Spontan kommen? Fehlanzeige. Etwa das Bürgeramt im Stadtteil Prenzlauer Berg verweist im Internet darauf, dass Besucher zu den Öffnungszeiten „nur mit Termin“ erscheinen sollen. Zu bekommen ist so schnell aber keiner: Wer für den Sommerurlaub noch einen Reisepass beantragen muss, findet dort in der Auflistung bis Oktober keine Optionen. Weiter reicht die Zeitleiste nicht.

Dass die Schlangen in den Berliner Bürgerämtern länger sind als im Sommer auf der Autobahn, hat verschiedene Gründe: Einer ist der Zustrom von Menschen aus aller Welt. Die Zahl der Zuzüge steigt nach Erhebungen des zuständigen Amts für Statistik seit Jahren. Nach jüngsten Daten aus dem Jahr 2013 zogen fast 170 000 Menschen neu in die Stadt. Rechnet man die Fortzüge hinaus, sind das immer noch knapp 42 000 Neu-Berliner. Eigentlich müssen sie sich innerhalb von zwei Wochen anmelden – sonst droht ein Bußgeld.

Am Personal wird aber gespart: Die Zahl der Vollzeitstellen in den Bürgerämtern ging bereits in den vergangenen Jahren in nahezu allen Bezirken zurück, wie aus einer Antwort der Senatsverwaltung auf eine SPD-Anfrage hervorgeht. Im vergangenen Jahr wurden wegen der langen Wartezeiten 31 zusätzliche Vollzeitstellen bewilligt – zunächst aber auf zwei Jahre befristet.

Ein „Spaßprojekt“, das eine Service-Leistung verkauft

Zum Vergleich: Im kleineren München genehmigte der Stadtrat gerade 70 neue Stellen für die Bürgerbüros. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“, die die langen Wartezeiten in Berlin ebenfalls beobachtet hat.

Also doch höchste Zeit für eine neue Technik zur Terminvergabe? Gemeldet habe sich der Berliner Senat wegen einer Zusammenarbeit noch nicht, sagt Kamphuis. „Im Gegenteil.“ Ebenso wie seine Mitstreiter arbeitet er hauptberuflich in einem Start-up. Haupteinnahmequelle sei die Terminbörse daher mitnichten. „Das ist ein Spaßprojekt.“

Dass dadurch vor allem Menschen zum Zuge kommen, die es sich leisten können, sehen die Macher nicht so kritisch. „Wir verkaufen keine Termine“, betont Kamphuis. „Wir verkaufen die Service-Leistung.“ Wenn es ums Geld geht, können sich die Nutzer ohnehin plötzlich gedulden: Nur einer von vier wählt die teurere und schnellere Variante.

dpa