In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Stipendien für Gründer: Einige sind bekannt, andere nicht. Eine Auswahl.

Von Johanna Küppers

Zum Gründen braucht es neben ein guten Idee, Leidenschaft und Ausdauer, vor allem eins: Kapital. Doch das ist nicht immer leicht zu bekommen. Damit aus guten, zukunftsfähigen Ideen Unternehmen werden können, sollte die Finanzierung vernünftig geplant sein. Neben Krediten oder Fonds bieten die verschiedenen Stipendien, die von Bund, den Ländern und Banken ausgegeben werden, eine Alternative. Für wen, welches Programm am besten passt und welche Bewerbungsfristen gelten, stellt WirtschaftsWoche Gründer auf den folgenden Seiten vor.

Technologiegründerstipendium Sachsen

Banken beteiligen sich ebenfalls an der Förderung junger Unternehmen. Die Sächsische Aufbaubank vergibt ein personengebundenes Stipendium, welches junge Unternehmen aus dem Technologiebereich fördert.

Wer kann sich bewerben? Hochschulabsolventen und Absolventen von Berufsakademien, wissenschaftliches Personal, Gründerteams, die nicht nur aus Studierenden bestehen. Der Haupt- oder Nebenwohnsitz muss sich im Freistaat Sachsen befinden. Das Unternehmen sollte sich mit der Entwicklung technischer Produkt- oder Prozessinnovationen beschäftigen.

Phase des Unternehmens? Vorgründungsphase.

Wie wird gefördert? Es werden nicht rückzahlbare Zuschüsse vergeben. Für Studierende 1.000 Euro pro Monat, Absolventen mit Hochschulabschluss beziehungsweise Abschluss einer Berufsakademie 2.500 Euro pro Monat und Promovierte Gründer 3.000 Euro pro Monat.

Dauer der Förderung? Maximal ein Jahr.

Bewerbungsfrist? Ein Antrag ist jederzeit möglich, muss aber vor Gründung des Unternehmens gestellt werden.

Gründungsoffensive Biotechnologie – GO-Bio

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert mit seiner Initiative GO-Bio gründungsbereite Forscherteams mit lebenswissenschaftlicher Ausrichtung. Neue Forschungsansätze in den Lebenswissenschaften und deren kommerzielle Verwertung sind Ziele der Förderung. So soll die Finanzierungslücke zwischen öffentlicher Forschung und privater Firmenfinanzierung geschlossen werden.

Wer kann sich bewerben? Das Programm ist für Gründungsvorhaben aus allen Bereichen der Lebenswissenschaften und angrenzenden Disziplinen offen. Bewerben können sich jüngere, in der Forschung bereits erfahrene Wissenschaftler, Personen mit mehrjähriger Erfahrung in Forschung und Entwicklung in Unternehmen oder Mediziner mit mehrjähriger Klinikerfahrung.

Phase des Unternehmen? Vorgründungsphase.

Wie wird gefördert? Den Stipendiaten wird die Möglichkeit geboten, in einer eigenen Arbeitsgruppe, Themen zu erarbeiten. Neben der Unternehmungsgründung liegt der Fokus auf dem Erwerb weiterer wissenschaftlich-technischer und unternehmerischer Kompetenzen. Die Finanzierung variiert: Im letzten Jahr standen den sieben Gewinnerteams rund 20 Millionen Euro zur Verfügung.

Dauer der Förderung? In der Vorgründungsphase über zweieinhalb bis vier Jahre und gegebenenfalls einer anschließenden Gründungsphase von maximal weiteren drei Jahren.

Bewerbungsfrist? 2016

Erasmus für Jungunternehmer

Neben dem Bund hat auch die Europäische Union ein Angebot für Gründer. Sie fördert den grenzüberschreitenden Austausch zwischen neuen und erfahrenden Unternehmern. 37 Länder nehmen an dem Projekt teil.

Wer kann sich bewerben? Neue Unternehmer, deren Unternehmen höchstens drei Jahre alt ist oder die fest vorhaben, ein Unternehmen zu gründen und einen entsprechenden Businessplan vorlegen können. Es können aber auch erfahrene Unternehmer teilnehmen, die schon ein kleines oder mittelgroßes Unternehmen gegründet haben.

Phase des Unternehmens? Frühe Phase bis maximal drei Jahre alt beziehungsweise ein bereits etabliertes Unternehmen.

Wie wird gefördert? Die neuen Unternehmer erhalten einen Einblick in ein bereits erfolgreiches Unternehmen. Wissens- und Geschäftsideen werden ausgetauscht. Die Reise- und Aufenthaltskosten werden von der Europäischen Kommission bezuschusst. Der Zuschuss wird monatlich ausgezahlt und orientiert sich an den Lebenserhaltungskosten des Gastlandes.

Dauer der Förderung? Ein bis sechs Monate

Bewerbungsfrist? Anträge können jederzeit gestellt werden.

Gründerwerkstatt Beuth Hochschule Berlin

Die Gründerwerkstatt der Beuth Hochschule in Berlin vergibt halbjährlich Stipendien an technologieorientiere Unternehmensgründungen. Die Gründerwerkstatt nennt sich selbst einen kreativen und professionellen Ort für Unternehmensgründungen.

