Gründer aus der Versicherungsbranche vernetzen sich im Bundesverband Deutsche Startups. Die Gruppe hofft allerdings noch auf Zulauf.

Der Bundesverband Deutsche Startups hat eine Arbeitsplattform für Start-ups aus der Versicherungsbranche gegründet. Ziel ist, den Austausch von Wissen und Erfahrungen unter Gründern zu fördern, aber auch Kontakte zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups herzustellen. Bislang hätten zehn solcher sogenannter Insurtechs („Insurance Technology“) Interesse an einer Mitarbeit geäußert, wie der Start-up-Verband auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer mitteilte. Zu einem ersten Treffen seien sechs Mitglieder zusammengekommen. Die Gruppe hofft nun auf Zulauf aus anderen Branchengruppen wie etwa der Fintech-Plattform im Start-up-Verband.

In Zukunft wollen sich die Insurtechs alle zwei bis drei Monate persönlich austauschen, um gemeinsame Belange voranzutreiben. Mit Hilfe der neuen Interessengruppe wollen die Start-ups so Innovationen in der Versicherungsbranche fördern. Zudem setzt sich die Branchengruppe bei Politik und Verwaltung für die Belange der Gründer ein.

Kontaktbörse für potenzielle Partnerschaften

Auch der Kontakt zu etablierten Versicherungsunternehmen soll durch die Plattform des 2012 gegründen Verbands einfacher und gezielter zustande kommen. Als Unterstützer und Sponsor der Branchengruppe hofft der Versicherungsmakler Ecclesia auf wertvolle Erkenntnisse zu den aktuellen Marktentwicklungen. Er finanziert dafür auch eine Stelle für die Organisation von Netzwerktreffen mit.

Dementsprechend aktiv versucht die Fachgruppe Gründer anzulocken. Engagieren will sich nach Aussage des Start-up-Verbands zum Beispiel das für seine Online-Berufsunfähigkeitsversicherung bekannte Insurtech Getsurance aus Berlin sowie der Versicherungsvermittler Simplesurance, ebenfalls mit Sitz in der Hauptstadt. Auch die Heidelberger Versicherungsplattform Getsafe ist dabei. Aus der Rechtsbranche will der Düsseldorfer Online-Rechtsberater Helpcheck mitarbeiten, der sich um Streitfälle beim Widerruf von Lebensversicherungen kümmert – und vor Kurzem elf Millionen Euro an frischem Kapital einsammeln konnte. Bislang fehlende bekannte Namen aus der Insurtech-Szene seien zum Teil noch in der deutlich größeren Fintech-Fachgruppe organisiert, heißt es vom Start-up-Verband.

Gegen Schwächen im B2C-Geschäft

Ein gemeinsamer Auftritt soll den Insurtechs auch dabei helfen, bei Verbrauchern bekannter zu werden. „Eine Vernetzung unter den Start-ups ist auch im Insurtech-Bereich unbedingt notwendig, um die Sichtbarkeit der Branche zu erhöhen und gemeinsame Themen gestärkt angehen zu können“, lässt sich Hanna Bachmann, Mitgründerin von Hepster und Gruppensprecherin, in einer Pressemitteilung zitieren. Auf einen Austausch zu speziellen Problemfeldern der Branche hofft Tim Fabian Besser, Gründer von Novasurance: „Die Insurtech-Branche ist sehr vielfältig, aber es gibt einige Themen, insbesondere in den Bereichen Regulatorik und Image, die für fast alle Insurtechs relevant sind.“

So versuchen die Start-ups den angestaubten Versicherungsmarkt aufzumischen, bewegen sich dabei aber in einer Branche, die traditionell als risikoscheu gilt. Dass junge Unternehmen inzwischen deutlich aufholen im Wettbewerb mit etablierten Versicherern, zeigt eine heute veröffentlichte Umfrage des Digitalverbands Bitkom: Eine knappe Mehrheit der unter 30-Jährigen in Deutschland kann sich vorstellen, eine Police bei einem Digitalunternehmen statt bei einem klassischen Anbieter abzuschließen. Kommunikation und Schadensabwicklung würden die meisten jungen Menschen gerne ausschließlich online abwickeln, so das Ergebnis einer Befragung unter rund 1000 Bundesbürgern.

Zu den Insurtechs, die jüngst mit teils üppigen Finanzierungen von sich reden machten, gehören der Versicherungsmanager Clark aus Frankfurt, der Berliner Sachversicherer Coya und das Vermittlungsportal Wefox.