Der begrenzte Zugang zu Kapital gilt als eines der größten Hindernisse für afrikanische Unternehmensgründer. Patrick Ngowi ist da ein gutes Beispiel: Noch vor seinem Schulabschluss zog er sein erstes kleines Geschäft mit Mobiltelefonen auf. Mit jeder Geschäftsidee vergrößerte es sich etwas, bis er schließlich ausreichend Kapital angespart hatte, um sein Solarunternehmen Helvetic zu starten. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. „Hätte ich mein Unternehmen in Deutschland gegründet, wäre ich nicht, wo ich heute bin. Die Konkurrenz wäre zu hart. In China wäre Helvetic nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber hier in Tansania können wir wirklich etwas bewegen. Das Gleiche gilt auch für andere Geschäftsbereiche“, sagt Ngowi.

In kreativen Ideenschmieden in Afrika resultieren aus Missständen wie denen im Finanzsektor Innovationen – zum Beispiel 2007 das mobile Zahlungssystem M-Pesa. M-Pesa kommt ursprünglich aus Tansanias Nachbarstaat Kenia und erlaubt es, per SMS zu bezahlen oder Geld zu überweisen. Die Technologie ist eine wegweisende Notlösung in Ländern, in denen die Mehrheit der Bevölkerung über kein Bankkonto verfügt. M-Pesa und die Omnipräsenz der Mobiltelefone wurden zu einem Katalysator für Folgeinnovationen beispielsweise aus dem iHub in Nairobi, einem Knotenpunkt der kenianischen Technologie-Szene.

Parallel zum Wachstum steigt der Finanzierungsbedarf

Mobisol profitiert ebenfalls von den Entwicklungen im mobilen Sektor und wickelt seine Geschäfte auf diese Art ab. Die Zahlungsausfälle seien äußerst gering und einige Kunden werben neue an oder bewerben sich als Angestellte, so Duveau. Gut 220 Ortskräfte beschäftigt Mobisol bereits insgesamt in Ruanda und Tansania; demgegenüber stehen rund zehn deutsche Ingenieure und das Management in Berlin. Letzteres plant mit Bedacht die Firmenentwicklung. „Die Nachfrage rechtfertigt die Expansion, aber wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht übernehmen und unsere Versprechen gegenüber den Kunden halten können“, sagt Duveau.

Da jede Anlage mikrofinanziert wird, steigt parallel zum Wachstum der Finanzierungsbedarf an. Das Geld sei allerdings nicht das Hauptproblem. Vor der Expansion müsse man den jeweiligen Markt verstehen und Personal ausbilden, sagt Duveau. Er habe Anfragen aus 19 Nationen in seinem Postfach, in denen Regierungen oder andere Vertreter Mobisol anwerben. Für eine Expansion kämen andere Länder Afrikas in Frage, vielleicht im Westen des Kontinents, oder auch ganz woanders: Indien hat ebenfalls Potenzial als Absatzmarkt für Off-Grid-Systeme.

Konkrete Pläne gibt es laut Duveau noch nicht, aber viele Möglichkeiten. Mit diesen Aussichten geht das Skype-Interview zu Ende – und dieses Mal hat weder die tansanische Strom- noch die Internetversorgung das Gespräch unterbrochen.