Taxfix will mit zwei Millionen Anschubfinanzierung die Steuererklärung digitalisieren. In dem anspruchsvollen Feld tummeln sich bereits andere Start-ups.

Von Laura Waßermann

Die Dokumente tragen zwar Abkürzungen – kompliziert bleiben sie trotzdem für viele: „ESt 1 A“ oder „ESt 1 V“ heißen die grundsätzlichen Steuerformulare. Dazu kommen – je nach persönlicher Situation – Anlagen wie „S“ für Selbstständige Arbeit, „L“ für Land- und Forstwirtschaft oder „Kap“ für Kapitalvermögen. Einmal im Jahr arbeiten sich viele deutsche Steuerzahler durch das eigene Zettelchaos sowie komplizierte Formulare, um dem Finanzamt Ein- und Ausgaben vorzurechnen. Umfangreiche Softwarepakete von Lexware oder Buhl helfen dabei bereits seit Jahren.

Doch einige Start-ups treten an, die ungeliebte Bürokratie noch stärker zu vereinfachen – und setzen dabei voll auf Digitalisierung. „Unsere Vision ist es, Steuerzahlern die Steuererklärung zu vereinfachen und ihnen dabei zu helfen, spielerisch Steuern zurück zu holen“, sagt Mathis Büchi, Geschäftsführer und Co-Gründer der App Taxfix. Mit dieser Mission, einem interessanten Geschäftsmodell und einer soliden Kapitalspritze geht Taxfix heute offiziell an den Markt.

Im September 2016 gegründet, wollen Büchi und sein Mitgründer Lino Teuteberg „den Prozess der privaten Steuererklärung grundlegend verändern.“ Die finanziellen Mittel dafür haben sie vorerst: Die Investoren Redalpine und Creandum haben zwei Millionen Euro Risikokapital in das Berliner Start-up gesteckt. Dieses bietet mit dem insgesamt 20-köpfigen Team aus Steuerberatern, Juristen und Steuerexperten einen Algorithmus an, über den der Steuerzahler lediglich seinen Lohnsteuerbescheid einscannen sowie 70 Fragen beantworten muss. Den Rest will die App – die es erst einmal für Apple-Nutzer gibt – von Taxfix erledigen.

Es handelt sich also um eine Steuererklärung per Smartphone: Das klingt für den Verbraucher erst einmal ziemlich gut. Tatsächlich dürften sich viele Verbraucher in diesem Bereich über Unterstützung freuen: Fast jeder Zweite in Deutschland, der seine Steuererklärung macht, tut das aktuell in Eigenregie. Die Finanzämter selbst treiben dagegen die Digitalisierung voran: Über das Online-Finanzamt Elster und dessen App ElsterSmart haben 2017 bereits mehr als drei Millionen Menschen ihre Steuererklärung abgegeben.

Nächste Seite: Welche Klippen Steuer-Start-ups umschiffen müssen.

Die Verbraucher, die sich Jahr ein, Jahr aus wegen des Belegchaos die Haare raufen, dürfte dieser Trend freuen. Das haben andere Gründer längst erkannt. Ähnlich wie die Taxfix-Chefs hat Matthias Raisch, Gründer des Start-ups Pareton, schon 2014 eine Software für das Erledigen der Steuererklärung entwickelt. Taxbutler heißt seine App, mit der der Steuerzahler für einen Betrag ab 27 Euro digitale Hilfe bei der Steuererklärung erhält. Das junge Unternehmen erhielt kürzlich mediale Aufmerksamkeit, weil CDU-Finanzsekretär Jens Spahn 15.000 Euro in die Stuttgarter Firma investiert hatte. Nach heftiger Kritik, auch weil Spahn innerhalb seiner politischen Aufgaben für genau solche Fintech-Unternehmen zuständig ist, kündigte er an, die Anteile von 1,25 Prozent abstoßen zu wollen. Anfangs hatte er seine Beteiligung noch als „pfiffige Idee“ bezeichnet.

Jedoch war das nicht das erste Mal, das sich Pareton-Gründer Raisch Kritik einhandelte. Bereits ein Jahr nach der Gründung untersagte das Finanzamt ihm das Erstellen von Steuererklärungen, wie „Spiegel Online“ Anfang September meldete. Der Hintergrund: Nur Steuerberater sowie Wirtschafts- und Buchprüfer dürfen das Vorgehen der Steuererklärung vollständig übernehmen. Vorher hatte Raisch angegeben, dies mithilfe eines Mitarbeiters tun zu wollen. Heute kümmert er sich, wie er im Gespräch mit WiWo Gründer erzählt, nur noch um die formale Fehlerkorrektur der Texterkennung, mit der die App funktioniert. Nach eigenen Angaben hat die App aktuell etwa 1000 Nutzer.

Nicht nur Raisch oder Mathis Büchi haben sich rund um die Mühen der Steuererklärung positioniert. Die App Scanbot ist mit rund 1,5 Millionen aktiven Nutzern kein spezielles Steuerhilfe-Angebot, hilft aber als App beim Scannen von Belegen. Hinter Lohi-Connect steckt der Bayrische Lohnsteuerhilfeverein – mit der App kann man nach eigenen Angaben die Unterlagen digitalisieren und rechtssicher an den Berater übertragen.

Nächste Seite: Das Start-up profitiert nur im Erfolgsfall.

Auch die Historie von Taxbutler zeigt, dass die Steuerbranche kein leichtes Terrain für Start-ups ist. Deshalb haben sich Gründer von Taxfix für die Zusammenarbeit mit den Finanzämtern nach eigenen Angaben abgesichert: „Taxfix ist ein offiziell registrierter Softwarehersteller bei den Finanzbehörden, um Steuererklärungen über die Elster-Schnittstelle zu übermitteln.“ Die Zusammenarbeit mit den Finanzbehörden fokussiere sich dabei hauptsächlich auf den Austausch über technische Fragen.

Das Geschäftsmodell ist hingegen recht simpel. Ab einer Steuerrückzahlung von mindestens 50 Euro behält von Taxfix pauschal 34,99 Euro. In Folge dessen lohnt sich die Nutzung von Taxfix finanziell erst ab einem höheren Steuerrückzahlungsbetrag oder bei einem sehr niedrigen – aber immer, um sich den Papierkram namens „ESt 1 A“ oder „Anlage S“ zu ersparen.