Laut Erhebungen von EY könnte Paris bald an Berlin als Start-up-Standort vorbeizuziehen. Trotz des Brexits auf Platz eins bleibt London.

Gemessen am investierten Risikokapital ist Berlin nach London bislang die zweitwichtigste Start-up-Hochburg in Europa. Doch das Bild könnte sich bald ändern, ergab eine heute veröffentlichte Analyse der Beratungsgesellschaft EY. Demnach droht Paris, die deutsche Hauptstadt zu überholen: Während Berliner Start-ups im vergangenen Jahr zwölf Prozent weniger frisches Kapital erhielten, legten die Investitionen in Paris um 39 Prozent zu.

Bei der Zahl der Transaktionen habe die französische Hauptstadt bereits die Nase vorn, so die Studienautoren: Insgesamt 366 Start-up-Investitionen wurden 2018 gezählt, in Berlin waren es 244. „Die französische Politik verfolgt das klare Ziel, Frankreich zur Start-up-Nation Nummer eins in Europa zu entwickeln“, sagt EY-Partner Peter Lennartz. Zwar gebe es weniger Mega-Transaktionen, in der Breite sei die Finanzierung von Jungunternehmen aber besser als in Deutschland.

Aus Gründersicht vorteilhaft seien die regulatorischen Rahmenbedingungen. Dazu zählt EY eine unkomplizierte Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen, günstige Kredite vom Staat sowie massive Steuererleichterungen für Gründer und Investoren. „Wenn Deutschland nicht aufpasst und nicht noch mehr für Start-ups tut als bisher, werden unsere französischen Nachbarn uns bei der Finanzierung von Jungunternehmen bald überholt haben“, warnt Lennartz.

Trübe Konjunkturaussichten ohne Einfluss

Trotz des bevorstehenden Brexits auf dem ersten Platz steht London. 623 Finanzierungen haben sich Unternehmen, die nicht älter als zehn Jahre sind, dort gesichert. Das Gesamtvolumen stieg um 39 Prozent auf fünf Milliarden Euro. Die größte Einzel-Finanzierung des Jahres erhielt der in London ansässige Luxus-Onlinehändler FarFetch, der bei seinem Börsengang 583 Millionen Euro einsammelte.

Laut den EY-Erhebungen ist das europäische Start-up-Ökosystem insgesamt in bester Verfassung. Der Gesamtwert der Start-up-Finanzierungen stieg 2018 im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 21,3 Milliarden Euro. Die Zahl der Finanzierungsrunden legte um 15 Prozent auf 4199 zu. Der Positivtrend sei auch im zweiten Halbjahr 2018 ungebrochen geblieben – obwohl sich die Konjunkturaussichten weltweit deutlich eingetrübt hätten.