Wir stellen drei Start-ups vor, bei denen die Individualisierung im Fokus steht:

E-Roller unu

Elias Atahi und Pascal Blum sahen im Auslandssemester die Zukunft unserer Städte: Verstopfte Straßen durch jede Menge Verkehr. Als sie sich dann in Peking auf einen E-Roller setzten, merkten sie, dass sie einen ganz anderen Zugang zur Stadt bekamen. Sie entwickelten daher einen personalisierbaren E-Roller, der in der Basisvariante 1.699 Euro kostet und seit kurzem auch finanziert werden kann. Sie stellten fest, dass ihrer Zielgruppe Individualisierung sehr wichtig ist. Daher wollen sie ihren Kunden die Möglichkeit geben, so ihre Persönlichkeit auszudrücken. Die Reichweite wird mit 50 Kilometern bei einem bzw. 100 Milometern bei zwei Akkus angegeben. Der Akku kann an jeder Steckdose aufgeladen werden. Die Lieferung erfolgt samt Nummernschild in einer großen Box, sodass man am gleichen Tag noch losfahren kann. Als große Partner übernimmt Bosch die Wartung der Roller. Der Elektroroller wird aktuell per Auftragsfertigung in Asien montiert.

In den letzten Wochen konnte sich das Unternehmen nicht über zu wenig Arbeit beklagen. So zogen sie von München nach Berlin und sind Teil von Factory Berlin, einer der wichtigsten Start-up Zentren, das u.a. von Google finanziert wird. Ein wichtiger Grund für den Ortswechsel sei laut Co-Gründer Atahi auch das facettenreichere Stadtleben Berlins, das in der aktuellen Phase besser zum Unternehmen und Produkt passe. Das Start-up ist aktuell auf Wachstumskurs und so vergrößerte sich das Team von 8 auf 15 Personen. Aktuell ist unu in 25 Städten aktiv, bis zum Ende des Jahres wollen sie in über 200 Städten mit Ansprechpartnern vor Ort sein. Und sie haben noch größere Pläne: So wollen sie auch international expandieren. Parallel dazu wird der Roller weiterentwickelt. Die Finanzierung geschah in mehreren Phasen. Aktuell läuft in einer 4. Runde eine Brückenfinanzierung über eine siebenstellige Summe.

KreativRad
Wer aus eigener Kraft ans Ziel kommen möchte, für den ist KreativRad aus Lüneburg die richtige Wahl. Der Kunde kann von der Lieblingsfarbe, über verschiedenste Griffe, Sattel, Lenkerformen, Schaltungen bis hin zur individuellen Beschriftung des Rahmens selbst wählen. KreativRad entwickelte eine so einfache Online-Navigation, einschließlich der Körpermaß-Abfrage und genauen Anpassung, dass das Unternehmen heute auf Ihrer Homepage eine Garantie ausspricht, dass das selbst zusammengestellte Lieblingsrad passt. Weiter arbeitet das Start-up an Kooperationen mit Händlern um das Modell auch Offline „Shop-in-Shop“ anzubieten.

Das junge Unternehmen versteht sich bewusst als Fahrradmanufaktur, dass mit viel Hingabe auf Qualität und Sicherheit achtet. In dieser Nische fühlen sich die Gründer mit etwa 500 verkauften Rädern pro Jahr wohl. „Denn Fahrräder sind im Massenmarkt ein reines Importgeschäft. Fast alles wird in Asien produziert“, erklärt Mitgründer und jetziger Inhaber Christoph Florin. Für die Qualität und das Konzept nahe am Kunden, spricht laut Christoph Florin, dass es seit der Gründung nur eine Reklamation gab.

Angelcab – ökologische Kinderwagen

Luis und Vinzent Karger, zwei Brüder in den frühen Zwanzigern gründen ein Start-up, das individualisierbare Kinderwagen verkauft. Gänzlich branchenfremd sind die Studenten nicht. Ihre Mutter besitzt seit über 30 Jahren ein Kindergeschäft in der Nürnberger Innenstadt. Die Brüder fragten sich, warum es keine schadstofffreien Kinderwagen gibt, die gleichzeitig gut aussehen. Von der Idee bis zum marktreifen Produkt Anfang 2014 vergingen vier Jahren.  Herausgekommen sind ökologische Kinderwagen in verschiedenen Designlinien. „Besonders ist der Rattankorb, der in vier Stunden Handarbeit von einem Korbflechter hergestellt wird“, erklärt Luis Karger. Der Großteil der Wertschöpfung erfolgt in Deutschland, die Zulieferer befinden sich im Umkreis von 80km in Mittelfranken. Die Lieferzeit beträgt etwa acht Wochen, da die Aufträge zuvor gesammelt werden. Hintergrund ist der individuelle Druck, da die Druckereien erst ab einer Mindestmenge ihre Maschinen anschmeißen.

Die Jungunternehmer kooperieren beim Vertrieb mit Einzelhändlern über ein PLZ-Provisionssystem. Der Händler stellt sein Schaufenster und seine Beratung zur Verfügung. Kauft ein Kunde aus seinem PLZ dann einen Kinderwagen über die Internetseite, so erhält er eine Provision. Selbst dann, wenn der Kunde gar nicht am Landen vorbeigekommen ist.