitgestellt werden.

Bereites auf den Weg gebracht hat die Landesregierung unter anderem ein neues Gründerstipendium, das einem Grundeinkommen ähnelt. Im April hatte Pinkwart den 500. Förderbescheid ausgestellt. Auch die Förderbank des Bundeslandes stellt mehr Geld für Digital-Start-ups zur Verfügung. Dennoch müsse im Bereich Finanzierung noch mehr getan werden, mahnte Florian Nöll, Vorstandsvorsitzender beim Startup-Verband: „Mit ausreichend Kapital lässt sich das Startup-Ökosystem in NRW auf das nächste Level heben.“