Mit wasserfestem Make-up begeisterte Jennifer Lapidakis bei „Die Höhle der Löwen“ Georg Kofler, doch er wollte mehr Unternehmensanteile. Sie lehnte ab – und bereut nichts.

Als die Mannheimer Gründerin Jennifer Lapidakis in „Die Höhle der Löwen“ kam, hatte sie ein Thema dabei, dass erst einmal für ein großes Fragezeichen bei den – an diesem Tag ausschließlich männlichen – Juroren sorgte: Es ging um Make-up, Lipgloss und Mascara – und darum, dass fast die Hälfte aller Frauen geschminkt zum Sport geht und darum Produkte benötigt, die wisch-, wasser- und schweißfest sind. Die auf diesem Gebiet wenig bewanderten Löwen („Mascara, was ist das?!“) lenkten darum ihre Aufmerksamkeit auch zunächst auf das Model, das die Produkte der Marke „Strong Fitness Cosmetics“ vorführte.

Als Jennifer Lapidakis jedoch ihre Zahlen präsentierte, wurde die Jury hellhörig. Sie lobten die Idee und den starken Auftritt der Gründerin, doch wegen der Firmenbewertung von fünf Millionen Euro zogen sich die Herren nach und nach zurück. Am Ende blieb Georg Kofler, der die Situation folgendermaßen kommentierte: „Sie sind ja total ausgeschlafen und daher wissen Sie, dass ich der perfekte Löwe für Sie bin.“ Während die Zuschauer auf das „Aber“ warteten, holte Kofler auch schon aus: „Sie sind ja ganz schön dreist“, meinte er, was aber eher nach einem Kompliment als nach einer Rüge klang. 500.000 Euro für zehn Prozent der Unternehmensanteile hielt er für überzogen und schlug stattdessen eine Änderung auf 25 Prozent vor – beim gleichen Investment, versteht sich.

Jennifer Lapidakis beriet sich mit ihrem Business Angel und machte ein Gegenangebot, auf das Georg Koffer jedoch nicht einging. Am Ende trennten sich beide – ohne Deal. Im Interview bereichtet die Gründerin, wie Sie die Sendung erlebt hat und wie es nach der Aufzeichnung weiterging.

Frau Lapidakis, hätten Sie Georg Kofler gerne an Bord gehabt?
Sicherlich, aber nicht zu seinen Bedingungen. Ich hatte mir vorher eine Grenze gesetzt und ich wusste, dass ich sie nicht überschreiten werde. Ich habe in den letzten Jahren einige Verhandlungen geführt und weiß daher um das Interesse von anderen Investoren – und ich weiß, was mein Unternehmen wert ist. Nur weil ich in einer Fernsehshow auftrete, lasse ich mich ja nicht plötzlich auf marktunübliche Preise ein.

Georg Kofler sagte nach Ihrem Auftritt im Gespräch mit den anderen Löwen, dass der Fitnessmarkt ein schwieriges Terrain sei…
Unsere Zahlen zeigen, dass man, wenn man ein neuartiges Produkt hat, sehr wohl große Erfolge haben kann. Wir hatten vergangenes Jahr einen Umsatz von 80.000 Euro und werden ihn dieses Jahr auf eine Million steigern.

Wie sind die Verhandlungen mit den Investoren weitergegangen, von denen Sie in der Sendung sprachen?
Die Finanzierungsrunde läuft noch, Mitte November werden wir sie schließen. Dann haben wir die 500.000 Euro zusammen, die ich auch in „Die Höhle der Löwen“ angestrebt habe.

Woher stammten die 250.000 Euro, die Sie bisher in das Unternehmen gesteckt haben?
Zum überwiegenden Teil handelt es sich um mein eigenes Geld, der andere Teil stammt es aus einer Finanzierungsrunde mit Business Angels, die ich Ende des vergangenen Jahres angeschlossen habe. Beteiligt sind unter anderem Eva Stark, Gründerin von Venture Ladies und Lea-Sophie Cramer, Gründerin von Amorelie, Julia Simmerer von der Kommunikationsagentur Glutamat und Jana Scharfschwerdt von der Berliner Start-up-Finanzberatung Somea. Sie halten 15 Prozent am Unternehmen. Wichtiger als das Geld ist aber etwas anderes, nämlich die Tatsache, dass sie meine Sparring-Partnerinnen sind: Ich kann sie jederzeit kontaktieren. Wir haben die Regelung getroffen, dass ich bei Fragen eine WhatsApp-Sprachnachricht schicke und innerhalb von 48 Stunden eine Rückmeldung bekomme.

Sie sind ausgebildete Mediengestalterin, haben lange Jahre im Medienunternehmen Ihrer Eltern gearbeitet und irgendwann eine eigene Firma ausgegründet, die sich auf Synchronisation spezialisiert hat. Wie kommt man mit solch einem Werdegang auf das Thema Kosmetik?
Tatsächlich hat mich das Thema schon von frühester Kindheit an interessiert. Eine meiner besten Freundinnen stammt aus einer Familie, die Naturkosmetik herstellt, als Kinder waren wir oft in der Fabrik, haben dort selbst mit Begeisterung Seifen gemacht. Dann habe ich es aus den Augen verloren, aber als ich die Idee zu Strong hatte, war die alte Leidenschaft wieder da.

Sie haben aber nicht in Ihrer Küche selbst experimentiert?
Nein, nein. Als ich nach einer Recherche herausgefunden hatte, dass es eine vergleichbare Marke wie Strong weltweit nicht gibt, habe ich mich sofort an ein Labor gewendet und dort konkret mitgeteilt, was ich haben möchte. Die Experten haben dann die ersten Versionen der Produkte für mich angemischt und ich bin mit ihnen an die Sporthochschule in Karlsruhe gegangen und habe Studentinnen gebeten, sie zu testen. Die Rückmeldungen habe ich an das Labor weitergegeben. Das ging so lange, bis alles perfekt war.

In der Show sagten Sie, dass es sich bei Ihrem Start-up bisher um eine One-Woman-Show handele…
Tatsächlich habe ich sehr lange alles alleine gemacht – von der Entwicklung der Idee, über Marketing und Vetrieb. Jeden Tag habe ich Pakete gepackt und bin anschließend mit ihnen zur Post gepilgert. Mittlerweile habe ich ein siebenköpfiges Team. Und ich suche nach einem Co-Gründer. Nach jemandem, der sich mit Leidenschaft in das Geschäft stürzt und mir dabei hilft, das Unternehmen großzuziehen und sich zusammen mit mir um die Entwicklung neuer Produkte und die Skalierung kümmert.

Wie geht es jetzt für Strong weiter?
Wir möchten europaweit durchstarten. Dafür streben wir für kommendes Jahr eine erneute Finanzierungsrunde an, die dann im Millionenbereich liegen soll – darum möchte ich einen Wagniskapitalgeber an Bord holen. Jetzt steht aber erst mal die Eröffnung eines eigenen Online-Shops in Frankreich an sowie eine Zusammenarbeit mit Zalando Beauty. Und wir sind ab heute bei Douglas gelistet, was natürlich ein toller Erfolg für uns ist.