Die weltweiten Investitionen in Start-ups aus der Finanzbranche gehen im ersten Halbjahr stark zurück – Marktbeobachter sehen eine Mäßigung nach dem Rekordjahr.

Mit Investments in dreistelliger Millionenhöhe machten junge Technologieunternehmen aus der Versicherungsbranche im Frühjahr auf sich aufmerksam: Umgerechnet rund 112 Millionen Euro konnte das Berliner Start-up Wefox einsammeln. Die digitale Autoversicherung Friday, ebenfalls aus der Hauptstadt, erhielt 114 Millionen Euro in Kapital und Medialeistungen. Wenige üppige Kapitalrunden stehen für die Entwicklung des Investitionsumfeldes rund um Finanztechnologie-Start-ups in Deutschland in der ersten Jahreshälfte, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens KPMG.

Speziell für die sogenannten Insurtechs weisen die Marktbeobachter in ihrem aktuellen Bericht „The Pulse of Fintech H1 2019“ weltweit einen massiven Rückgang der Geldflüsse aus – von 7,6 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr 2018 auf nur noch 1,1 Milliarden Dollar in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Insgesamt zeigen die KPMG-Zahlen nach unten: So kamen die globalen Investitionen in Fintechs von Januar bis Juni 2019 nur noch auf einen Wert von 37,9 Milliarden Dollar – nach 120 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Rückgang von fast 70 Prozent.

Hintergrund sei in erster Linie eine Abkühlung nach dem Rekordjahr 2018, vergleichbare Mega-Deals fehlten bislang. Den Fintech-Markt sehen die Berater weiterhin stark aufgestellt für weiteres Wachstum. „Damit bestätigt sich auch der schon seit einiger Zeit zu beobachtende Trend hin zu weniger, aber dafür im Durchschnitt größeren Deals“, lässt sich KPMG-Partnerin Sina Steidl-Küster in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung zitieren.

Zwei deutsche Fintechs stechen heraus

Mit Blick auf die deutsche Fintech-Landschaft sehen die Marktbeobachter vor allem internationale Investoren als treibende Kräfte. Unter den weltweit größten Deals im ersten Halbjahr listet KPMG den Kartenzahlungs-Dienstleister Concardis aus Eschborn bei Frankfurt – für sechs Milliarden Dollar übernommen von US-Investor Advent International und der Private-Equity-Gesellschaft Bain Capital. Darüber hinaus führen die Berliner Digitalbank N26 sowie die Anleger-Plattform Raisin hinter der Marke „Weltsparen“ laut der Studie die umfangreichsten deutschen Fintech-Finanzierungsrunden an. N26 gab erst vor wenigen Tagen bekannt, mit 152 Millionen Euro an frischem Kapital aufzustocken. Raisin hat seit der Gründung knapp 200 Millionen Euro von Investoren erhalten – zuletzt legten sie 25 Millionen Euro nach.

Was Geschäftsmodelle rund um Blockchain und Kryptowährungen angeht, halten sich die internationalen Investoren laut der Auswertung derzeit zurück: Sie stellten Gründern nach fünf Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2018 nur noch eine Milliarde zur Verfügung. Insgesamt kamen 171 Deals in dem Bereich zustande, im Vorjahr waren es noch 586. Hierzulande flossen beispielsweise in die Blockchain-Start-ups Ubirch aus Köln und Evan aus Dresden im April und Mai jeweils einstellige Millionenbeträge.