Schon der Start des Buchungssystems zu Beginn des Jahres hat einige Nutzer vertrieben. Kostenlose Portale wie Fahrgemeinschaft.de, Mitfahren.de oder Bessermitfahren.de freuen sich über ungewohnten Zulauf. „Unsere Nutzerzahlen haben sich seit Januar verdoppelt“, sagt Sven Domroes von Fahrgemeinschaft.de. Im vergangenen Herbst besuchten täglich etwa 2000 Menschen die Seite, inzwischen sind es schon 5000. „Und wenn BlaBlaCar die Gebühren einführt, wird es nochmal deutlich mehr werden“, ist sich Domroes sicher.

Kommunikation nur über das Portal

BlaBlaCar geht allerdings geschickter vor als seine gescheiterten Vorgänger. Anstatt direkt Gebühren zu verlangen, werden die Nutzer zunächst an das neue Buchungssystem gewöhnt. Dort werden die Fahrer praktisch von ihren Mitfahrern abgeschirmt. Jede einzelne Anfrage wird zuerst von BlaBlaCar geprüft, bevor ein Fahrer sie lesen kann. Kontaktdaten wie Handynummern werden gelöscht; Kommunikation und Zahlung sind ausschließlich über das Portal möglich. Den Nutzern wird das Ganze als Vorteil verkauft. Die Mitfahrer bekommen mit dem neuen System zum Beispiel einen Versicherungsschutz, für Unfälle oder wenn sie ihren Geldbeutel im Auto des Fahrers vergessen. Die Fahrer haben weniger kurzfristigen Absagen, weil Kunden dann trotzdem die Hälfte das Fahrpreises bezahlen müssen.

Die Konkurrenz ist groß

Domroes geht dennoch davon aus, dass sich nicht alle die Umstellung gefallen lassen. „Vor allem erfahrene Nutzer, die wissen, dass es nach wie vor kostenlose, anonyme Alternativen gibt, werden sich neu orientieren“, sagt er. Domroes kennt sich aus im Markt. Bereits 1998 gründete er das Portal Mitfahrgelegenheit.de. 2012 stieg er aus, weil er nicht mit dem Einstieg der Daimler AG einverstanden war, und wechselte zu Fahrgemeinschaft.de. „Wer sich von Investoren abhängig macht, muss früher oder später Gebühren einführen, um Renditen zu erzielen. Der Grundgedanke des Teilens und eines sozialen Miteinanders geht so verloren.“

Auf Fahrgemeinschaft.de haben Nutzer zwar weniger Funktionen als bei BlaBlaCar. Zum Beispiel können sie Fahrern keine Bewertung schreiben. Dafür müssen sie sich aber auch nicht einloggen und können vor der Buchung persönlich Kontakt aufnehmen. Auch Domroes will mit seinem Portal weiter wachsen. Noch in diesem Jahr will er unter dem Namen „ride2go“ in andere Länder expandieren. Finanziert werden soll das aber nicht über Gebühren, sondern über Werbeeinnahmen und Kooperationen mit Firmen. Nutzer, die das Portal unterstützen wollen, können zudem einen Euro im Monat spenden und bekommen dafür zusätzliche Funktionen freigeschaltet – alles auf freiwilliger Basis.