Die Düsseldorfer Gründer wollen jungen Firmen den Zugang zu Kapital erleichtern – und werben nun mit sogenannten Security Token um Anleger.

Bis zu 50 Millionen Euro will das Düsseldorfer Fintech Startmark in den kommenden Jahren in Start-ups investieren. Beteiligungen an 15 bis 25 jungen Firmen aus Deutschland planen die Gründer Ralf Heine (re. im Bild) und Frank Schmidt – wenn sie genügend Investoren für ihre digitalen Wertpapiere auf Blockchain-Basis gewinnen können. „Viele Start-ups bleiben ganz am Anfang ihres Weges stehen, weil die Finanzierung für sie problematisch ist. Das wollen wir mit dieser Art des Crowdinvestings lösen“, sagte Startmark-Geschäftsführer Heine im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat das Wertpapierprospekt nun abgesegnet – und damit den offiziellen Start des 2018 gegründeten Fintechs am Markt ermöglicht, wie Ende vergangener Woche bekannt wurde. Ab August können Anleger über die von Startmark angebotenen sogenannten Security Token in junge Firmen investieren. Ab einem Mindestbetrag von 100 Euro erwerben Investoren virtuelle Wertpapiere – mit dem eingesammelten Kapital beteiligt sich Startmark dann an mehreren Start-ups. Im Fokus steht dabei zunächst die Unterstützung in frühen Phasen. Über 90 Prozent des Geldes der Anleger sollen dabei investiert werden, aus der Differenz will sich Startmark selbst finanzieren.

Erste Deals im Blick

Das Portfolio stellen die Gründer derzeit zusammen, konkrete Gespräche laufen mit drei jungen Firmen aus der Lebensmittel- und Konsumgüterbranche sowie der Logistik. „Wir sehen uns als modernes Crowdinvesting-Angebot – aber nicht für Einzelinvestments, sondern einen Pool an Start-ups. Wir schütten den Großteil unseres Investmenterfolgs aus, ähnlich wie geschlossene Fonds“, so Heine, der Startmark 2018 zusammen mit neun Unternehmern und Business Angels gegründet hat.

Durch den Portfolio-Ansatz verspricht das Fintech ein geringeres Investmentrisiko im Vergleich zum Crowdfunding, bei dem Anleger einzelne Projekte unterstützen und damit ihr eingesetztes Kapital stärker bündeln. Aus dem Crowdfunding-Markt für Kleinanleger, bei dem teils hohe Verluste drohen, ziehen sich Unternehmen wie der Berliner Anbieter Companisto inzwischen zurück.

Mit dem sogenannten Security Token Offering (STO) will sich Startmark zudem vom häufig kritisierten Krypto-Markt abgrenzen. In den vergangenen Jahren haben Investoren bei sogenannten Initial Coin Offerings (ICOs) viel Geld verloren – dahinter steckt eine unregulierte Methode, über virtuelle Währungen Kapital aufzunehmen. Im Gegensatz zu den im Wert stark schwankenden Krypto-Währungen bilden Security Token Ansprüche auf Zinszahlungen oder Vermögen ab.

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Konkret bringt Startmark Anleihen auf den Markt mit einer Laufzeit von 15 Jahren. „Wir haben uns für das Modell der Schuldverschreibungen entschieden, weil es regulatorisch der einfachere Weg war. Damit hatte sich die Bafin schon beschäftigt“, so Geschäftsführer Heine, der selbst als Business Angel in Start-ups investiert. Hauptmotivation für die Bewerbung um eine Bafin-Lizenz sei gewesen, den Anlegern Rechtssicherheit zu bieten.

Eine Hürde für Anleger ist aber noch nicht beseitigt: Voraussetzung für ein Investment über Startmark ist derzeit eine Krypto-Geldbörse, ein sogenanntes Wallet. Anleger müssen demnach einen Umweg gehen und Euro zunächst in virtuelle Währung umtauschen, was Wechselkursrisiken birgt. Auszahlungen der Gewinnansprüche und Rückzahlung der tokenbasierten Schuldverschreibungen erfolgen während der Laufzeit laut Wertpapierprospekt ausschließlich in der Krypto-Währung Ether. Ab dem Sommer kommenden Jahres rechnet Startmark damit, dass die Anleihen über Börsenplätze handelbar werden – damit könnten Anleger vor Ende der Laufzeit jederzeit verkaufen und damit aus dem Kreis der Investoren aussteigen.

Suche nach Kooperationen

Damit die Token künftig auch mit Euro gekauft werden können, sucht das Fintech derzeit nach Partnerschaften mit Zahlungsdienstleistern. „Die Bafin-Lizenz ermöglicht uns überhaupt erst, Kooperationen mit Zahlungsdienstleistern aufzubauen. Denn die Rechtsabteilungen nehmen nur unter dieser Voraussetzung Gespräche auf“, sagt Heine. „Alle sind noch verschreckt, weil sich mit dem Finanzierungsmodell der sogenannten ICOs so viele die Finger verbrannt haben.“

Auf der Suche nach erfolgreichen Start-up-Deals richtet Startmark den Blick auf den Heimatmarkt: „Wir wollen eine Finanzierungsmöglichkeit bereitstellen, die sich anfangs nur an Start-ups aus Deutschland richtet. Allein im Ruhrgebiet sehen wir bereits enormes Potenzial“, sagt der Geschäftsführer. Hintergrund sei, dass die Unternehmen für die Analysten von Startmark erreichbar sein müssten. Denn strategisch positioniert sich das Düsseldorfer Fintech als Wagniskapitalgeber mit Coaching-Anspruch, wie Heine betont: „Als Investoren wollen wir die Start-ups nicht nur für einen gewissen Zeitraum überfliegen, sondern tiefer einsteigen. Egal, wie ausführlich wir die Deals auswählen, die Gründer danach inhaltlich zu begleiten, halten wir immer für erfolgsentscheidend.“

Vorreiter auf dem Gebiet der STOs ist das Berliner Start-up Bitbond, das im März die erste deutsche Anleihe in der Blockchain ausgab.