Einige Deutsche gründen lieber im Ausland. Max Meister, Max Berger und Oliver Walze bauten Diplomero auf, weil Studierende lieber zuhause lernen, als gemeinsam in einer Klasse. 

Von Svenja Bebenek und Martin Seiwert

Als Unternehmer Max Meister noch Dozent an der Fachhochschule in Zürich war, merkte er, dass viele Studenten lieber zuhause lernten, als gemeinsam in einer Klasse. Mit seinen Kollegen Max Berger und Oliver Walze gründete er deshalb Diplomero. Der Dienstleister, der seinen Hauptsitz in Berlin hat, hilft Dozenten, ihren Hörsaal-Unterricht auch online als Video anzubieten. Mit einer eigens entwickelten Software ging die Plattform im November 2013 an den Start. Den Aufbau der Internetplattform finanzierten die Gründer mit Wagniskapital und eigenen Mitteln.

Zu den Kunden von Diplomero gehören heute Hochschulen und Universitäten, aber auch  Firmen, die sie Diplomero-Software kaufen, um sie für die Weiterbildung ihrer Mitarbeitern zu nutzen. Diplomero verkauft nicht nur seine Software, sondern bietet auch selbst Online-Kurse an. Das Unternehmen betreibt Studios in Zürich, Berlin, Bern und Winznau (Schweiz), wo die Dozenten ihre Kursvideos aufnehmen können. Gut 200 Kurse hat die Firma schon produziert und verzeichnet über 10.000 Kursteilnehmer pro Monat. Ein Kurs kostet zwischen 15 und 100 Euro und ist nach der Bezahlung für den Nutzer ein halbes Jahr lang freigeschaltet. Die Bezahlung der Kursleiter ergibt sich aus den Umsätzen: „Mit einem gut gemachten Kurs, der ein gefragtes Thema hat, können die Dozenten bis zu 10.000 Euro im Monat verdienen“, sagt Meister.

Zu den Firmensitzen in der Schweiz und Deutschland sollen bald Standorte in London und New York kommen. „USA und Großbritannien bieten einen riesen Markt“, sagt Meister. Derzeit steht für Max Meister das Wachstum des Unternehmens im Vordergrund: „Wir würden schwarze Zahlen schreiben, wenn wir nicht expandieren würden.“ In fünf Jahren soll Diplomero nach Meisters Vorstellung in drei oder sogar vier Kontinenten vertreten sein.

Der weltweite Markt für Online-Kurse, der derzeit auf rund 50 Milliarden Euro geschätzt wird, bildet nach Einschätzung des Firmengründers noch enorme Potenziale: „Gerade einmal zwei Prozent der globalen Kurse sind online, das Bedürfnis der Kunden ist weitaus höher.“ Zudem könnten in Zukunft auch Live-Kurse nachgefragt werden, die eine Interaktion mit den Teilnehmern ermöglichen. Auch verfolgt die Firma das Ziel, künftig anerkannte Abschlüsse für die Teilnahme an den Kursen zu vergeben.