Wer kann sich bewerben? Deutschlandweit können sich Hochschulabsolventen und Studierende bewerben, die kurz vor dem Abschluss stehen. Es sollte die Bereitschaft dazu bestehen, während des Stipendiums in Berlin zu wohnen sowie das Unternehmen dort zu gründen.

Phase des Unternehmens? Vorgründungsphase mit fertigem Businessplan

Wie wird gefördert? Monatlicher Zuschuss von 2.000 Euro und einen kostenlosen Arbeitsplatz, sowie materielle Unterstützung bei der Herstellung von Prototypen und Beratung durch Professoren und eine Seminarreihe.

Dauer der Förderung? 18 Monate lang

Bewerbungsfrist? Halbjährlich ausgeschrieben, Termine und Fristen für eine neue Bewerbungsrunde stehen zurzeit noch nicht fest.

EXIST-Gründerstipendium

Das bekannteste Förderprogramm für junge Unternehmer ist das „EXIST-Gründerstipendium“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Mithilfe von Fördermitteln aus dem Europäischen Sozialfond will der Bund die Gründungskultur in Deutschland anregen.

Wer kann sich bewerben? Antragsteller muss eine Hochschule oder eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung sein. Die Gründung sollte ein „innovativ technologieorientiertes Gründungsvorhaben im produzierten Gewerbe“ sein oder ein „innovative, wissensbasierte Dienstleistung, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen“ beruht.

Phase des Unternehmens? Vorgründungsphase.

Wie wird gefördert? Zur Sicherung des Lebensunterhalts bekommen Studierende monatlich 800 Euro, Absolventen eines Hochschulabschlusses monatlich 2.000 Euro und promovierende Gründer monatlich 2.500 Euro. Für vorhandene Kinder gibt es einen Zuschlag von 100 Euro pro Monat. Zudem werden bis zu 10.000 Euro für Sachausgaben und 5.000 Euro für Coaching als ergänzende Leistungen vergeben.

Dauer der Förderung? Maximal ein Jahr.

Bewerbungsfrist? Anträge können jederzeit gestellt werden.

Existenzgründerprogramm TIP – Mecklenburg-Vorpommern

Mit dem Programm „TIP- transparent, innovativ, passgenau“ hat das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern eine Ergänzung zu der Förderung des Bundes geschaffen. Das Existenzgründerprogramm verspricht dabei passgenaue ideelle und finanzielle Unterstützung.

Wer kann sich bewerben? Prinzipiell jeder. Gewünscht sind besonders Unternehmen, die Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt schaffen können.

Phase des Unternehmens? Von der Gründungsidee bis zu Expansionsphase.

Wie wird gefördert? Neben dem Mentorenprogramm gibt es Landesstipendien für technologieorientierte Gründungen. Es gibt 1.000 Euro pro Monat für Absolventen eines Hochschulstudiums und 1.200 Euro für Promovierte Gründer. Zudem gibt es einen Kinderzuschlag von 100 Euro pro Monat.

Dauer der Förderung? Maximal 18 Monate.

Bewerbungsfrist? Bewerbung können ab sofort eingereicht werden.

AV-Gründerzentrum

Das Mediengründerzentrum NRW ist der Ort für junge Gründer aus dem Medienbereich in Nordrhein-Westfalen. Es vergibt jährlich 14 Stipendien, um den Medienstandort weiter auszubauen.

Wer kann sich bewerben? Gründer, die in NRW gründen oder gründen wollen. Die Gründung darf maximal drei Jahre zurückliegen. Berufserfahrung oder ein abgeschlossenes Studium in einem mediennahen Studiengang sind Pflicht. Gefördert werden insbesondere Ideen aus den klassischen audiovisuellen Medien, den neuen Medien und Games.

Phase des Unternehmens? Vorgründung bis maximal drei Jahre alt.

Wie wird gefördert? Pro Stipendium wird eine Förderung von 10.000 Euro vergeben. Dazu kommt persönliches Coaching und ein wöchentliches Seminarprogramm.

Dauer der Förderung? Ein Jahr.

Bewerbungsfrist? Ende November des jeweiligen Jahres.

Bremer Förderprogramm für Unternehmensgründung – BRUT

In Kooperation mit der der Förderbank für Bremen und Bremerhaven ist es Ziel des Bremer Förderprogrammes BRUT, innovative Geschäftsideen in ein Konzept umzuwandeln und die Gründung sowie die Geschäftsaufnahme umzusetzen.

Wer kann sich bewerben? Ideenträger oder Gründer mit (Fach-) Hochschulabschluss oder aus dem Handwerksbereich in der Vorbereitungsphase ihrer Gründung.

Phase des Unternehmens? Vorgründung.

Wie wird gefördert? Es werden betriebswirtschaftliche Kompetenzen, Gründungscoaching, Networkingangebote, Büroräume und Werkstattplätze vermittelt sowie eine finanzielle Förderung als Hilfe zum Lebensunterhalt gewährleistet.

Dauer der Förderung? Ein Jahr.

Bewerbungsfrist? Die Bewerbung ist zweimal jährlich möglich. Im Frühjahr (Mitte Januar) und im Herbst (Mitte August).