Das Start-up Weekend Woman soll Lust auf Selbstständigkeit machen. In 54 Stunden entwickelten Frauen in Düsseldorf aus einer Idee ein Geschäftsmodell.

Von Johanna Küppers

Teilnehmer fauchen sich gegenseitig an, weinen, einige gehen und kommen nicht mehr wieder. Das ist normal. Binnen weniger Tage, entwickelt sich bei dem Start-up Weekend Woman eine Eigendynamik, die nicht mehr zu kontrollieren ist. Die Teilnehmerinnen hat der Ehrgeiz gepackt. Jede von ihnen möchte den Pitch am Sonntagabend gewinnen. Dafür bleiben einige bis spät in die Nacht. Das macht das Eventformat aus – der Druck und der Tunnelblick, bis das Ziel erreicht ist. Allerdings schaffen es nicht alle zum Finale am Sonntag.

Das Credo von Monika Brix lautet: Wenn man sich etwas vorstellen kann, dann ist es auch möglich. Sie ist Personaltrainerin – sportlich, energiegeladen – und Teilnehmerin an dem ersten Start-up Weekend speziell für Frauen. Es ist Freitagabend. Sie befindet sich im Startplatz, einem Coworking Space im Medienhafen Düsseldorf. Der Ausblick auf den Rhein, den dahinter liegenden Gehry-Bauten, den Rheinturm und die Promenade ist beeindruckend. Die aufgebauten Stuhlreihen werden immer voller, denn gleich beginnt der erste Pitch des Wochenendes.

Teilnehmer können ihre Idee vorstellen und potenzielle Teamkollegen anwerben. Dafür bekommen sie 60 Sekunden Zeit, keine Hilfsmittel, nur ein Mikrofon. Auch Brix hat eine Idee mitgebracht. Ihre Vision: Sie möchte Menschen bewegen. Vor allem möchte sie, dass Kollegen und Kolleginnen mehr Sport miteinander machen. Neben Brix präsentieren 22 andere Frauen ihre Gedanken und auch ein Mann traut sich schließlich auf die kleine Bühne. Nach einer kurzen Bewertung stehen die Finalisten fest, zehn Ideen kommen weiter. Brix ist nicht darunter.

Das weltweite Format Start-up Weekend, möchte Teilnehmern die Chance geben, einmal  auszuprobieren, wie es ist Entrepreneur zu sein und in einem Team intensiv an einem Produkt zu arbeiten. Eine Idee kann dort zu einem echten Unternehmen werden. Professionelle Hilfe bekommen die Teams von Experten aus verschiedenen Bereichen. Am Sonntag präsentieren sie die Ideen dann vor einer Jury. Bereits im April fand ein Start-up Weekend in Düsseldorf statt. Mitten in der Innenstadt, im Haus der Universität, trafen sich Gründungsinteressierte. Das Problem: Darunter waren nur 25 Prozent Frauen. Deshalb wurde nun im Herbst, eigens ein Raum für Frauen geschaffen, die am Gründen interessiert sind.

Auch Brix bleibt mit dabei. Zwar hat es am Freitagabend nicht für ihre Idee gereicht, trotzdem schließt sie sich einem anderen Team an. Denn sie ist vielen ihrer Kolleginnen einen Schritt voraus: Sie hat den Vorteil der Selbstständigkeit bereits erkannt und gründete 2010 ihr Unternehmen, in dem sie vor allem Gesundheitsmanagement anbietet. Das macht sie zu einem wertvollen Teammitglied.

Ganz überzeugt ist sie von der Idee, eine Veranstaltung extra für Frauen zu machen allerdings nicht. Überhaupt gehen die Meinungen auseinander – Kuschelveranstaltung versus sicheres Umfeld. Die einen sagen, sie müssen sich in der Wirklichkeit auch gegen Männer durchsetzen können, sie bräuchten keine explizite Veranstaltung dafür. Andere freuen sich darüber, eben einmal von diesem Umfeld losgelöst arbeiten zu können. Jurorin Sonja Andishmand befürwortet das Gründerformat: „Frauen haben einen ganz anderen Draht zueinander. Ich kann mir vorstellen, dass einige kommen, weil sie sich hier besser verstanden fühlen.“ Für die Gründerin von Homemade ist das ein idealer Ort, um Selbstvertrauen aufzubauen. Gerade für eine Frau biete die Selbstständigkeit große Vorteile, vor allem in der Terminplanung. So könnten Kinder, Beruf und Freunde gut miteinander vereinbart werden.

Unterschiedliche Ansichten und Entwicklungsstufen, finden sich auch in Brix-Gruppe wieder. Der Knackpunkt: Die Ideenträgerin hat keine Führungskompetenz. Ihr entgleitet immer wieder das Gespräch. Keiner übernimmt das Kommando. Als erfahrende Gründerin hat Brix das Bedürfnis sich einzuschalten und die Leitung selbst in die Hand zu nehmen. Aber sie hält sich zurück. Es ist nicht ihre Idee, deshalb möchte sie nicht zu sehr in den Mittelpunkt geraten. Sie arbeiten weiter, schließlich gibt es noch einiges zu tun.

Am Sonntag stellt sich dann heraus: Es haben nicht alle Gruppen bis zum finalen Pitch geschafft. Motivationsverlust und Krankheit sind die Gründe. Alle übrigen Teams kommen dann noch mal in eine Hochphase der Arbeit. Ergebnisse von Straßenumfragen werden berücksichtigt, man holt sich immer wieder die Meinung eines Mentors ein und auch Tipps für einen guten Pitch, denn für viele ist es das erste Mal vor einem Publikum. Abends ist es soweit. Die Gruppe rund um Brix darf als erstes auf die Bühne. Die Teammitglieder tragen sehr ausgefallene Kleider, passend zu ihrer Idee, eine Boutique zu eröffnen, in der Kleidung und sogar ganze Outfits ausgeliehen werden können. Der Pitch läuft gut, die Jury ist zufrieden, hakt an manchen Stellen noch einmal nach, gibt aber schließlich gute Kritik. Nach und nach präsentieren alle Gruppen ihre Ergebnisse. Die Juroren beraten sich kurz – für einen Sieg hat es bei Brix Gruppe nicht gereicht. Der unkomplizierte Werkzeugverleih, mysexytoolboy.de, überzeugte am Meisten und gewann. Diese Gruppe konnte innerhalb von drei Tagen, ein komplett fertiges Geschäftsmodell präsentieren und eine Website. Für Brix ist dies allerdings keine Enttäuschung, sie profitiert trotzdem von der Veranstaltung. „Ich brauchte noch mal etwas Abstand, jetzt habe ich einen neuen Blickwinkel auf manche Dinge“, sagt sie. Außerdem habe sie drei „Power-Frauen“ kennengelernt, mit denen sie unbedingt weiter in Kontakt bleiben wolle.

Blickt man auf das Engagement, welches sich bei den Teilnehmern innerhalb von drei Tagen, entwickelt hat, so ist das Ziel der Veranstaltung definitiv erreicht. Im Frühjahr wird es die nächste Möglichkeit geben – ein weiteres Start-up Weekend, dann aber als Abschlussveranstaltung einer ganzen Start-up Woche. Düsseldorf wird eine Woche lang Workshops, Pitch-Veranstaltungen und Vorträge rund ums Gründen bieten.