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Julia Bösch von Outfittery (Foto: Sebastian Donath)

Outfittery: „Berlin ist selbst als Stadt ein Start-up“

Das Berliner Start-up Outfittery bietet Männern die Möglichkeit, direkt vom Stylisten eine Auswahl an Kleidung zu erhalten. Die Gründerinnen Anna Alex und Julia Bösch haben mit ihrer Idee Anfang des Jahres den schwedischen Investor Northzone überzeugen können.

Die britische Ausgabe des Magazins „Wired“ hat Ihr Unternehmen unter die 100 heißesten europäischen Start-ups gewählt. Was macht Outfittery eigentlich so heiß?
Unser Geschäftsmodell, Curated Shopping, wird den Handel von morgen nachhaltig verändern und ist der nächste Schritt in der Evolution des Handels – das an sich ist einfach ein sehr „heißes“ Thema. Zuerst kam das klassische Online-Shoppen nach Katalog-Prinzip. Das gesamte Sortiment an Mode wurde online verfügbar gemacht und die Auswahl vergrößert. Doch damit stand der Kunde vor der Qual der Wahl: Welche der 10.000 Hosen ist die richtige für mich? Viele Kunden sind mit der Auswahl überfordert. Es ist zudem sehr zeitintensiv, sich durch hunderte Artikel zu klicken, ohne zu wissen, welcher davon der richtige ist.

Genau hier setzt Outfittery an: Wir verbinden die Offline- und Online-Welt, nämlich die persönliche Beratung aus dem stationären Handel mit der Convenience des Online-Shoppens. Unsere Kunden finden das „hot“, sind echte Fans anstatt nur Kunden! Dazu kommt eine Kombination aus einem tollen Team, was mittlerweile über 200 Leute umfasst und ohne die wir heute nicht auf so einer „Top 100“ Liste stünden, unserem Kreis an Investoren, die uns super unterstützen, und natürlich unsere Begeisterung für Männer und Männermode per se. Alles in allem, ein heißes Paket!

Nicht zum ersten Mal konzentriert sich ein Ranking ausschließlich auf die Start-up-Szene in der Hauptstadt. Was schätzen Sie an Berlin als Standort? Warum haben Sie sich für die Hauptstadt entschieden?
Berlin ist selbst als Stadt ein Start-up – ein riesengroßer Abenteuerspielplatz, auf dem sich sehr viel tut. Die Stadt bietet die richtige Mischung aus Netzwerk und Kontakten, Kreativität, Inspiration und natürlich auch Kosten. Gerade im Vergleich mit anderen Start-up-Metropolen, wie zum Beispiel London, ist Berlin sehr günstig, insbesondere bei den Mieten. Die Start-up-Szene hier zieht außerdem internationales Talent an, darunter auch viele Kreative. Das ist super für Start-ups wie uns, die von Berlin aus für verschiedene Länder gleichzeitig arbeiten und stets nach neuen tollen internationalen Kollegen suchen.

Auch wenn Berlin im Vergleich zu Metropolen wie London aufholt, bleibt Finanzierung ein schwieriges Thema. „Wenn die großen Checks geschrieben werden, dann in 99,9 Prozent der Fälle an nicht-deutsche Start-ups“, heißt es in der „Wired“. Würden Sie diesen Satz unterschreiben?
Nein, das sehe ich anders. Ich sehe mittlerweile sehr grosses Interesse, auch von amerikanischen Investoren in Berlin. Auch bei uns sind mit Highland (USA) und Northzone (Skandinavien) internationale Investoren an Board. Berlin hat inzwischen das größte Wachstum und ist NYC, Tel Aviv und London eng auf den Fersen!

Was planen Sie für die Zukunft? Oder um es mit den Worten der „Wired“ zu fragen: Was wird Ihr Start-up in Zukunft noch heißer machen?
Wir möchten alle Männer in Europa einkleiden, das ist das klare Ziel. Um das zu erreichen, arbeiten wir an verschiedenen tollen Projekten. Erst vergangene Woche haben wir zum Beispiel für unsere Kunden eine Styleberatung via WhatsApp gelauncht. Und so viel kann ich verraten: Es bleibt spannend!