Start-ups mit einer Firmenbewertung über eine Milliarde Dollar sind auch in Deutschland keine Seltenheit mehr, so GP Bullhound.

Oft wird beklagt, dass Europa im Vergleich zu den USA zu wenig schlagkräftige Tech-Unternehmen hervorbringt. Doch das Bild wandelt sich gerade, wie eine aktuelle Analyse der M&A-Beratung GP Bullhound zeigt. Demnach hat sich die Anzahl der „Einhörner“ – also der Start-ups mit einer Firmenbewertung von über eine Milliarde Dollar – gegenüber 2014 fast verdreifacht. Die Gesamtbewertung der europäischen Einhörner sei im vergangenen Jahr sogar stärker gestiegen als bei entsprechenden US-Unternehmen, heißt es im Report „Titans of Tech: All Change at the Top“. Betrachtet wurden Internet- und Softwareunternehmen, die mit einem Hauptsitz in Europa (inklusive Israel) gestartet sind und jünger als 20 Jahre sind.

GP Bullhound erwartet, dass der Kontinent bis 2021 sogar den ersten „Tech-Titanen“ mit einem Firmenwert über 50 Milliarden Dollar hervorbringt. In der Pole Position dafür stehen demnach der schwedische Streaming-Anbieter Spotify und die niederländische Payment-Plattform Ayden. „Europa hat im vergangenen Jahr unglaubliche Fortschritte gemacht“, kommentierte Manish Madhvani, Managing Partner bei GP Bullhound. „Der Zugang zu Kapital hat sich in den letzten drei Jahren enorm verbessert.“

Deutschland in Europa auf Platz 2

Der Auswertung zufolge haben die Einhörner in Europa 2018 rund 28 Milliarden Dollar von Investoren erhalten – vor fünf Jahren waren es erst drei Milliarden. Finanzierungsrunden von 200 Dollar und mehr seien keine Seltenheit mehr. So viel Kapital erhielten laut GP Bullhound im vergangenen Jahr 32 Unternehmen.

Aktuell mehren sich auch in Deutschland die Megarunden: Die Smartphone-Bank N26 etwa konnte im Januar 300 Millionen Dollar einsammeln, beim Reiseportal Getyourguide waren es im Mai 484 Millionen und die App-Analysten von Adjust haben gerade 227 Millionen Dollar bekommen.

Überhaupt schneidet Deutschland im innereuropäischen Vergleich erstaunlich gut ab: Mit mittlerweile elf Unicorns liegt die Bundesrepublik auf Platz zwei nach Großbritannien, wo 27 solcher Milliarden-Dollar-Start-ups gezählt wurden. Auf dem dritten Platz folgt Schweden mit neun Unternehmen. Neu hinzugekommen in den exklusiven Club in Deutschland sind im  betrachtetren Zeitraum neben N26 der Prozessoptimierer Celonis und das Otto-Spinoff About You.