Einige Deutsche gründen lieber im Ausland. Sebastian Reichelt und Markus Rauschschnabel haben vor drei Jahren Bluum gegründet – ein Start-up, das Spielzeug verleiht.

Von Svenja Bebenek und Martin Seiwert

Die meisten Kinder haben zwar tonnenweise Spielzeug, nutzen aber nur einen Bruchteil davon. Denn kaum hat ein Spielzeug seinen Reiz verloren, landet es in der Ecke. Warum also nicht mit Spielzeug verfahren, wie mit Büchern in einer Bibliothek – ausleihen, nutzen, Nachschub holen? Sebastian Reichelt und Markus Rauschschnabel beschlossen vor drei Jahren, aus der Idee ein Geschäft zu machen.

Sie gründeten das Start-up Bluum, einen Dienstleister, der monatlich Paketboxen mit Kinderprodukten versendet. Die Bluum-Zielgruppe sind Eltern mit Kindern im Alter von höchstens fünf Jahren. Die Kunden erhalten jeden Monat eine Box mit fünf Produkten. Bluum stellt sicher, dass die Kinder immer mit altersgerechten Spielsachen überrascht werden. Eine Abo-Box von Bluum kostet 29 Dollar pro Monat. Würden die Kunden die Spielsachen kaufen, müssten sie rund 50 Dollar bezahlen. Wenn einem Kunden ein Produkt besonders gut gefällt, kann er es direkt bei Bluum kaufen.

„Natürlich läuft nicht immer alles rund“

Rauschschnabel liegt besonders die Qualität der Produkte am Herzen: Jedes Spielzeug, das in eine Box gehe, werde von Bluum auf Herz und Nieren geprüft und von den Eltern im Bluum-Team in der Praxis getestet. „Natürlich läuft nicht immer alles rund“, gesteht der Gründer, „wir hatten zum Beispiel mal eine Fingerpuppe verschickt, für die wir von den Eltern viel Kritik bekamen. Auch ausgelaufene Flaschen und geschmolzene Schokolade gab es schon.“ Für Rauschschnabel ist es wichtig, dass die Firma aus jedem Fehler lernt.

Bluum hat seinen Sitz in New York, arbeitet aber auch mit Entwicklern in Mannheim zusammen. Erstaunlich für ein erst drei Jahre altes Start-up: 2014 wurden operativ schon schwarze Zahlen geschrieben.

Reichelt und Rauschschnabel, die schon vor der Bluum-Gründung in den USA lebten, konnten bislang insgesamt 1,5 Millionen Dollar Wagniskapital einsammeln. Neben dem Zugang zu Kapital schätzen die Gründer auch den großen US-Markt. Denn anders als etwa in Deutschland erfreuen sich die USA starker Geburtenraten. Pro Jahr würden in den USA vier Millionen Babys geboren, sagt Reichelt. „In Europa wäre unser Geschäft so nicht realisierbar. Dort müssten wir auch für jedes Land ein anderes Konzept entwickeln, weil die Produktwünsche stark variieren“, meint Reichelt. Für die weitere Zukunft haben die beiden Gründer zwar Deutschland als Absatzmarkt auf dem Radar, aber für Reichelt ist „die USA ist ein so großer Markt, da haben wir noch genug Zeit uns auszutoben“.

10.000 Boxen im Monat

Bluum verschickt zurzeit jeden Monat rund 10.000 Boxen. Bereits Ende Juni wurde der Gesamtumsatz des Vorjahres überholt, so dass sich 2014 der Umsatz verdoppelt haben dürfte. Als gelernter Prozessingenieur ist Reichelt überzeugt, dass „die Effizienz der Prozesse und Kosten so schnell keiner Bluum nachmacht“. Um mehr Kunden zu gewinnen, hat Bluum den Blog bluumblurbs.com im Sommer ins Leben gerufen. Eltern können dort mehr über die verschickten Produkte erfahren.

Bluums wichtigstes Ziel für 2014, die Profitabilität, haben die beiden Deutschen erreicht. Aber sie sind dennoch einig, dass die Gründung länger dauert hat als gedacht. „Die Probleme stecken im Detail“, meint Rauschschnabel. Für Reichelt ist das Gründer-Dasein eine Achterbahnfahrt der Gefühle: „Höhen sind schön hoch, Tiefen sind schön tief.“