Alle wollen neue Ideen, wenige wollen sich öffnen: Eine Studie zeigt, dass sich Start-ups immer noch schwer tun, von Großunternehmen als Innovationstreiber akzeptiert zu werden.

Eine Übernahme hier, ein aufgestockter Fonds da: Konzerne haben Start-ups deutlich enger im Blick als früher, wie aktuelle Nachrichten aus der deutschen Digitalwelt zeigen. Und doch sind die jungen Firmen bei Kooperationen oder Ko-Kreationen für viele Großunternehmen noch nicht die erste Wahl. Das zeigt der „Innovationsreport 2019″ der Beratungsgesellschaft Deloitte, der kürzlich veröffentlicht wurde. Für den Bericht befragte die Unternehmensberatung Vertreter von 760 Firmen aus 16 europäischen Ländern (hier geht es zum PDF in englischer Sprache).

Die kritische Bilanz der Berater: „Die europäischen Unternehmen haben das Potenzial von Ökosystemen für Innovation noch nicht verstanden, geschweige denn umgesetzt“, sagt Nicolai Andersen, Leiter des Bereichs Innovation bei Deloitte. Dabei dürften sich viele Start-ups intensiv um eine Zusammenarbeit bemühen: Ein Entwicklungs- oder Liefervertrag mit einem Konzern bringt sichere Umsätze, ein deutliches Feedback und erhöht das Vertrauen von anderen Kunden.

Start-ups sind nicht der erste Innovationsbringer für Konzerne

Doch für die etablierten Konzerne laufen Start-ups als Inspirationsquelle für Innovationen nur unter ferner liefen, zeigt die Studie. Die Firmen setzen vor allem auf den Austausch mit Experten aus der eigenen Industrie (45 Prozent), mit Vertretern anderer Branche (41 Prozent) oder auf Anregungen aus dem Netz. Immerhin 31 Prozent der Befragten setzen auf firmeneigene Acceleratoren-Programme – die sich manchmal an interne und manchmal an externe Gründer richten.

„Die besten Köpfe für ein bestimmtes Projekt arbeiten eben nicht immer im eigenen Unternehmen”, kritisiert Andersen. Doch erst auf Platz sechs mit 28 Prozent Zustimmung folgt in der Umfrage die Investition in oder die Übernahme eines Start-ups als Innovationsbeschleuniger. Noch ein Stückchen weiter hinten landet die gemeinsame Kooperation oder Kreation mit einem jungen Digitalunternehmen.

Innerhalb der Branchen entdeckten die Berater dabei deutlich Unterschiede: So stellt etwa die Energiebranche besonders gerne Risikokapital bereit, die Tech-Branche und Versicherungsunternehmen setzen dagegen überdurchschnittlich stark auf Acceleratoren. Als vergleichsweise verschlossen gegenüber externen Ideenbringern identifiziert der Innovationsreport dagegen die Bau– und die Gesundheitsbranche – auch wenn sich in beiden Sektoren langsam mehr tut.