Auch der deutsche Gründer Guhl kennt die Debatte um Jumia. „Themen wie local ownership sind uns sehr wichtig“, beteuert er deshalb. Sein Vorhaben: Vor Ort nach Mitgründern suchen und auf lokale Start-ups zugehen, um sie als Partner zu gewinnen. Konkrete Regeln, wie groß beispielsweise der Anteil an Europäern und Afrikanern in der Geschäftsführung sein müsse, würden sie sich trotzdem nicht auferlegen.

Im Gegensatz zu Guhl gründet Thomas Festerling nicht selber in afrikanischen Ländern. Vor vier Jahren hat er GreenTec Capital ins Leben gerufen und bis heute bereits 25 Start-ups gefördert, mit Know-How, vor allem aber auch finanziell. „Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten in den ersten Jahren“, sagt er über die Schwierigkeit, sich vor Ort überhaupt die nötige Bekanntheit zu erlangen. Insbesondere in den Tech-Metropolen Kenias, Südafrikas und Nigerias ist der Markt um die vielversprechenden Start-ups mittlerweile umkämpft.

Hilfe durch das „Tal des Todes“

Und dennoch: „Das Ökosystem ist oft noch nicht ausreichend entwickelt“, sagt Festerling. So kämen Gründer noch leicht an überschaubares Startkapital durch lokale Business Angels und Inkubatoren. 80 bis 90 Prozent der Firmen würden jedoch daran scheitern, das „Tal des Todes“ zu durchqueren, wie er sie nennt: die Durststrecke zwischen der Produkteinführung und der Finanzierung durch einen großen Risikokapitalgebern.

Hier greift ihnen GreenTec Capital mit mehreren Finanzierungsetappen und Beratung unter die Arme. Erst mit geringen Summen von meist weniger als 20.000 Euro; schließlich jedoch auch schon einmal mit bis zu 5 Millionen Euro. Gelingt der anschließende Weiterverkauf an die ganz großen Investoren, verdient auch GreenTec Capital daran.

80 Prozent der von ihm unterstützen Gründer stammen aus den jeweiligen afrikanischen Ländern selbst.  Insgesamt sieht Festerling es gelassen, wenn nicht nur Afrikaner, sondern auch Europäer in den Büros der Start-up-Hubs und den Führungsetagen von Firmen wie Jumia sitzen. „Ich glaube trotzdem, dass dies vielen dabei hilft, eine Vision zu bekommen“, sagt er über seine Hoffnung, dass noch viele weitere junge Menschen in Afrika zu Gründern werden wollen, um ihre Länder in eine bessere Zukunft zu führen.