Das Start-up ist bei den „Löwen“ zwar abgeblitzt. Im Interview erklärt Mitgründer Stefan Weiß, warum er dennoch an einen Erfolg der vernetzten Trainingsbänder glaubt.  

Da kam Bewegung ins Studio der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“: Nico Rosberg setzte sich bereitwillig auf die Trainingsmatte, um das elastische Fitnessband Straffr zu testen. Der Clou: Das Band enthält Sensoren und verbindet sich mit dem Smartphone. Die Nutzer sollen so in der dazugehörigen App sehen können, ob sie die jeweilige Übung richtig ausführen.

Für die Gründer des Kasseler Start-ups wäre der ehemalige Rennfahrer der Wunsch-Investor gewesen. Rosberg fand zwar viele nette Worte für den Pitch von Stefan Weiß, Torben Hellmuth und Hanno Storz – entschied sich am Ende aber gegen ein Investment. Auch die anderen Löwen waren nicht bereit, sich für 20 Prozent der Firmenanteile mit einem Betrag von 300.000 Euro in das Start-up einzubringen.

Der Markt, an dem sich die Gründer versuchen, ist umkämpft: Es gibt bereits zahlreiche Fitness-Angebot, die um die Gunst von Sportlern buhlen. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erklärt Straffr-Mitgründer Stefan Weiß, warum er dennoch von einem Erfolg überzeugt ist ­– und wie sich das Unternehmen seit der TV-Aufzeichnung Anfang März entwickelt hat.

Stefan, das Angebot an Fitness-Apps und Sportgeräten ist immens. Wie kamst du auf die Idee, ausgerechnet in diesem Bereich ein Start-up zu gründen?
Ich bin selbst sportbegeistert, spiele leidenschaftlich Volleyball und habe es da sogar einmal kurz in die zweite Bundesliga geschafft. Nach dem Studium habe ich als Berater gearbeitet und war oft unterwegs. Ein regelmäßiges Training etwa in einem Fitness-Studio war da schwierig. Um mich fit zu halten, habe ich Freeletics genutzt – eine bekannte App für Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Das Problem daran ist: Das Training wird sehr schnell zu eintönig. Man macht ständig Liegestütz und Burpees. Und man hat keinerlei Kontrolle darüber, ob man eine Übung richtig ausführt. Das Problem wollen wir lösen. Und zwar mit einem kompakten, vernetzten Sportgerät.

Die Wahl ist auf elastische Fitnessbänder gefallen. Warum?
Das Schöne ist, dass dieses einfache Hilfsmittel eine enorme Vielfalt an Übungen ermöglich. Wir haben in das Band einen Sensor eingearbeitet, dessen Daten an das Smartphone übertragen werden. So kann die App den Nutzer während des Trainings ein Feedback geben. Man sieht etwa, wie viel Kilogramm man zieht, man wird gewarnt, wenn die Übung zu schnell oder zu langsam ausgeführt wird und die Zahl der Wiederholungen wird gezählt.

Besteht nicht dennoch die Gefahr, dass man eine Übung grundliegend falsch macht?
Es gibt ja weitere Hilfestellungen. Zum einen natürlich die Video-Anleitungen und Beschreibungen zu den Übungen, die wir zusammen mit Personal Trainern und Physiotherapeuten entwickelt haben. Zum anderen gibt es am Band Markierungen, so dass man es richtig greift. Im Gesamtpaket kommen wir schon nahe an einen Personal Trainer heran.

Wie habt ihr die Sensorik im Band technisch gelöst?
Uns war wichtig, nicht mit einzelnen Sensoren zu arbeiten, sondern das ganze Band in einen Sensor zu verwandeln. Dazu haben wir einen dehnbaren, elektrisch leitfähigen Kunststoffstreifen eingearbeitet. Der Widerstand ändert sich, je nachdem wie stark gezogen wird ­– das bildet die Grundlage für unsere Messdaten.

Euer Band kostet im Vorverkauf knapp hundert Euro. Ist das nicht eine sehr große Einstiegshürde für neue Nutzer?
Sicher, das Band ist nicht ganz günstig. Aber es gibt durchaus die Bereitschaft, für digitale Sportgeräte Geld auszugeben – siehe das Fitness-Bike Peloton. Außerdem ist unsere App, die in den nächsten Tagen veröffentlicht wird, mit ihren Grund-Funktionen kostenlos. Wer sich das Straffr-Band nicht sofort kaufen will, kann erst einmal mit einem herkömmlichen Band loslegen.

Bei den „Löwen“ konntet ihr euch kein Investment sichern. War es schmerzlich, dort mit leeren Händen herauszugehen?
Wir haben uns darüber gefreut, dass das grundsätzliche Feedback auf unseren Pitch so positiv war. Dass wir eine sportliche Bewertung aufgerufen haben, war uns bewusst. Schade ist vor allem, dass wir Nico Rosberg nicht komplett überzeugen konnten. Mit seinem Hintergrund als Profisportler hätte er sehr gut zu uns gepasst.

Wie habt ihr Straffr bisher finanziert? Und kommt ihr bei der Suche nach Geldgebern voran?
Gestartet sind wir mit einem Exist-Gründerstipendium. Dann kam eine Business Angel an Bord und wir haben eine Crowdfunding-Kampagne abgeschlossen. Die Suche nach Geldgebern ist eine Herausforderung. Viele tun sich schwer damit, dass wir neben der Software-Komponente auch einen Hardware-Anteil haben. Das hat mich überrascht, wo Deutschland doch als Land der Ingenieure gilt. Jetzt stehen wir aber mit Investoren vor einer Vertragsunterzeichnung. Das hat sich auch wegen der Corona-Situation länger hingezogen als erwartet.

Euer Band soll im November an Vorbesteller ausgeliefert werden. Ärgerst du dich, dass ihr im Frühjahr noch nicht am Markt war? Gerade während des Lockdowns haben Fitness-Apps einen regelrechten Boom erfahren.
Tatsächlich hätte uns das Momentum stark geholfen. Aber auch über den Lockdown hinaus steigt die Bedeutung an digitalen Lösungen im Fitnessbereich. Die Nachfrage ist immer noch riesig. Ich bin überzeugt davon, dass vor allem Lösungen, die Hard- und Software kombinieren, sich durchsetzen werden. Auch Tech-Riesen setzten auf diesen vertikalen Ansatz: Apple etwa hat kürzlich ein Fitness-Abo für die Apple Watch gestartet, Google hat den Smartwatch-Hersteller Fitbit übernommen und Amazon hat einen eigenen Tracker vorgestellt. Mit einer reinen Fitness-App hat man als Newcomer auf dem Markt keine Chance mehr.

Vielen Dank für das Gespräch.