Gründer fühlen sich vom Gesetzgeber vernachlässigt, zeigt ein aktueller Start-up-Klimaindikator. Drängendes Problem ist die Beschäftigung von Fachkräften aus dem Ausland.

Unter den internationalen Digital-Fachkräften ist Deutschland ein beliebtes Ziel – für sie zählt die Bundesrepublik laut Umfrageergebnissen zu den attraktivsten Arbeitsmärkten der Welt. Einerseits gute Nachrichten für Start-ups hierzulande, die auf Wachstumskurs händeringend nach Personal suchen.

Andererseits klagen viele Gründer über regulatorische Hürden: Bei der Beschäftigung von neuen Mitarbeitern aus dem Ausland fühlten sie sich vom Gesetzgeber nur wenig unterstützt, so das Ergebnis der gestern veröffentlichten zweiten Auflage des Start-up-Klimaindikators. An der gemeinsamen Umfrage der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und des Frühphaseninvestors HV Holtzbrinck Ventures im Juni und Juli beteiligten sich 56 Gründer und Führungskräfte von Start-ups.

Im Kampf um qualifiziertes Personal erweist sich demnach die Gesetzeslage sowie die Verwaltung in Deutschland als Hemmnis: Die erforderliche Arbeitserlaubnis für neue Mitarbeiter aus dem Ausland lasse teilweise mehrere Monate auf sich warten. Ein Problem gerade für junge Unternehmen, die um gefragte Softwareentwickler werben – und international rekrutieren wollen oder müssen.

Personalengpässe drohen

Veränderungen hat es laut den Studienautoren seit einer ersten Befragung Anfang des Jahres nicht gegeben. Damals lag der Anteil der Unternehmen, die sich in ihrer Geschäftstätigkeit nicht ausreichend von der Politik unterstützt sehen, bei 91,4 Prozent. So sehen das auch aktuell noch neun von zehn der befragten Start-ups. „Insbesondere im Hinblick auf den internationalen Wettbewerb wäre es wünschenswert, dass deutsche Start-ups mehr Unterstützung durch Politik erfahren würden. Auch wenn schon einiges besser geworden ist, gibt es noch viel zu tun“, lässt sich Christian Saller, General Partner bei HV Holtzbrinck Ventures, in einer aktuellen Presseinformation zitieren.

Auf Wachstumskurs steuern viele junge Firmen auf einen Personalengpass zu: Jedes zweite Start-up meldet laut der Studie Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter zu finden. Angesichts des aktuell positiven wirtschaftlichen Klimas gebe es einen starken Wettbewerb um die besten Köpfe, so Investor Saller.

Als Bremse empfinden viele Start-ups laut der Umfrage auch die Themen Datenschutz, Urheber- und Steuerrecht. Die Vorgaben seien zu komplex und der Aufwand zu hoch, wie Saller erklärt: „Die kontinuierliche Prüfung und Erfüllung von gesetzlichen Vorgaben bedeutet für alle Unternehmen einen gewissen Mehraufwand. Für junge, kleinere Startups fällt dieser Aufwand aber mehr ins Gewicht, weil sich die nötigen Kapazitäten und die Expertise erst im Aufbau befinden.“

Insgesamt positive Stimmung

Abgesehen von der Situation auf dem Arbeitsmarkt sowie den politischen Rahmenbedingungen bewerten Gründer die allgemeine Lage positiv. So erreicht die Grundstimmung in den befragten Unternehmen aktuell einen Wert von 6,7 auf einer Skala bis zehn („sehr gut“). Als starke Antriebskraft nennen Gründer den einfachen Zugang zu Kapital. So beschreibt nur rund ein Viertel der befragten Start-ups den Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten als schwierig. Probleme treffen dabei vor allem die Gründungen in sehr frühen Phasen.

Äußern konnten sich die Befragten der aktuellen Studie zum Zugang zu Personal und Kapital, dem regulatorischen Umfeld sowie zum internationalen Wettbewerbsumfeld.