Bundesverkehrsminister Dobrindt will Drohnen stärker regulieren. Während viele Drohnenfans eine drohende Führerscheinpflicht fürchten, begrüßen Start-ups die geplanten neuen Regeln.

Das Paket kommt via Drohne bis vor die Haustür, Stromleitungen und Pipelines werden mit kleinen Fluggeräten inspiziert und gewartet, hochauflösende Kameras am umbenannten Luftfahrzeug helfen bei der Vermessung von Landschaften: Die kommerziellen Einsatzmöglichkeiten von sogenannten Unmanned Aerial Vehicles (UAV), besser bekannt als Drohnen, lassen Unternehmen träumen – und deutsche Tüftler gleich mit.

Denn hier entsteht ein gewaltiger Markt: In den nächsten drei bis vier Jahren könnte das weltweite Volumen im UAV-Markt auf etwa 8,4 Milliarden US-Dollar ansteigen, erwartet ABI Research – weit mehr als die Hälfte werde im kommerziellen Sektor umgesetzt. Und auf den setzen auch zahlreiche deutsche Start-ups, die mit der Entwicklung und dem Betrieb von Drohnen experimentieren.

Doch die Freiheit unter den Wolken ist keineswegs grenzenlos. Zwar dürfen aktuell Drohnen unter fünf Kilogramm Gewicht prinzipiell ohne Erlaubnis aufsteigen, wenn sie als Sport- oder Freizeitgeräte genutzt werden. Sobald jedoch ein gewerblicher Einsatz vorliegt, ist eine sogenannte Aufstiegserlaubnis nötig. Die Vorgaben, um diese zu bekommen, unterscheiden sich je nach Bundesland deutlich. Das bremst den Markt derzeit merklich aus.

Und jetzt will auch noch das Bundesverkehrsministerium regulierend eingreifen. Ende des vergangenen Jahres verkündete Minister Alexander Dobrindt, dass demnächst sowohl private als auch gewerbliche Nutzung neu geregelt werden soll. Manche Drohnenfans sorgen sich bereits, ob künftig also noch mehr Regularien, genauere Vorschriften und mehr Bürokratie das Flugvergnügen erschweren.
Zahlreiche Start-ups begrüßen dagegen die Pläne. „Diesen Weg muss die Szene dringend gehen“, sagt etwa Florian Seibel, Gründer von Quantum Systems. „Wir müssen weg vom Modellbau hin zum richtigen Industriebetrieb.“

Mit etwas mehr als 15 Mitarbeitern tüftelt Seibel an Fluggeräten, die sowohl für den Transport von Nutzlast ausgelegt sind als auch Kameras aufnehmen können. Dass diese demnächst dann mit einem Drohnen-Kennzeichen ausgestattet werden müssten, wie es das Bundesverkehrsministerium für alle Geräte über 0,5 Kilogramm plant, sieht Seibel positiv: „Wenn einer ein Fluggerät hat, dann muss dieses natürlich gekennzeichnet sein – das schadet der Industrie sicher nicht.”

Ebenso wenig Sorgen machen sich die deutschen Start-ups um einen möglichen Führerschein, den gewerblichen Drohnenpiloten demnächst möglicherweise vorweisen sollen. Bei Ascending Technologies, deren Übernahme durch Intel vor wenigen Wochen angekündigt wurde, sei eine Schulung heute schon für annähernd alle Käufer Standard, sagt Sprecher Matthias Beldzik.

Entweder steht für die angehenden Piloten dabei ein eintägigen Theorie- und Praxiskurs bei Ascending Technologies selbst an oder ein Kurs in einem regionalen Trainingszentrum. „Das sind natürlich Kosten und Auflagen, aber sie erhöhen auf der anderen Seite auch die Einstiegsbarriere für Trittbrettfahrer“, sagt Beldzik. Wie in der Fahrschule können aber auch bei einem Drohnenführerschein nur die Basiskenntnisse gelehrt werden. Für die oft hochspezialisierten Einsätze auf hoher See oder an Industrieanlagen schulen die meisten Betreiber ihre Piloten sowieso noch einmal extra nach.

Drohnen sollen außerhalb der Sichtweite fliegen

Hoffnungen setzen einige Unternehmen noch in eine weitere Ankündigung des Bundesverkehrsministeriums: Danach könnte es nach einer Gesetzesänderung auch möglich werden, außerhalb der Sichtweite des Piloten zu fliegen. „Das bremst aktuell noch viele Möglichkeiten des Drohnenmarktes sehr aus“, sagt Hans-Peter Thamm, Gründer von Aerolution aus Berlin, die mit elf Mitarbeitern an Drohnen und passenden Anwendungen arbeiten. „Wir würden natürlich auch gerne außerhalb der Sichtweite fliegen”, sagt auch Florian Seibel.

Besonders in Flächenstaaten ist der autonome Betrieb über viele Kilometer ein wichtiges Argument. Doch nicht nur für Testzwecke wünschen sich die Gründer auch hierzulande größere Möglichkeiten: „Wir müssen im heimischen Markt gute Praxisbeispiele abbilden können – dann gelingt es auch für deutsche Unternehmen, weltweite Marken zu schaffen”, sagt Thamm.