Einige Deutsche gründen lieber im Ausland. David Becker und Daniel Dessauges entwickelten den Online-Service Zkipster und vereinfachen damit das
Einladen von Gästen.

Von Svenja Bebenek und Martin Seiwert

David Becker, 34, und Daniel Dessauges, 29, verbindet nicht nur eine zehnjährige Freundschaft, sondern auch die Leidenschaft, Partys zu veranstalten. Früher planten die beiden Studentenfeten in Zürich. Mit steigendem Erfolg war der Verzicht auf Gästelisten undenkbar: „Es gab ein riesiges Chaos an der Tür, Papiergästelisten mit über 1000 Namen sorgten ständig für Probleme“, sagt Becker. Mit dem Ziel, lange Warteschlangen zu vermeiden, entwickelten die beiden Eventveranstalter vor fünf Jahren den Online-Service Zkipster.

Die App wickelt das Einladen von Gästen, das Management der Gästelisten und die Zulasskontrolle bei Premierenfeiern, Partys, Galas und Konferenzen elektronisch ab. Statt fehlerhaften und unübersichtlichen Papiergästelisten haben Zkipster-Kunden die Gästenamen auf Tablet-PCs und können auf den ständig aktualisierten Listen sehen, welche Gäste schon da sind und welche nicht. „Schnell wurde uns bewusst“, sagt Becker, „dass wir mit Zkipster die Probleme vieler Clubs beheben können“.

Becker und Dessauges begannen den Service zu vermarkten und konnten den damals angesehensten Club der Schweiz, das „Kaufleuten“ in Zürich, als Kunden gewinnen. Doch der ganz große Durchbruch blieb zunächst aus. „Wir dachten, den Service als App online zu stellen würde reichen, aber das alleine macht dich noch nicht zum App-Millionär“, sagt Becker rückblickend. Eineinhalb Jahre plätscherte Zkipster vor sich hin. Dann kamen die beiden Gründer zum Schluss, dass die Schweiz wohl nicht der beste Markt sei: „Wir waren ohnehin oft in New York und überlegten uns, dass wir die App einfach mal hier vorstellen könnten“, erzählt Becker. „Mein Cousin, der gut vernetzt ist im New Yorker Nachtleben und eine Vielzahl von Restaurants betreibt, meinte, so etwas wie Zkipster gebe es hier noch nicht und war von der Idee begeistert“.

In New York gab es zwar viel Interesse, Neukunden aber blieben zunächst aus. Die Gründer beschlossen, sich auf Agenturen und Marketingdienstleister zu fokussieren und am Produkt zu arbeiten. Mit dem ersten großen Kunden, einer renommierten New Yorker Werbeagentur, öffneten sich für Zkipster die Türen der Luxuswelt: Alsbald nutzten Armani, Hugo Boss und das Whitney Museum of American Art die App für ihre Veranstaltungen.

Wie überzeugten die Gründer ihre anspruchsvollen Kunden? Becker: „Du musst schnell sein, du musst es auf den Punkt bringen, dich auf die Qualitäten konzentrieren, die du hast und authentisch sein. Amerikaner sind offen, wenn die Innovation stimmt, sie sind aber auch ängstlich. Alles ist hier viel kurzlebiger.“

Nach den Erfolgen in New York stellte sich die Frage, ob das Geschäft weiterhin von der Schweiz betrieben werden sollte. Das Pendeln zwischen Zürich und New York wurde zur Belastung. Becker und Dessauges mieten die billigsten Büros in New York, die sie finden konnten – ohne Klimaanlage und mit nervend langsamen Internetverbindung: „Dort haben wir einfach gearbeitet, zwölf Stunden am Tag sechs Tage die Woche.“ Mit einer weiterentwickelten App konnte Becker 2013 schließlich die Zürcher Kantonalbank als Investor gewinnen. „Seitdem“, erzählt er, „können wir mehr in unser Produkt investieren und freier arbeiten, das gibt eine gewisse Ruhe“.

Noch schreibt das Start-Up keine schwarzen Zahlen, was sich allerdings – so hoffen die Gründer – bereits nächstes Jahr ändern könnte. Seit der Gründung hat das Unternehmen rund 15.000 Events und zwei Millionen Check-Ins abgewickelt. Zkipster hat Kunden in 60 Ländern. Deutschland ist der fünftgrößte Markt für Zkipster und kommt derzeit auf mehrere 10.000 Check-Ins pro Jahr. Die meisten Kunden befinden sich allerdings in den USA, gefolgt von Großbritannien. Neben dem Grundprodukt bietet Zkipster noch zusätzliche Funktionen wie das zFace, das Bilder von Personen sucht und diese direkt in Gästelisten überträgt. Mit solchen zusätzlichen Features können höhere Umsätze generiert und weitere Märkte erschlossen werden. Zkipster hat derzeit acht feste Mitarbeiter und wächst ständig. Außerdem arbeiten bis zu 14 freie Mitarbeiter für das Startup.

Vor zu großer Konkurrenz muss sich Zkipster nicht fürchten: Es gebe nur drei Unternehmen weltweit, die einen ähnlichen Service anbieten, sagen die Gründer. Zkipster jedoch scheint einen guten Vorsprung zu haben. Neben New York und Zürich hat das Startup schon Ableger in London, Sao Paulo und Hong Kong. „Wir haben Leute auf der ganzen Welt positioniert, die das gleiche machen, wie wir in New York“, sagt Becker. „Klinken putzen“.