Mit Hilfe der Expat-Gemeinschaft könne sich die iranische Wirtschaft „von einer verschlossenen, durch den Staat dominierten, auf Öl und von einigen wenigen natürlichen Ressourcen abhängigen Wirtschaft“ zu einer nachhaltigen Wirtschaft entwickeln, die eine neue Mittelklasse schafft und auch Frauen und Jugendliche fördert.

Die Konferenz, die dieses Jahr zum zweiten Mal stattfindet, wird privat finanziert, erhält nach eigenen Angaben keine Gelder der iranischen Regierung und wird von den Organisatoren selbst als apolitisch bezeichnet. Ungefähr die Hälfte der Teilnehmer kamen nur für die Konferenz aus dem Iran, viele aus den USA. „Wir haben uns für Berlin entscheiden, weil die Stadt nicht nur näher am Iran ist als an den USA“, sagt Kamran Elahian. „Sondern auch weil die Stadt eine große Bedeutung in der Start-up-Szene weltweit spielt.“ Zudem habe sich die deutsche Regierung sehr um die Konferenz bemüht und die Planungen unterstützt.

Der Technik-Sektor bietet jungen Menschen eine Chance

Bei der Konferenz war unter anderem auch Unternehmer und Business Angel Dave McClure vom Inkubator 500 Start-ups. „Mit rund 78 Millionen Einwohnern ist Iran für uns ein interessanter Markt”, sagt McClure. Im Iran gebe es zwar heute noch viele strukturelle Probleme. „Das ist aber auch in Staaten wie Saudi-Arabien und China so.” Alleine in Festlandchina hat der Inkubator von McClure zwischen 10 und 15 Projekten. Im Moment gebe es aufgrund der politischen Lage im Iran nicht viele Investoren, die sich für das Land interessieren würden. “Wenn sich die Tore öffnen, werden wir zu den Ersten vor Ort gehören”, sagt er. Konkret gebe es zwar noch keine Investitionspläne, aber das Land habe viele interessante Unternehmen, so McClure.

Eins dieser erfolgsversprechenden Start-ups im Iran ist Cafebazaar, ein iranischer Android-App-Store. „12 Millionen Nutzer hat unser App-Store”, sagt Hessam Armandehi, Gründer des Start-ups. 30 Millionen Smartphones soll es im Iran geben. Die Seite gehöre zu den 20 meist besuchten Seiten des Landes, so der Gründer. Neben Cafebazaar hat Armandehi noch zwei weitere erfolgreiche Unternehmen gegründet, darunter Divar, eine Art Ebay-Kleinanzeigen. “Wir haben versucht, eine Stimmung wie im Silicon Valley zu schaffen”, sagt Armandehi. Das sei zwar nicht leicht gewesen. Mittlerweile habe aber allein Cafebazaar rund hundert feste Mitarbeiter und über 10.000 freie Entwickler, die App für die Plattform programmieren. “Der Technik-Sektor ist einer der Bereiche, die der sehr großen und jungen Bevölkerung des Irans die besten Chancen ermöglicht”, sagt auch Rouzbeh Pirouz, Vorsitzender des iranischen Finanzdienstleisters Turquoise Partners.

Auch Sedigheh gehört zu den jungen Gründern des Landes. Sie macht gerade ihren PhD im Bereich der Kognitionswissenschaften und plant mit zwei weiteren Frauen ein eigenes Unternehmen, mit dem sie kognitive Applikationen entwickeln wollen, um die Leistung von Menschen zu steigern. „In diesen Bereich gibt es bisher nichts im Iran”, sagt die junge Frau. Die Gründerinnen stehen seit kurzem mit ersten Firmen in Kontakt.