Wo sollte die Politik nach der Rückkehr aus dem Urlaub daher vor allem ansetzen? Auf jeden Fall muss dringend das Thema Finanzierung in der Wachstumsphase, etwa zur internationalen Expansion, angegangen werden. Der nun schon seit langem versprochene staatliche Dachfonds muss dazu endlich eingerichtet werden.

Ein Dauerärgernis für Gründer, bei dem die Politik sofort etwas tun könnte, sind die Regeln für die öffentliche Auftragsvergabe. Bislang werden Start-ups hier stark behindert oder ausgeschlossen, etwa weil sie die verlangten Bilanzen der Vorjahre oder Referenzen nicht vorweisen können.

Raum für Experimente öffnen

Und drittens sollte die Politik Experimentierräume für Innovationen schaffen – aber es nicht dabei bewenden lassen. Denn eine dauerhafte Wirkung entfalten diese Experimentierräume nur, wenn aus den dort gesammelten Erfahrungen heraus auch parallel die Gesetzgebung angepasst wird. Ansonsten ist es eine hübsche Spielwiese, doch die Innovationen und Geschäftsmodelle verpuffen (bzw. werden ins Ausland verlagert), sobald der Testzeitraum um ist.

Und schließlich müssen wir beim Thema Start-up-Nation viel stärker als bisher den Bildungsbereich mitdenken. Wer eine Gründerkultur schaffen will, muss damit schon in der Schule anfangen und darf auch in den Hochschulen noch längst nicht aufhören. Dabei dürfen aber die Lehrer nicht alleine gelassen werden. Deshalb sollte insbesondere der Einsatz von Start-up-Gründern und Experten aus der Praxis eine wichtige Rolle spielen.

Die deutsche Start-up-Szene hat (noch) einen guten Ruf

Bleibt es nicht bei Ankündigungen und Worten, steigt mit Sicherheit auch noch eine weitere Zahl: Aktuell sagen vier von zehn Start-ups, dass die deutsche Start-up-Szene international einen hervorragenden Ruf habe. Mit den richtigen Maßnahmen und noch mehr international erfolgreichen Start-ups könnte sich dieses positive Bild noch verstärken lassen. Das Gute ist: Die Politik kann schon in wenigen Wochen ausgeruht und erholt damit anfangen. Ich bin gespannt.