Eine Analyse der Investoren-Plattform Tech Tour bescheinigt gleich 13 deutschen Start-ups besonders großes Wachstumspotenzial.

In der Start-up-Welt ist es eine magische Summe: eine Milliarde Dollar. Junge Unternehmen, die diese Firmenbewertung erreichen, wird gemeinhin bescheinigt, den Durchbruch geschafft zu haben. Lange waren solche „Einhörner“ vor allem in den USA zu finden – doch zunehmend werden sie auch in Europa gesichtet. Mit seiner jüngsten Finanzierungsrunde hat etwa die Berliner Smartphone-Bank N26 kürzlich diesen Status erreicht.

Welche europäischen Firmen das Zeug haben, ebenfalls Milliardenbewertungen zu erreichen, hat nun die Investoren-Plattform Tech Tour untersucht. In der heute veröffentlichten Liste der 50 wachstumsstärkten Technologie-Start-ups sind neben N26 zwölf weitere Unternehmen aus Deutschland vertreten – aus ganz unterschiedlichen Branchen.

Stark bei Hardware

Aus dem Bereich E-Commerce haben laut der Analyse das Limousinen-Portal Blacklane, der Uhrenmarktplatz Chrono24, der Tourenvermittler Get Your Guide, der Shoppingdienst Outfittery und die Reisesuchmaschine GoEuro besonders großes Wachstumspotenzial. Als Software- beziehungsweise KI-Start-ups sind das Umzugsportal Movinga, die Datenbank-Firma Exasol und der auf Prozessmodellierung spezialisierte Cloud-Anbieter Signavio aufgeführt.

Auffällig ist: Unter den Hoffnungsträgen aus Deutschland finden sich auch einige hardwarelastige Start-ups. In diese Kategorie fallen der Dresdener Rechenzentrumsbauer Cloud&Heat, der in München ansässige Fitnessclub-Ausrüster eGym und der Solarspeicher-Spezialist Sonnen mit Sitz in Wildpoldsried. An der Schnittstelle zwischen Hard- und Software bewegt sich das auf die Analyse von Sensordaten spezialisierte Münchener Start-up Konux.

Wenig Kapitalgeber aus Deutschland

Mit den insgesamt 13 Start-ups erreicht Deutschland in der Landeswertung erstmals den ersten Platz. Es folgen die Schweiz mit neun Unternehmen, Frankreich mit acht und Großbritannien mit vier Unternehmen. Die Auswertungen zeigen auch, dass die deutschen Unternehmen besonders erfolgreich bei der Investorensuche waren: Sie haben im Schnitt je 114 Millionen Dollar an Kapital eingesammelt – der Gesamtdurchschnitt lag bei 72 Millionen Dollar.

Auf Investorenseite ist das Bild anders: Deutsche Wagniskapitalgeber haben bei den 50 untersuchten Start-ups nur etwa 13 Prozent der Mittel beigesteuert. „Das ist zweifellos auch der Tatsache geschuldet, dass die deutsche VC-Branche besonders im Growth Segment vergleichsweise überschaubar ist und in keinem Verhältnis steht zur Größe unseres Bruttoinlandprodukts”, sagt Falk Müller-Veerse, Vorsitzender der Auswahlkommission von Tech Tours und Partner der Investmentbank Bryan Garnier & Co.