Eine SIM-Karte in jedem Gerät dokumentiert die Ratenzahlung und – viel wichtiger – garantiert die direkte Verbindung zu den einzelnen Systemen. „Anderen Unternehmen fehlt diese Konnektivität. Dank der SIM-Karte können wir unsere Solar-Systeme von Berlin aus kontrollieren. Wir wissen in Echtzeit, ob eine Störung vorliegt und welcher Art sie ist“, erklärt Duveau.

Wenn ein Mobisol-Team vor Ort zu einem Störungsfall ausrückt, hat es dank SIM-Info die richtigen Ersatzteile im Gepäck. Was schon dem Installateur in Deutschland Arbeitszeit und unnötige Wege erspart, wird angesichts der langen Distanzen im ländlichen Afrika umso entscheidender. Mobisol hat es sich nach eigener Auskunft zum Ziel erklärt, Strom dorthin zu bringen, wo er benötigt wird. Gerade außerhalb der Ballungszentren um die großen Städte in Tansania, Ruanda und anderen afrikanischen Ländern ist ein Großteil der Bevölkerung vom Stromnetz ausgeschlossen. Dessen flächendeckender Ausbau ist nicht abzusehen; er wäre vermutlich nicht lohnenswert.

Sogenannte Off-Grid-Systeme können diese Versorgungslücke schließen – und das umweltfreundlich. Off-Grid-Systeme sind Inselanlagen in der Energieproduktion, die abgeschnitten vom öffentlichen mit eigenem Speicher laufen. Hierzulande geht ihr Anteil zurück und sie kommen vielleicht noch bei abgelegenen Ferienhäusern zum Einsatz. In Entwicklungsländern hingegen steigt ihr Anteil an, und nach Einschätzung von Greenpeace sollen bis 2030 zwei Milliarden Menschen auf diese Weise mit Strom versorgt werden.

Finanzierung von der EU

Wenn Duveau in seinen afrikanischen Absatzländern unterwegs ist, besucht er Haushalte, die von Kerosinlampen erleuchtet werden und ihren restlichen Strombedarf mit einem Benzinbetriebenen Generator decken. Solar ist da eine Alternative, und das haben neben Mobisol auch andere entdeckt: Die beiden Start-ups Bettervest oder Solarkiosk kommen ebenfalls aus der Bundesrepublik und machen die deutsche Energiewende in Form unterschiedlicher Geschäftsideen zum Exportschlager in Afrika.

„,Made in Germany‘ hat unglaublichen Verkaufswert“, sagt Duveau. Doch auch lokale Unternehmen tummeln sich auf dem jungen Off-Grid-Markt. Helvetic Solar von Patrick Ngowi, der wiederholt als einer der aufstrebendsten Jungunternehmer des Kontinents ausgezeichnet wurde, ist wie Mobisol in Ostafrika zuhause. Der Tansanier Ngowi selbst macht keine Angaben zu dem Umsatz, das Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt diesen auf deutlich über zehn Millionen US-Dollar. Das wäre etwa vergleichbar mit dem Umsatz von Mobisol, der 2014 bei gut acht Millionen Euro lag.

Mit 50.000 Euro Startkapital initiierte Mobisol seine Pilotphase im Jahr 2011 und ist seit der Produkteinführung zwei Jahre später 250 bis 300 Prozent jährlich gewachsen. In diesem Jahr liegt das Absatzziel bei mindestens 25.000 weiteren Systemen. Nach einem jüngst mit der EU und der ruandischen Regierung geschlossenen Kooperationsvertrag soll Mobisol zudem 49.000 Haushalte und tausend Schulen in Ruanda mit Solarstrom versorgen. Je 1,3 Millionen Euro kommen von Mobisol und der Regierung, sechs Millionen schießt die EU zu – eine Kapitalspritze, die am unterentwickelten afrikanischen Finanzmarkt kaum vorstellbar ist.