Einer Bitkom-Befragung zufolge kooperieren 79 Prozent der Start-ups mit Konzernen oder Mittelständlern – doch die kulturellen Unterscheide sind groß.

Kooperationen zwischen etablierten Unternehmen und Gründern sind oft mit erheblichen Spannungen verbunden. Das zeigt eine Befragung des Verbands Bitkom unter 320 jungen Unternehmen der IT- und Internetbranche. Demnach kooperieren vier von fünf Start-ups auf die eine oder andere Art mit Mittelständlern oder Konzern. Davon sind 81 Prozent mit der Zusammenarbeit insgesamt zufrieden. Doch: Jedes zweite Start-up beklagt die langsamen Prozesse. Jedes dritte ist der Meinung, dass die Etablierten von der Kooperation mehr profitieren. Und fast jedes vierte empfindet die größeren Partner sogar als arrogant.

Die Befragung untermauert eine Studie der TU München aus dem vergangenen Jahr. Demnach sind die kulturellen Unterschiede eine große Hürde. Mittelständler beklagen etwa, dass manche Gründer zu unerfahren sind – zudem fehlen Budgets für Projekte. In einer weiteren Bitkom-Befragung aus dem Frühjahr nannten etablierte Unternehmen Zeitprobleme als Hürde für Kooperationen. Beide Punkte werden von Start-ups, die ohne Partner unterwegs sind, dagegen nur selten als Ursache genannt.

Vernetzung entscheidend

Größerer Hinderungsgrund auf Gründerseite ist, dass ihnen der Kontakt zu etablierten Unternehmen fehlt – was diese umgekehrt auch oft sagen. Einmal mehr belegt das, wie wichtig die Netzwerk-Veranstaltungen und Branchen-Events sind. „Aufgrund der hohen Masse an Mittelständern tun sich Start-ups häufig schwer, die zu ihnen passenden Unternehmen anzusprechen“, sagte Albert Geiger, Geschäftsführer des Familienunternehmer-Netzwerks Alphacircel im Februar.

Am weitetesten verbreitet ist laut Bitkom-Befragung mit großem Abstand die Kooperation von Start-ups und etablierten Unternehmen bei der gemeinsamen Produktentwicklung. Das Ergebnis zahlt sich aus Sicht der Gründer in der Regel aus: Drei von fünf Befragte geben an, dass neue Kunden gewonnen oder Märkte erschlossen werden können. Jeder Zweite berichtet, das eigene Produkt verbessert zu haben.

„Von einer Zusammenarbeit profitieren beide Seiten und die gesamte Wirtschaft“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Start-ups punkteten vor allem ihrer Expertise bei neuen Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Blockchain. Dafür fehle ihnen häufig der Marktzugang – die Zusammenarbeit mit Mittelständlern und Konzernen sei daher oft ein wichtiger Türöffner.