Einige Deutsche gründen lieber im Ausland. 2009 hat Fabian Kaempfer ein erprobtes Geschäftsmodell in die USA exportiert: Schokolade zum Selbstkreieren – mit Chocomize.

Von Svenja Bebenek und Martin Seiwert

Häufig kopieren europäische Gründer Geschäftsideen aus den USA. Bei Chocomize war es anders herum – Fabian Kaempfer gründete 2009 das Unternehmen, um ein in Europa erprobtes Geschäftsmodell in die USA zu exportieren. Chocomize bietet die Möglichkeit, Schokolade nach eigenen Vorlieben zu kreieren. Aus drei Sorten belgischer Fairtrade-Schokolade (weiße Schokolade, Vollmilch- oder Zartbitterschokolade) und über einhundert weiteren Zutaten wie Nüssen, Trockenfrüchten oder Gebäck können die Kunden im Internet ihre individuelle Lieblingsschokolade zusammenstellen.

Die Wunschschokolade wird im New Yorker Firmensitz produziert und von dort an die Kunden verschickt. Rund 90.000 Dollar steckten Kaempfer und die beiden Mitgründer Nick Lacava und Eric Heinbockel – ehemalige Kommilitonen Kaempfers – in die Gründung der Firma. Seit 2012 ist Kaempfer alleiniger Geschäftsführer, außerdem gibt es drei stille Teilhaber. Leicht war der Start nicht, erinnert sich Kaempfer. Um die erste Schokoladenmaschine zu kaufen, musste er sein Auto verkaufen.

Doch er merkte schnell, dass er auf dem richtigen Weg war. Das Angebot kam gut an und die Investitionen blieben niedrig, weil Chocomize nur auf Bestellung produziert. Schnell war das Unternehmen operativ in den schwarzen Zahlen.

Heute gehen bei Chocomize rund 30.000 Privatbestellungen pro Jahr ein. Je nach Saison arbeiten zwischen dreizehn und dreißig Mitarbeiter in der Produktion. Zum Verkauf über das Internet kommt neuerdings der Absatz in Supermärkten.
Bald schon sollen 500 Supermärkte in allen US-Bundesstaaten Chocomize Schokolade für rund sechs Dollar pro Tafel im Sortiment haben. Diese Schokolade ist zwar nicht individuell nach Kundenwünschen zusammengestellt, aber trotzdem fließt der Geschmack der Kunden in die Fertigung ein. Denn durch zehntausende Privatbestellungen weiß Chocomize, welche Mischungen bei den Kunden gut ankommen und kann diese in den Supermärkten anbieten.

Fünf Jahre nach der Firmengründung steht für Kaempfer steht fest, dass im amerikanischen Markt noch reichlich Luft für seine hochwertigen, originellen Schokoladensorten ist: „Die Amerikaner lernen erst jetzt, was gute Schokolade ist“, sagt der Firmenchef. „In Europa ist man verwöhnter, denn die Auswahl von Schweizer, deutscher und belgischer Schokolade viel größer.“

Kaempfer dürfte bei der Vermarktung helfen, dass inzwischen auch Amerikas Stars ihre Liebe zu Chocomize entdeckt haben und die Werbetrommel für das Startup rühren. So schwärmten etwa der Hollywood-Star Tori Spelling und die Sängerin Christina Perri öffentlich von der Schokolade. Der Rocksänger Tommy Lee hat dafür gesorgt, dass sie in Trump Hotels in der Minibar zu finden ist. Die einflussreiche Fernsehmoderatorin Oprah Winfrey hat sogar vor laufender Kamera Chocomize verzehrt – nach US-Maßstab ein Ritterschlag für das Produkt.

Um den Onlinevertrieb weiter auszubauen, plant Kaempfer nun etliche Partnerschaften mit Internet-Dienstleistern. Zurzeit gibt es Kooperationen mit großen Namen wie Facebook und Amazon, aber auch mit Zazzle, einer von drei großen Plattformen für Produkte, die individuell nach Kundenwünschen hergestellt werden.