Immobilienprojekte treiben den Markt für Schwarmfinanzierungen in Deutschland. Das Gesamtvolumen steigt um 50 Prozent auf knapp 300 Millionen Euro.

Mehr Geld vom Schwarm: Gegenüber 2017 hat der deutsche Crowdinvestment-Markt im vergangenen Jahr um 50 Prozent zugelegt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse des Informationsportals crowdfunding.de (hier geht es zum PDF). Demnach kamen bei öffentlich verfügbaren Investmentangeboten für Energieprojekte, Immobilien und Unternehmen insgesamt 297 Millionen Euro zusammen. In den Vorjahren fielen die Wachstumsraten allerdings teilweise deutlich beeindruckender aus: Das Marktvolumen hatte sich etwa von 2016 zu 2017 mehr als verdoppelt.

Das stärkste Wachstum wurde im vergangenen Jahr abermals bei Immobilien verzeichnet. Diesem Sektor ist der Studie zufolge inzwischen 71 Prozent des Gesamtvolumens zuzuordnen. 27 Prozent des Finanzierungsvolumens floss an Unternehmen, eine Nischenrolle mit einem Marktanteil von zwei Prozent haben Energieprojekte. Sogenannte Club-Deals, also nicht-öffentliche Finanzierungsangebote, sind in dem Zahlenwerk nicht berücksichtigt.

Exporo und Kapilendo als Marktführer

Start-ups profitieren in zweierlei Hinsicht von dem wachsenden Crowdinvestment-Markt. Zum einen ist die Schwarmfinanzierung eine Alternative zur Suche nach institutionellen Geldgebern. Zum anderen sind Start-ups die treibende Kraft auf Seiten der Vermittlungsplattformen.

Im Immobiliensegment etwa behauptet sich Exporo als Marktführer. Gestartet war das Hamburger Start-up 2014 mit Projektfinanzierungen, die lange Großinvestoren vorbehalten waren. Das Unternehmen kauft zudem Bestandsimmobilien und beteiligt seine Anleger an den Mieteinnahmen. Zu den Konkurrenten zählen neben anderen Zinsland und Bergfürst, mit Engel & Völkers mischt auch ein Branchenriese auf dem Markt mit.

Bei Unternehmensfinanzierungen sieht Crowdfunding.de aktuell Kapilendo als Marktführer in Deutschland. Bei dem 2015 in Berlin gegründeten Fintech war im vergangenen Jahr Axel Springer eingestiegen. Ein neuer Branchenriese entsteht gerade in Finnland: Die Plattform Invesdor, die bisher nicht in Deutschland aktiv ist, hat kürzlich ihre Fusion mit Finnest aus Österreich bekanntgegeben. „Gemeinsam bilden wir die erste gesamteuropäische digitale Investitions- und Finanzierungsplattform für Unternehmen aller Lebensphasen, vom Start-up bis hin zu Großkonzernen“, sagte Invesdor-CEO Lasse Mäkelä.

Unternehmen hoffen auf Marketingeffekt

Viele Unternehmen schätzen an den Crowdinvestment-Plattformen, dass mit Finanzierungskampagnen ein starker Marketingeffekt verbunden sein kann. So hatte das Heidelberger Digitalunternehmen Ameria Ende des vergangenen Jahres aus diesem Grund vor seinem Börsengang erneut eine Kapitalsuche bei Companisto gestartet.

Eine überraschend kritische Bilanz zog dagegen kürzlich Kartenmachen.de. Der Onlineshop hatte 2016 über 340.000 Euro bei Seedmatch eingesammelt, um neue Maschinen zu kaufen. Nun teilte Gründer Andreas Ritter mit, von viel beschworenen Crowd-Effekten wie Produkt-Feedback oder Marketing-Unterstützung sei wenig übriggeblieben. Wohl seien aber fortlaufende Kosten für Investorenberichte entstanden. Heute würde er professionellen Wagniskapitalfirmen den Vorzug geben: „Im besten Fall teilt der Kapitalgeber Wissen und Kontakte. Als Profi versteht er das Geschäftsleben und bringt das jeweilige Unternehmen weiter.“